Bild: Torsten Silz/dpa

Es ist ja nicht so, als ob Fußballspieler mit dem Fußballspielen nicht schon genug verdienen würden. Trotzdem suchen sie sich gerne Nebenverdienste. Unter den gefühlten Top 3: Werbung für Unterwäsche, Rollkoffer oder PlayStation-Spiele. 

FC-Bayern-Star James Rodriguez versucht jetzt, ein eigenes Business aufzubauen. In seiner Heimat Kolumbien hat er bereits eine Getränkemarke (Focus) – und nun startet er noch eine eigene Kryptowährung. Als erster aktiver Fußballer. Am 12. Juni geht sie an den Start. (Pressemitteilung)

Was steckt wirklich dahinter? Reine Abzocke oder wirkliche Chance auf mehr Kohle?

Worum geht es genau?

Im Video bewirbt Rodriguez sein neues Experiment und klingt dabei wie ein Missionar: "Solange wir die Stärke in uns entdecken, können wir die Besten werden." Es handle sich um eine "neue Ära der Innovation".

Was er eigentlich meint: Gebt mir euer Geld, investiert in meine Kryptowährung. 

"Unfortunately i have not been able to meet with everyone at BlockShow, but I want to share that JR10 Token will be officially launched on June 12. In future, we hope to create even greater surprises through JR10 Token!"

Gepostet von James Rodriguez am Montag, 28. Mai 2018

Mit der klassischen Kryptowährung Bitcoin ist das Produkt von Rodriguez nicht ganz vergleichbar. Bitcoin dienen als digitales Zahlungsmittel, das in komplizierten Rechenvorgängen mit Computern entsteht. "Schürfen" oder "Mining" nennt man das. 

Die Kryptowährung des Fußballers heißt "JR10 Token" (Seine Initialen, seine Rückennummer, Token = Währung). Wer sie kauft, investiert in den Fußballer selbst: 

  • Die Währung "JR10 Token" spiegelt den Wert der Marke James Rodriguez wider – wie eine Aktie den Wert eines Unternehmens.
  • Kaufen kann man die Währung nur über eine sogenannte blockchainbetriebene mobile App des Finanztechnologieunternehmens Selfsell. 

So funktioniert die Blockchain:

Jeder Bitcoin und jede Transaktion ist eine Ansammlung von Daten. Sie werden blockweise in einer Datenkette festgehalten – der Blockchain.
Jeder Block baut auf den anderen auf. Wollte man einen ändern, bräche die Kette in sich zusammen ...
... als würde man einen Holzscheit aus einem Jenga-Turm ziehen.
Das verhindert, dass Bitcoin kopiert oder mehrfach ausgegeben werden...
... und es schafft Transparenz, weil genau nachverfolgt werden kann, wann und wie ein Bitcoin den Besitzer gewechselt hat.
Werden neue Daten generiert – ein Bitcoin wechselt den Besitzer – müssen alle Teilnehmer der Kette dieser Aktion zustimmen.
1/12
  • Rodriguez sieht in "JR10 Token" eine weitere Möglichkeit, seinen Marktwert zu steigern – der sonst vor allem von seiner Leistung und Popularität abhängt.
  • Am Ende könnten die Token beispielsweise in Eintrittskarten für Spiele, für speziell auf Fans ausgerichtete Souvenirs und Artikel oder Aktivitäten seines Fanclubs umgetauscht werden. So preisen er und Selfsell die Währung an.
  • "JR10 Token" im Wert von 5 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 4.280.000 Euro) sollen verkauft werden. Die ersten 500.000 Dollar waren im Vorverkauf bereits nach zwölf Sekunden ausverkauft. Ein kleiner Teil wurde verschenkt. 
  • Auch der Fußballer soll ein kleines Kontingent seiner eigenen Kryptowährung halten. (Capital)

Zum Vergleich: So funktioniert die Kryptowährung Bitcoin

Was sind Bitcoins und wie entstehen sie?

Ein Bitcoin ist eine Aneinanderreihung von Zahlen. Bitcoin werden durch eine Software berechnet - man setzt Strom und Zeit ein und bekommt Bitcoin. Das nennt sich Mining.

Die Menge der Bitcoins ist mathematisch beschränkt: Nur 21 Millionen können nach den Regeln erschaffen werden.

Je mehr Bitcoin es gibt, desto aufwendiger ist das Mining. Mittlerweile braucht man dafür so viel Rechenpower und Strom, dass sich das in Deutschland kaum noch rechnet.

Bitcoin gibt es seit 2009. Der Erfinder, Satoshi Nakamoto, besitzt Bitcoin im Wert von mehreren Milliarden. Aber niemand weiß, wer sich hinter dem Namen verbirgt und ob es nur eine Person ist.

Mehr dazu: Bitcoinblog

Wir haben einen Experten gefragt, was taugt die neue Währung? Philipp Sandner ist Professor am Frankfurt School Blockchain Center und skeptisch, was das Experiment angeht. 

James Rodriguez spricht von einer neuen Ära. Wie innovativ ist die Idee wirklich?

Eine Kryptowährung kann alle möglichen Arten von Wert abdecken – und hier eben den Wert einer Person. Die Branche hatte schon lange damit gerechnet, jetzt ist es zum ersten Mal bei einem aktiven Fußballer so weit. Inhaltlich finde ich es deshalb sehr spannend. Ich bezweifle aber, dass alle Investoren wirklich wissen, was sie da gekauft haben. Das Investment kann über Nacht verloren gehen, das Projekt hat teilweise keinen professionellen Auftritt. Außerdem kann diese Kryptowährung in Zukunft völlig wertlos werden, das muss ein Investor wissen.

Wie schätzen Sie das Risiko ein?

Es ist wie bei Aktien. Investieren sie in eine kleine Firma und morgen wird sie zu Google, haben sie Glück. Es kann aber auch sein, dass Sie in eine Firma investieren, die sich schlecht entwickelt und irgendwann verschwindet, dann haben sie Pech gehabt. Ich denke hier an die T-Aktie vor knapp 20 Jahren und auch die Deutsche Bank. Die Entwicklung eines Wertpapiers und mithin auch einer Kryptowährung kann kein Mensch vorhersagen.

Angenommen Herr Rodriguez verletzt sich bei der WM und fällt ein halbes Jahr aus, sinkt sein Markenwert – dann kann das Geld, das man investiert hat, von heute auf morgen weg sein. Wenn er zehn Tore schießt, könnte der Wert natürlich steigen. 

Von etablierten Konzernen Aktien zu kaufen, ist also immer noch sicherer, als Kryptowährungen von Fußballern?

Schauen Sie sich die Deutsche Bank an. Auch da haben Investoren über Monate hinweg sehr viel Geld verloren. Es gibt keine Chance ohne Risiko. Beides ist bei "JR10 Token" enorm.

Was bringt Rodriguez das Ganze?

Ich gehe davon aus, dass der Fußballer eine Provision bekommt. Im Grunde macht er seine Reichweite zu Geld. Normalerweise macht er das über Gadgets wie Trikots – jetzt kommt ein ganz neuer Weg dazu. Aber auch er darf sein Risiko nicht unterschätzen: Bislang gab es Shitstorms bei Promis, wenn sie etwas Falsches gesagt haben. Aber es geht um mehr: um das Geld der Fans. Wenn etwas schiefläuft, Hacker zuschlagen, er keine Tore mehr schießt und sie das Geld verlieren, könnten die Fans aggressiv werden, sogar Drohungen gegen ihn aussprechen. 

Der Fan wird zum Investor, da ist die Abhängigkeit noch einmal eine ganz andere. Bei aller Begeisterung: Rodriguez kann davon auch schnell überrannt werden. Ich weiß nicht, ob er bei dem Ganzen gut beraten wurde. (Anmerkung der Redaktion: Die Berater, die Cristiano Ronaldo betreuen, haben auch diesen Deal betreut.)

Was ist einfacher zu kaufen: "JR10 Tokens" oder Bitcoins?

Es funktioniert genau nach der gleichen Logik wie Bitcoin. Die Investorinnen und Investoren müssen sich registrieren, also vereinfacht dargestellt: persönliche Daten angeben, ein Foto hochladen und im Nachgang Geld überweisen. Ich habe mir die Seite angeguckt: Sie wirkt nicht sehr professionell. Zum Beispiel ist nirgendwo auf Anhieb der Umrechungskurs in Euro zu sehen. Mit dem Wort "Token" kann niemand etwas anfangen. 

Kann eigentlich jeder von uns jetzt seine Kryptowährung starten und sozusagen Anteile von sich verkaufen?

Ja, das wäre möglich. Das Unternehmen, mit dem Rodriguez zusammenarbeitet, will genau das anbieten. Es ist sozusagen ein Investmentplattform für menschliches Kapital.

Auch Oliver Flaskämpfer von Bitcoin Deutschland AG glaubt nicht an den langfristigen Erfolg des Experiments: 

"Da James Rodriguez der Erste ist, der so etwas macht, wird es vielleicht kurzfristig Wertsteigerungen seiner Kryptowährung geben, langfristig sollte man damit aber eher nicht rechnen. Spannend wäre es, wenn man als Käufer der Kryptowährung an zukünftigen Gehältern und Ablösesummen von James Rodriguez profitieren würde, aber so ist es dann doch wohl eher ein nettes Merchandising-Projekt für eingefleischte Fans und weniger ein spannendes Investment."


Streaming

Eine Professorin hat alle "Star Wars"-Filme nach ihrem Frauenanteil gerankt
Es geht aufwärts!

Die Zukunft des "Star Wars"-Universums liegt in den Händen einer jungen Frau, Rey. Die Gegenwart wird gestaltet von einer mächtigen Generälin, Leia. Und das Schicksal der Galaxis wurde einst bestimmt von einer einflussreichen Diplomatin, Padmé.

Aber spielen Frauen bei "Star Wars" tatsächlich eine wichtige Rolle? 

Wie viel Raum haben sie in den Filmen wirklich?