Realschülerinnen und -schüler könnten dann die Ausbildung nicht mehr machen.

Wer Hebamme werden will, soll künftig studieren müssen. Bislang wurden Hebammen an Hebammenschulen ausgebildet. Bewerben konnte sich dort jeder mit mittlerer Reife oder gleichwertigem Schulabschluss. 

Das soll sich nun ändern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzt damit eine EU-Richtline um: In vielen europäischen Ländern müssen Hebammen bereits studieren. Bis zum 18. Januar 2020 muss das nun aufgrund der Richtlinie auch in Deutschland der Fall sein. Das hatten die Parteien auch schon im Koalitionsvertrag festgehalten. (SPIEGEL ONLINE)

Jetzt gab Spahn sein Vorhaben erneut offiziell bekannt. Seine Begründung dafür, dass Hebammen künftig studieren sollen: "Die Anforderungen an Geburtshilfe steigen ständig", sagte er am Mittwoch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. 

Wenn künftig ein Studium erforderlich ist, bedeutet das aber auch: Menschen mit mittlerer Reife können mit ihrem Abschluss nicht mehr zur Hebamme ausgebildet werden. 

Dabei mangelt es in Deutschland sowieso schon an Hebammen. Seit 2015 mussten bereits mehr als 50 Kreißsäle schließen. Und auch bei der Vor- und Nachsorge gibt es zu wenig Fachkräfte: Werdende Eltern müssen sich eine Hebamme suchen, sobald sie wissen, dass die Frau schwanger ist – ansonsten stehen die Chancen schlecht, rechtzeitig eine Hebamme zu finden. (SPIEGEL ONLINE).

Löst ein duales Studium statt einer Ausbildung für Hebammen diese Probleme?

Wir haben drei Hebammen gefragt, was sie von Jens Spahns Plänen halten – und welche Veränderungen sie sich in ihrem Beruf wünschen.

Mareike Gotthardt, 28, hat Hebammenkunde studiert

Ich wurde an mehreren Hebammenschulen nicht angenommen, deshalb war das Studium für mich damals die Erfüllung meines langjährigen Berufswunsches.

Doch während des Studiums merkte ich: Ich würde es niemandem empfehlen, trotzdem zog es durch. Ich fühlte mich nicht besser als die Hebammenschülerinnen in der praktischen Ausbildung, im Gegenteil: Häufig bemerkte ich, dass Hebammenschulen besser organisiert sind und ihre Ausbildung praxisorientierter war als mein Studium. Es ist und bleibt ein Handwerk und das lernt man am besten in der Praxis.

Wenn jetzt alle den Beruf studieren müssen, ist zu hoffen, dass das Handwerk trotzdem nicht verloren geht und der Praxisanteil des Studiums gleich hoch bleibt. 

Hebamme ist kein Beruf, den man nur durch Studien, Recherchen und Artikel lesen lernt.


Ein Vorteil des Studiums wäre, dass studierten Hebammen andere Türen offenstehen, sie können in die Forschung oder Lehre gehen.

Trotzdem ist die Umstellung auf den Studiengang nicht das Wichtigste für uns Hebammen. Als freiberufliche Hebamme werden einem derzeit so viele Steine in den Weg gelegt, zum Beispiel die hohe Berufshaftpflichtversicherung. Immer weniger Hebammen arbeiten deshalb freiberuflich. Das hat zur Folge, dass Schwangere in naher Zukunft nicht mehr die freie Wahl des Geburtsortes haben, weil es fast keine Geburtshäuser oder Hebammen geben wird, die Hausgeburten leiten.

Das sind nur Ausschnitte aus der derzeitigen Situation. Daran müsste für eine gute Zukunft in erster Linie gearbeitet werden und nicht an der Akademisierung, die vielen jungen Mädchen, mit dem Wunsch Hebamme zu werden, ohne Hochschulberechtigung den Zugang zu diesem Beruf verwehrt.

Pauline, 27, lernte den Beruf an einer Hebammenschule

(Bild: privat)

In vielen Ländern müssen Hebammen bereits studieren. In den USA etwa muss man vor der Hebammenausbildung noch eine Krankenschwesterausbildung absolvieren. Es ist ein wahnsinnig komplexer Beruf mit viel Verantwortung. Wir dürfen auch mehr als zum Beispiel eine Krankenschwester. Daher finde ich das Studium auch gut, um auf Augenhöhe mit den Ärzten zu bleiben, mit denen wir zusammenarbeiten.

Hebammen wie ich werden deshalb nicht schlechter gestellt. Es ist ja erstmal ein Bachelor-Studiengang, das heißt, es gibt ein Jahr mehr in der Ausbildung, wo es hauptsächlich um wissenschaftliches Arbeiten geht. Im Gehalt gibt es vielleicht in Zukunft deshalb einen Unterschied, da es aber dabei auch um die Erfahrung geht, sehe ich keine Nachteile für Hebammen, die nur eine Ausbildung gemacht haben.

Was in meinem Beruf definitv angegangen werden muss ist, dass die Arbeitsbelastung wahnsinnig hoch ist. In der Klinik mache ich nie eine Pause.

Ich habe teilweise nicht Zeit, aufs Klo zu gehen, weil ich gleichzeitig vier Frauen betreue.

Ich kenne keine Hebamme, die eine volle Stelle hat, weil es einfach sehr viel Arbeit ist. Die Lösung wäre es, mehr Stellen zu schaffen und Hebammen besser zu bezahlen.

Tanja Jankovic (41) arbeitet seit 2011 als selbstständige Hebamme, teilt sich eine Hebammenpraxis

Im Monat betreue ich im Schnitt fünf Schwangere, rund um die Uhr. Ich mache Vorsorgeuntersuchungen, ich fahre mit den Frauen ins Krankenhaus und sehe nach ihnen, wenn das Baby da ist.

Die Entscheidung des Gesundheitsministeriums finde ich gut. Vor allem, dass Hebammen auf dasselbe Niveau wie andere akademische Berufe angehoben werden. 

Wir sind dann auf Augenhöhe. Wenn Ärzte zu uns sagen: ‚Wir haben das studiert‘, können wir erwidern: ‚Ja und? Wir auch!


Die fehlende Augenhöhe zeigt sich zum Beispiel dann, wenn Leitlinien in der Geburtshilfe festgelegt werden, also beispielsweise, ab wann eine Geburt eingeleitet werden darf. Das Studium gibt Hebammen bei diesen Leitlinien ein Mitspracherecht.

Trotzdem machen Hebammen, die nicht studiert haben, keinen schlechteren Job. Herr Spahn tut so, als würde das Studium das Wissen der Hebammen verbessern, dass ihre Kompetenz dadurch größer wird. Ich glaube, dass Geburtshelferinnen, die eine Ausbildung machen, sehr wohl dazu fähig sind, ganz wunderbar Kinder auf die Welt zu begleiten.

Gut ist: Durch das Studium gibt es einen EU-weiten Standard, der es uns Hebammen ermöglicht, in allen europäischen Ländern zu arbeiten. Das geht gerade noch nicht.

Den Hebammenmangel behebt die Neuerung trotzdem nicht, eher im Gegenteil. Dadurch, dass für die Hebammenausbildung jetzt Abitur nötig ist, werden viele Leute vorab ausgesiebt. Außerdem fällt die Vergütung für die Ausbildung weg. Der Beruf wird durch die Akademisierung nicht für junge Menschen attraktiver. 

Ich schätze, dass es immer schwieriger wird, Hebammen zu finden. Das wird sich erst ändern, wenn wirklich Kinder zu Schaden kommen, weil sie während und nach der Geburt nicht richtig betreut werden.

Und was sagt der Hebammenverband zu Spahns Plänen?

Andrea Sturm ist Vorsitzende des Hebammenverbands Hamburg. Sie findet die Ankündigung des Gesundheitsministers gut. "Wir sind das letzte Land der EU, das noch keine vollakademische Hebammenausbildung hat", sagte sie zu bento. Kolleginnen ohne akademische Ausbildung würden ab 2020 nicht weiter anerkannt, wenn sie im EU-Ausland arbeiten wollten. "Der Hebammenberuf hat sich verändert. 

Das Arbeitsfeld hat sich sehr erweitert und es ist ganz wichtig, die Dinge die wir tun, wissenschaftlich zu erforschen."

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Art

Video zeigt Probe der Aktion: So wollte Banksy sein Bild eigentlich zerstören
Eigentlich sollte nicht viel übrig bleiben.

Banksy wollte sein während einer Auktion teilweise zerstörtes Kunstwerk offenbar eigentlich vollständig schreddern. Das behauptet der Street-Art-Künstler indirekt in einem neuen Video. Demnach lief bei der Versteigerung des Bildes wohl etwas schief.

Das Bild "Girl with a Balloon" war durch den Schredder nur etwa zur Hälfte zerstört worden, übrig blieb der obere Teil des Bildes, der Rest hing in Streifen herunter. Kurz zuvor war das Kunstwerk für 1,2 Millionen Euro verkauft worden.

Was ist in dem Video von Banksy zu sehen?

In einem neuen "Directors Cut" seiner Schredder-Aktion zeigt Banksy, wie er den Schreddermechanismus installierte, wie das Bild versteigert wurde und wie es sich dann, direkt nach dem finalen Hammerschlag, selbst zerschredderte. Allerdings eben nur zur Hälfte.

Am Schluss ist auf einer Tafel zu lesen: "Bei Proben funktionierte es jedes Mal..." Dann ist eine Sequenz zu sehen, in der eine Kopie des Bildes durch den im Rahmen verborgenen Schredder tatsächlich ganz zerschnitten wurde.

Hier kannst du dir das Video komplett anschauen, die Probe ist ganz zum Schluss zu sehen: