Bild: Ian West/PA Wire/dpa
Fünf Fragen zum Fall James Gunn

Es gibt diesen Spruch, über den manche die Augen rollen: "Das Internet vergisst nichts." Stimmt aber. Selbst, wenn Tweets gelöscht werden, gibt es eine Seite, die diese gespeichert hat. Oder, um es mal mit Friedrich Dürrenmatt zu sagen: "Was einmal gedacht wurde, kann nicht zurückgenommen werden."

Allerdings hat man da noch die Wahl, ob die Gedanken öffentlich gemacht werden sollen. James Gunn hat sich dafür entschieden. Der Regisseur der Disney-Reihe "Guardians of the Galaxy" hat einen, sagen wir mal, außergewöhnlichen Humor. Und der hat ihm jetzt den Job gekostet, nach jahrelanger Verzögerung.

Was ist passiert?

Der US-amerikanische Drehbuchautor und Filmregisseur James Gunn hat vor Jahren Tweets mit Witzen über Vergewaltigungen und Pädophilie abgesetzt. Disney feuerte den 51-Jährigen am Freitag. 

Die meisten der beanstandeten Tweets stammen aus den Jahren 2008 bis 2011. Sie waren von der konservativ ausgerichteten Nachrichtenseite "Daily Caller" ans Licht geholt worden. Gunn ist Gegner von US-Präsident Donald Trump, Daily Caller Befürworter. Die Seite hatte zur Entlassung James Gunns aufgerufen.

Worum geht's in den Tweets?

Auf James Gunns Twitter-Seite sind sie nicht mehr zu finden. Aufgespürt werden konnte sie dennoch. Er schrieb unter anderem:

  • "Ich mache gerade eine große Hollywood-Verfilung von 'Der freigebige Baum' (Kinderbuch, Anm. d. Red) mit einem Happy End – der Baum wächst zurück und gibt dem Kind einen Blowjob."
  • "Adler schnappt Kind" nenne ich es, wenn ich einen abkriege

Hier ist die Sammlung der Tweets:

Was sagt Disney?

"Die beleidigenden Haltungen und Aussagen, die auf James' Twitter-Seite entdeckt wurden, sind nicht zu rechtfertigen und widersprechen den Werten unseres Filmunternehmens", erklärte Disney-Chef Alan Horn in einer Stellungnahme. 

Und was sagt James Gunn selbst?

Am Donnerstag hatte der US-Regisseur auf Twitter eingeräumt, er habe damals bewusst provozieren und Tabus brechen wollen. Er setzt gestern gleich fünf Tweets ab, um sich zu rechtfertigen. Er schrieb:

  • Ich habe mich als Persönlichkeit weiterentwickelt. Ebenso haben sich meine Arbeit und mein Humor weiterentwickelt.
  • Ich bin vielleicht kein besserer Mensch geworden, aber vor einigen Jahren wir ich noch sehr, sehr anders. Die Zeiten, in denen ich etwas Schockierendes gesagt habe, um Reaktionen zu bekommen, sind vorbei.
  • Ich habe mich schon in der Vergangenheit für meinen Humor entschuldigt. Ich meinte davon jedes Wort genau so.
  • Ich habe keinen meiner Witze ausgelebt.
  • Ich verurteile mich selbst nicht für diese Witze, aber ich fühle mich heute mehr bei mir.

Wie geht es für ihn weiter?

Gunn hatte bei den ersten beiden Teilen der "Guardians of the Galaxy"-Reihe Regie geführt. Offen ist, wer nun an seiner Stelle die Verantwortung für den dritten "Guardians of the Galaxy"-Teil übernimmt, der 2020 fertiggestellt werden soll. Er wird es nicht sein.


Mit Material von dpa


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