Bild: dpa/Gregor Fischer
Einfach mal die Mode von Jens Spahn bewerten.

Am Mittwoch wurde die neue Bundesregierung im Bundestag vereidigt. Zu dem Termin mussten alle Ministerinnen und Minister einzeln den Amtseid ablegen. Viele Medien haben die Zeremonie begleitet.

Eigentlich könnte man viel über die politische Arbeit des neuen Kabinetts schreiben – aber einige Medien bewerteten lieber die Kleider der Frauen.

So schrieb die "Zeit" über die Schluppenbluse von Dorothee Bär, sie wirke "kleinmädchenhaft", die "Berliner Zeitung" urteilte, der Rock von Katarina Barley sei zu "freizügig". Relevant ist das alles nicht. Und mit Gleichberechtigung hat es auch wenig zu tun.

Nun hat die Schriftstellerin Hatice Akyün in einem witzigen Facebook-Post die Mode-Artikel persifliert – am Beispiel von Jens Spahn.

Zu einem Bild von der Vereidigung des neuen Gesundheitsministers bewertet sie sein Äußeres: Der Anzug in Navyblau, die Krawatte abgestimmt in Nordseeblau – "keine Schwarzmalerei bei Jens Spahn". Allerdings traue er sich keine modischen Experimente:

Komfortschnitt statt Slim Fit: Für viele Beobachter ein deutliches Zeichen, dass die Anzüge von Jens Spahn Hand in Hand mit seiner konservativen Politik gehen.

Keine Schwarzmalerei bei Jens Spahn. Der 37-Jährige trug bei seiner Vereidigung einen Anzug in Royal Navy, dazu eine...

Posted by Hatice Akyün on Donnerstag, 15. März 2018

Der alberne Text zeigt: Die Mode von Politikerinnen zu bewerten, sagt über ihre Arbeit exakt gar nichts aus. 


Gerechtigkeit

Wie ich mich an meine Freunde in Syrien erinnere
Über ein Land, in dem seit sieben Jahren Krieg tobt.

Ich starre auf das Display, Fahad ist nicht da, offline, weg

Seit zwei Wochen meldet er sich nicht mehr. Wir hatten auf WhatsApp über die Lage in Syrien geschrieben, darüber, wie es Fahad gerade geht. Schon tagelang wird die Ghuta, ein Landstrich nahe der Hauptstadt Damaskus, bombardiert. Aktivisten melden im Stundentakt neue Tode dutzender Zivilisten.

Und Fahad schreibt nicht. 

Seit mittlerweile sieben Jahren tobt in Syrien Bürgerkrieg. Sieben Jahre Leid, sieben Jahre Propaganda. Ich will wissen, was wirklich im Land passiert – als Journalist, aber auch als Mensch, der für einige Zeit in Syrien lebte und studierte. Das Land liegt mir am Herzen. Für ein Jahr war ich dort, für zwei Sommer, 2009 und 2010.