Bild: dpa/AP/Gerald Herbert/
Sechs Fakten über das Leben des US-Politikers.

Der prominente republikanische US-Politiker John McCain ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 81 Jahren, wie sein Büro mitteilte. McCains Familie hatte erst am Freitag mitgeteilt, dass der schwer krebskranke Senator seine Behandlung eingestellt hat. Der Politiker hinterlässt seine Frau Cindy und sieben Kinder.

Was muss ich über John McCain wissen?

McCain galt in den USA als KriegsheldQuerkopf und charakterfester Konservativer.

(Bild: Getty Images/William Thomas Cain)
  1. In den vergangenen Jahren hat er sich zum Gegenspieler von Donald Trump entwickelt, den Präsidenten so deutlich wie kaum ein anderer Republikaner kritisiert. Trumps Auftritt mit Wladimir Putin nannte er eine der "beschämendsten Vorstellungen eines amerikanischen Präsidenten".
  2. McCain ist in vielerlei Hinsicht aber dennoch ein typischer US-Konservativer. Er setzte sich zum Beispiel gegen Abtreibungen ein. Sicherheitspolitisch war er ein Hardliner, den Irakkrieg wollte er intensiver führen, Syrien früher bombardieren als viele andere. Nach Berechnungen der Nachrichtenwebseite FivethirtyEight stimmte er in gut 90 Prozent aller Fälle im Sinne von Trump.
  3. Selbst seine politischen Gegner bewunderten ihn trotzdem offen. Barack Obama nannte ihn einen "integeren" Menschen.
  4. Für die USA kämpfte er in Vietnam, sein Flugzeug wurde abgeschossen, knapp sechs Jahre lang verbrachte er in Kriegsgefangenschaft, wurde gefoltert.  Er lehnte eine vorzeitige Freilassung ab. Seine Begründung: Einige Kameraden seien länger in Haft als er. Für den Rest seines Lebens konnte er seine Arme nicht über Schulterhöhe heben.
  5. Er war milder in Immigrationsfragen als seine Parteifreunde, auch wegen seiner eigenen Vergangenheit strikt gegen Folter, er setzte sich für Transgender im Militär ein. Diese Standfestigkeit auch der eigenen Partei gegenüber brachte ihm den Spitznamen "Maverick" ein – ein Querkopf.
  6. Im Jahr 2000 trat er erstmals als Präsidentschaftsbewerber an, 2008 ein zweites Mal und wurde Kandidat seiner Partei. McCain verlor klar gegen Barack Obama, dazu beigetragen hat wohl auch der möglicherweise größte politische Fehler seiner Karriere: seine Entscheidung für Sarah Palin als Vize-Kandidatin. Sie glänzte vor allem durch fehlendes Fachwissen, ihre Nominierung passte so gar nicht zu McCains sonstigen Entscheidungen.

Wie erinnern sich die Menschen an ihn?

McCains Karriere ist reich an denkwürdigen Momenten, an die nun erinnert wird. Zu den wichtigsten zählt sein Nein im entscheidenden Moment. Als Donald Trump Obamacare – die von Republikanern verhasste öffentliche Krankenversicherung – abschaffen wollte, stimmt er in letzter Minute dagegen. Das Gesetz war vorerst gestoppt.

Hier kannst du dir die emotionalen Reaktionen dazu anschauen:

Seit McCains Familie mitgeteilt hat, dass sich der 81-Jährige nicht mehr gegen seinen Krebs behandeln lasse, kursiert aber vor allem ein Video. In der Sequenz geht es vor allem um McCains Charakter, nicht so sehr um seine politische Einstellung. Das Video stammt aus dem Jahr 2008 und zeigt McCain bei einer Wahlkampfveranstaltung. Die Bürger können Fragen an McCain stellen, mit einem Mikrofon läuft er durch den Raum. Eine Frau erhebt sich, schildert ihre Angst:

Ich kann Obama nicht trauen. Ich habe über ihn gelesen. Er ist ein Araber.
Frage an John McCain

Als McCain die Worte hört, schüttelt er sofort den Kopf. "No, mam", sagt er und nimmt der Frau das Mikrofon weg. "Er ist ein anständiger Familienmann, ein Bürger. Ich stimme mit ihm in fundamentalen Fragen nicht überein und darum geht es in dieser Kampagne. Er ist kein Araber. Danke."

Die Verschwörungstheorie der Frau erinnert an den Mythos, Obama sei Muslim oder kein Amerikaner. Donald Trump suggerierte seinen Anhängern immer wieder, Obama sei ein Muslim. Als einer seiner Anhänger die Lüge aufgriff, reagierte Trump begeistert – und bot ihm eine Bühne. (CNN)

McCain hingegen machte sich die Frage der Frau nicht zu eigen, hielt sich an die Fakten. Es ist diese Form des politischen Anstands, der offensichtlich gerade bei einem Teil der Amerikaner gut ankommt – und McCain zu einem Menschen machte, der spätestens seit dem Amtsantritt von Trump wie aus der Zeit gefallen schien.


Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Freiheitsberaubung und Machtmissbrauch: Italien ermittelt gegen Innenminister Salvini
Vier Fragen zu dem Fall

Nachdem Italiens Innenminister Matteo Salvini etwa 140 gerettete Geflüchtete nicht von Bord eines Rettungsschiffes gelassen hatte, wird nun gegen ihn ermittelt: Die italienische Justiz wirft ihm Amtsmissbrauch und Freiheitsberaubung vor.