Bild: Jahnsdorf; Montage: bento
Wir haben beim Bürgermeister angerufen.

Der Blick von außen auf Sachsen ist voller Klischees: Dunkeldeutschland, AfD-Land und dann dieser furchtbare Dialekt. Mit Übergriffen auf Geflüchtete und fremdenfeindlichen Demonstrationen schaffen es Sachsen in die überregionalen Medien. Bei Protesten im Sommer in Chemnitz wurden Hitlergrüße gezeigt.

Jetzt will die Gemeinde Jahnsdorf im Erzgebirge eine Karnevalsfeier ausrichten – mit dem Motto Uniformen.

Abgebildet auf dem Flyer: zwei Männer in Wehrmachtsuniform. Für den 2. März plant der Jahnsdorfer Carnevalsverein eine Feier: "Uns're Party hat 'ne Norm, dieses Jahr in Uniform". Militärisch korrekt ist der Beginn nicht mit "20 Uhr", sondern mit "20 Hundert" angegeben.

Nutzerinnen und Nutzer teilen das Bild des Flyers im Netz, unter anderem der "Tagesspiegel"-Journalist Matthias Meisner. Er schreibt: "Mir fehlen die Worte"

Auch andere kritisieren das Motto: "Was schnüffeln die da", fragt ein Nutzer.

Der Tenor auf Twitter: Typisch Sachsen.

Wir haben beim Bürgermeister von Jahnsdorf angerufen. Wir wollten von Albrecht Spindler wissen, wie es zu dem Motto kam – und was passiert, wenn Gäste in Wehrmachts- oder SS-Uniform ins Festzelt kommen wollen.

Auf seiner Homepage zeigt sich Jahnsdorf modern: Die Gemeinde engagiert sich im Umweltschutz, informiert Bürgerinnen und Bürger auf Facebook, Instagram und im WhatsApp-Newsletter. Albrecht Spindler wurde vor zwei Jahren ins Amt gewählt – er hat sich gegen Mitbewerber von AfD und NPD durchgesetzt. "Wir sind eine tolerante Gemeinde", sagt Spindler.

Dass der Karnevalsverein nun mit einem Weltkriegs-Motto wirbt? Und er das auch noch auf den Titel des Amtsblattes drucken ließ? Jetzt im Nachhinein bezeichnet der Bürgermeister das als "delikat".

Ich hätte wohl lieber ein Landschaftsbild drucken sollen.
Albrecht Spindler, Bürgermeister

Warum ihm das erst jetzt einfällt? Weil es um Satire gehe, behauptet Spindler. Auf dem Plakat sind Figuren der Serie "Ein Käfig voller Helden" zu sehen. Die amerikanische Serie ist aus den Sechzigern, eine Weltkriegs-Parodie. "Es ist Karneval und die Serie ist eine perfekte Satire", sagt Spindler, "Büttenreden sind auch überspitzt, warum also nicht auch ein überspitztes Motto?"

Weil Sachsen in Wehrmachtsuniform gerade kein besonders gutes Bild abgeben? Nur so eine Idee.

In "Ein Käfig voller Helden" geht es um amerikanische Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft, aus ihrem Lager heraus sabotieren sie die Pläne der Nazis. Diese wiederum werden in der Serie als Trottel dargestellt.

In der Serie – im Original "Hogan's Heroes" – spielen viele jüdische Darsteller mit. Anstatt um Kriegspropaganda geht es um Widerstand gegen den Faschismus.

"Das wird auch im Programm des Karnevalsvereins so behandelt", sagt Spindler. Entsprechend hielt er es für okay, die Anti-Kriegs-Helden auch im Amtsblatt zu zeigen. Nachdem sich einige Bürgerinnen und Bürger beschwert hatten, ist das Bild auf neueren Plakaten nicht mehr zu sehen.

Kritik am Motto gab es auch vom Sächsischen Carnevalsverband, dem der Jahnsdorfer Verein angehört. 

Ich weiß nicht, was sich die Leute dabei gedacht haben, gerade in dieser Zeit.
Jörg Weiser, Sächsischer Carnevalsverband

Mit Uniformen könne man nicht das ausdrücken, worum es beim Karneval ginge: "Freude, Spaß und Frohsinn", sagte Jörg Weiser, der Chef des Verbands, der "Freien Presse" aus Chemnitz. 

Auch vor Ort hatte das Motto bereits Konsequenzen: Der Vereinsvorsitzende trat Ende Januar zurück. Die Idee für das Plakat sei entstanden, während er im Urlaub war. Noch vor der Veröffentlichung im Amtsblatt will er sich im Verein gegen die Illustration ausgesprochen haben, konnte sich aber nicht durchsetzen. 

Was passiert, wenn tatsächlich jemand in Wehrmachtsuniform auftaucht?

Spindler sagt, er habe sich mit dem Verein zusammengesetzt – es solle nun ein Sicherheitskonzept für die Party ausgearbeitet werden: "Es wird kontrolliert, wer mit welchem Kostüm ankommt." Alles verfassungsfeindliche werde verboten.

Vorab wolle der Karnevalsverein auch noch mal darauf aufmerksam machen, dass "Uniformen" alles von Ärztin bis Polizist bedeuten kann – aber Nazi-Uniformen trotz der eindeutigen Einladung jetzt doch nicht mehr erwünscht sind.


Gerechtigkeit

Alexandria Ocasio-Cortez entlarvt die korrupte US-Politik unter Trump – mit nur vier einfachen Fragen
"Antworten Sie nur mit 'Ja' oder mit 'Nein'."

Sie braucht weniger als fünf Minuten und nur ein einfaches Frage-Antwort-Spiel: Bei einer Anhörung in einem US-Ausschuss hat die 29-jährige Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez clever gezeigt, wie leicht es Politikern und Politikerinnen in den USA gemacht wird, sich zu bereichern. 

Alexandria Ocasio-Cortez nennt ihr Gedankenexperiment das "Corruption Game" – der Auftritt gehört nun auf Twitter zu den meistgesehenen Videos aller Zeiten.

Die junge Politikerin gehört zu den Abgeordneten, die seit Januar neu im US-Kongress sitzen. Noch nie waren so viele Frauen in dem Parlament vertreten, "AOC", wie Ocasio-Cortez auch genannt wird, gehört zu den schillerndsten. Ihre Arbeit teilt sie umfangreich auf Twitter und Instagram, radikale Forderungen zum Klimaschutz auch.

Vergangene Woche saß Alexandria Ocasio-Cortez im Ausschuss für Aufsichts- und Reformfragen. Darin geht es um Finanzierungsfragen für Politiker oder darum, wie das Wahlsystem vereinfacht werden kann. Gäste, die vor dem Ausschuss geladen sind, müssen den Abgeordenten wahrheitsgemäß antworten.

Die Abgeordnete nutzt das clever aus, indem sie nur Fragen stellt, die die anwesenden nur mit "Ja" oder mit "Nein" beantworten können – und so zugeben müssen, wie korrupt die US-Politik ist.

Ocasio-Cortez spielt in ihrem Gedankenexperiment die Böse – und will versuchen, es legal mit Korruption bis ins Weiße Haus zu schaffen. 

Also malt sie sich aus, wie es wäre, wenn ihr eine Wahlkampagne von Lobbyisten der Pharma- oder Energieindustrie finanziert würde: "Gibt es da irgendetwas, was mich davon abhält?" Die Antwort: Nein.

Dann will sie wissen, ob sie als Politikerin "Schweigegeld" zahlen dürfe, um unliebsame Gerüchte zu verhindern. Die Antwort: Ja. Alexandria Ocasio-Cortez fasst zusammen: