Bild: JU/Juso/JuLi/Pixabay; Montage: bento
Wir haben bei Junge Union, Grüner Jugend und den Jungen Liberalen nachgefragt.

In Berlin haben heute die ersten Gespräche über eine mögliche Jamaika-Koalition begonnen. Es dürften sehr zähe Gespräche werden, schließlich sind sich die Union, FDP und Grüne in sehr vielen Punkten uneinig. Erst im Januar könnte es eine Einigung geben.

Wir haben bei den Jugendorganisationen nachgefragt: 

Was sind für sie Entscheidungen, denen alle zustimmen müssen? Und wo könnte man auf andere Parteien zugehen?

Moritz Heuberger, 26, Bundessprecher der Grünen Jugend
Was ist für dich eine rote Linie?

Die Union und die FDP müssen sich endlich zu Europa bekennen. Die Kaputtsparpolitik muss zusammen mit Wolfgang Schäuble aus dem Finanzministerium ausziehen, wir brauchen eine vernünftige soziale Infrastruktur – damit zum Beispiel Jugendarbeitslosigkeit bekämpft wird. 

Ein starkes Europa ist für uns Junge essentiell: Wir brauchen gemeinsame Investitionen in Schulen, Kitas oder Wohnungsbau. Europa muss gerechter werden, an einem gemeinsamen Haushalt führt deshalb kein Weg vorbei – auch wenn die FDP das anders sieht.

Unser Parteichef Cem Özdemir hat angedeutet, über das genaue Jahr für den Kohleausstieg und das Verbot von Verbrennungsmotoren noch mal nachdenken zu wollen. Das hat mich sehr gewundert. 2030 muss eingehalten werden. 

Die FDP setzt darauf, dass der Markt das durch neue Innovationen selbst regulieren wird – wir haben in der VW-Affäre gesehen, dass das nicht funktioniert. 

Ein starkes Europa ist für uns Junge essentiell.
Moritz Heuberger
Welches Zugeständnis würdest du machen?

Die FDP lehnt eine Mietpreisbremse komplett ab. Darüber könnten wir reden, solange wir ein gemeinsames Ziel vor Augen haben, nämlich Wohnraum – vor allem in den Städten – bezahlbarer zu machen. Mein Herz hängt da nicht an einzelnen Instrumenten, sondern daran, mehr Gerechtigkeit zu schaffen. 

Die FDP setzt auf private Investoren. Das ist für mich keine Lösung, denn die bauen vor allem Luxus-Apartments – das hilft also den Schwächeren nicht. Wir sollten lieber noch einmal über Sozialen Wohnungsbau sprechen.

Ria Schröder, 25, stellvertretende Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen
Was ist für dich eine rote Linie?

Wenn wir damit anfangen, rund um unser Wahlprogramm rote Linien zu ziehen, brauchen wir mit den Gesprächen gar nicht erst starten. Deshalb gilt: Wir wollen einen Politikwechsel erreichen und Trendwenden in den Themen, die für junge Menschen wichtig sind.

Mehr Geld für Bildung, sowohl für BAföG, als auch für Schulausstattung und Lehrerqualifikation. Spürbare Digitalisierung der Verwaltung. Außerdem müssen wir uns über Themen wie eine zukunftsfähige Rente unterhalten.

Welches Zugeständnis würdest du machen?

Bevor wir über Zugeständnisse sprechen, sollten wir uns erst einmal auf die Gemeinsamkeiten konzentrieren. Zum Beispiel beim Klimaschutz sind wir uns im Ziel einig. Wir bekennen uns klar zu den Pariser Klimazielen, denn gerade für uns Junge Liberale ist es eine Frage der Generationengerechtigkeit, die Erde für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. 

Der Unterschied ist: Wir weigern uns dagegen, dass Politikwissenschaftler und Sozialpädagogen im Bundestag den Weg vorschreiben. Statt uns auf eine Technologie, wie die E-Mobilität, festzulegen, wollen wir mehr in Forschung investieren und die Entwicklung technologieoffen vorantreiben.

Es ist eine Frage der Generationengerechtigkeit.
Ria Schröder

Ich kann mir vorstellen, dass wir beim Thema Arbeitsmarkt Zugeständnisse machen. Etwa wenn es um sachgrundlose Befristungen geht, das ist ein extremer Unsicherheitsfaktor etwa für junge Menschen, die überlegen, eine Familie zu gründen. 

Und auch beim Recht auf Rückkehr in Vollzeit nach der Elternzeit. 

Hans Reichhart, 35, Landesvorsitzender der Jungen Union Bayern
(Bild: Hans Reichhart)
Was ist für dich eine rote Linie? 

Was wir definitiv nicht mitmachen, ist, Generationen gegeneinander auszuspielen. Die sozialen Sicherungssysteme dürfen nicht einseitig zu Lasten der jungen Generation ausgebaut werden. Die Familien müssen auf jeden Fall gestärkt werden: Die anderen müssen eine Erhöhung des Kindergeldes und Steuersenkungen mitmachen. 

Und für uns sind 200.000 Flüchtlinge pro Jahr die humanitäre Grenze – und so eine Grenze wünscht sich auch die Mehrheit der Deutschen. 

Ich denke, damit können wir auch die Grünen überzeugen: Beim Thema Flüchtlinge brauchen wir endlich Ordnung, dann können wir auch humanitär arbeiten. 

Beim Thema Flüchtlinge brauchen wir endlich Ordnung, das wird auch die Grünen überzeugen.
Hans Reichhart
Welches Zugeständnis würdest du machen?

Ich glaube, vor allem in der Wirtschaftspolitik und im Digitalen können wir viel Gemeinsamkeiten finden. Grüne und FDP haben da Konzepte, die wir uns näher anschauen können – beim Netzausbau und digitaler Infrastruktur. Ich denke, Jamaika kann so gemeinsam einen Zukunftsplan für Deutschland erarbeiten. 

Zusätzliche Punkte im Bereich Zugeständnisse sehen wir erstmal nicht.

Das sind die Knackpunkte bei den Verhandlungen:


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