Bild: Imago/ Christian Ohde
Und was ist mit dir?

Neuer Wahlzettel, neues Glück – so sehe ich das nicht. Nachdem die Jamaika-Koalition vorerst geplatzt ist und nun Neuwahlen auf uns zukommen könnten, habe ich mich direkt gefragt: Würde ich mein Kreuz wieder an der gleichen Stelle setzen wie schon im September? 

Ja!

Denn ich habe mich lange mit Wahlprogrammen beschäftigt, Wahlarenen und Kanzlerduelle geschaut, um herauszufinden, welche Partei meine Wünsche am ehesten vertritt. Dazu kommen noch einige Diskussionen im Freundeskreis, unter Kollegen, mit der Familie. Ich habe abgewogen, was mir wichtig ist. Nachhaltige Umweltpolitik? Die besten Ideen für die Rente? Wie gelingt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Daran hat sich seit September nichts geändert – und es wird sich in den nächsten Wochen auch nicht viel ändern. Keine Partei wird ihr Programm völlig neu ausarbeiten, ihre Führungsriege komplett austauschen.

Was sollte jetzt anders sein?

Wähle ich jetzt plötzlich nicht mehr FDP, weil sie bei den Sondierungen aufgegeben hat? Wähle ich als CDU-Wähler jetzt doch noch SPD, weil mir der Absturz ja doch irgendwie Leid tut? Oder wähle ich die Grünen jetzt nicht mehr, weil sie mir bei den Sondierungen zu diplomatisch waren? 

Um dieses Geschacher und Taktiken geht es nicht. Es geht für mich um die besten Ideen – und die sind geblieben. 

Es wäre wieder nur ein kurzer Gang ins Wahlbüro oder zum Briefkasten. Wieder nur ein kleines Kreuz. Aber die gewählten Abgeordneten und Parteien sollten ihn uns ersparen. Das Volk hat gewählt und es ist jetzt die Aufgabe der Parteien, daraus eine Regierung zu formen. Und all ihre Ideen zu einem bestmöglichen Konzept zusammenzufügen. 

Die SPD könnte sich an den Verhandlungstisch setzen, die FDP auch wieder. Es wäre keine Schwäche. Im Gegenteil. Sie würden damit zeigen, dass die Interessen des Landes vor denen der Partei stehen. Die SPD scheut sich, weil sie vier Jahre Regierungspause haben möchte, um sich rundum zu erneuern. Die FDP hat Angst, in der Regierung zu scheitern. Noch einmal wollen sie nicht aus dem Bundestag fliegen. So zumindest macht es gerade den Anschein.

Die Zeit der Großen Koalition scheint die Parteien bequem gemacht zu haben. Das Mehrheitsverhältnis war komfortabel, Kompromisse zwischen Union und SPD waren leicht zu finden. Warum haben sie jetzt keine Lust mehr darauf, um Einigkeit zu ringen? Gerade das macht doch Politik aus. 

Dass nun mehrere Parteien im Bundestag sitzen und die Mehrheitsverhältnisse so kompliziert sind, ist auch eine Chance. Eine Chance zu einer intensiveren Debatte um politische Beschlüsse – also genau das, was in den letzten Jahren vielen Wählern gefehlt hat. 

Die Parteien können nun nicht mit Neuwahlen die Wähler erpressen und sie zu mehr Einigkeit zwingen. Nicht die Wähler müssen es den Parteien recht machen, sondern die Parteien ihren Wählern.

Und was ist mit dir?

Fühlen

Hört bitte auf, mich immer zu fragen, was ich beruflich mache!
15 Small-Talk-Fragen, die besser sind als "Was machst du beruflich?"

Ich bin sicher nicht der interessanteste Mensch auf der Welt. Andererseits gibt es über mich schon so einiges zu erzählen. Ich habe Talente. Ich habe Hobbys. Ich bin irgendwo geboren und dann irgendwann hierher gezogen. Wann genau? Warum? Mit wem? 

Ich habe Meinungen zu politischen, gesellschaftlichen und künstlerischen Themen. Ich höre gewisse Musikrichtungen und andere Musikrichtungen finde ich extrem schlimm. Ich trage einen seltsamen Pulli, über den wir uns unterhalten könnten: Wo habe ich den her? Warum kaufe ich mir so seltsames Zeug? Hab ich sie noch alle? 

Alles interessante Fragen. 

Aber wonach werde ich andauernd als so ziemlich Erstes gefragt? Nach meinem Job. Egal ob ich Freunde von Freunden kennenlerne, oder die Eltern vom Partner, oder Menschen an der Bar: "Wie heißt du?" heißt es und dann "Was machst du beruflich?" Und ich jedes Mal so: