Bild: Unsplash Matheus Ferrero
Klären wir das – ein für alle Mal!

Es gibt ja Menschen, die schlafen nicht nur gerne nackt - sie erklären auch gerne lang und breit, wie gesund es sei, nachts ohne Schlafanzug zwischen die Laken zu schlüpfen: Das sei gut für die Abwehrkräfte, die eigene Temperatur und, natürlich, für das Sexleben. Vielen anderen in der Runde reicht schon die Vorstellung, um zu frösteln.

Aber was ist an den Argumenten der begeisterten Nacktschläfer wirklich dran? Wir haben Dr. Hans-Günter Weeß gefragt. Er ist Somnologe und Vorstandsmitglied in der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

Nackt schlafen – was spricht dafür?
Ein Vorteil des Nacktschlafens kann sein, dass man besser einschläft
Hans-Günter Weeß

"Das fällt leichter, wenn die Körperkerntemperatur ein Stück fällt. Wenn es an der Oberfläche des Körpers etwas kühler ist, wird Wärme vom Körperinneren nach außen abgegeben“, sagt der Experte. Das ist ohne Pyjama der Fall – und so kann Nacktschlafen dazu führen, dass wir früher einschlafen und dadurch mehr Schlaf bekommen.

Führt nackt schlafen wirklich zu mehr Sex?

Tatsächlich gibt es auch einen Zusammenhang zu einem besseren Liebesleben: "Studien zeigen, dass Nacktschläfer tendenziell glücklichere Paare sind“, sagt Weeß. "Die gemeinsame Sexualität und der intime Kontakt werden dadurch offenbar besser gepflegt.“

Klären wir das – ein für alle Mal

In dieser Rubrik beantworten wir kleine Fragen des Alltags. Wenn du auch gerne eine beantwortet hättest, schreib uns an fuehlen@bento.de.

Außerdem kommt es bei Paaren, die nackt schlafen, häufiger zu direktem Körperkontakt. Dadurch wird Oxytocin ausgeschüttet – ein Botenstoff, der unter anderem eine Wohlfühlatmosphäre schafft. Und so können wir durch nacktes Schlafen ein bisschen glücklicher werden.

Mehr zum Thema Liebe und Sexualität gibt es in unseren Sexkolumnen:
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Und ist es besser für das Sperma?

Das Gerücht, mehr Spermien würden produziert, wenn man nackt unter der Decke läge, hält sich hartnäckig. Ist da etwas dran? "Grundsätzlich kann die Spermienproduktion leiden, wenn die Hoden zu warm oder zu eng eingepackt sind – deshalb kann sich ein Pyjama oder eine enge Unterhose negativ auf die Gesundheit der Spermien auswirken“, sagt Weeß. "Aber ich würde empfehlen, diese Überlegungen nicht überzubewerten.“

Was aber stimmt: 

Wer nachts stark schwitzt, ist ohne Pyjama besser dran. 


Der ganze Körper ist besser belüftet, das gilt auch für den Intimbereich
Hans-Günter Weeß
Was spricht dagegen, nackt zu schlafen?

"Ohne Pyjama wird alles, was man transpiriert, direkt ins Bettlaken abgegeben“, sagt Weeß. "In diesem Fall sollte das Laken ein- bis zweimal pro Woche gewechselt werden.“ Das gilt bei Personen, die viel schwitzen, dementsprechend auch für den Schlafanzug – aber es ist natürlich viel einfacher, die Kleidung zu wechseln, als gleich das Bett frisch zu beziehen.

Ein anderes Risiko ist beim Nacktschlafen: "Wir laufen eher Gefahr, uns während des Schlafs zu erkälten“, sagt Weeß. "In der REM-Phase des Schlafes funktioniert das körpereigene Thermostat nicht mehr richtig, der Körper schwitzt oder friert eher. Wer dann nicht warm genug zugedeckt ist, könnte sich erkälten.“

Zur Vorbeugung die Heizung im Schlafzimmer hochzudrehen, ist keine gute Option. Denn frische und eher kühle Luft im Raum sorgt für einen guten Schlaf. Wenn es kalt ist, also lieber zur dicken Decke greifen.

Das bedeutet aber: Nacktschläfer stärken nachts nicht ihr Immunsystem, obwohl das oft behauptet wird. Denn das würde nur passieren, wenn der Körper Kälte ausgesetzt wird – und diesen Zustand wollen wir wegen der Erkältungsgefahr vermeiden.

Wie oft sollte man sein Bett neu beziehen? Und darf man Spinat aufwärmen? Alle Folgen von "Klären wir das - ein für alle Mal" gibt es hier:
Was sollten wir also tun?

Eigentlich können wir bei der Entscheidung für oder gegen das nackte Schlafen nur auf uns selbst hören. "Entscheidend ist: Wie fühle ich mich wohl? Es hat keinen Sinn, sich zu etwas zu zwingen“, sagt der Somnologe. "Denn dann sind wir angespannt und haben einen schlechteren Schlaf.“

Richtig gut schlafen wir nur, wenn wir so entspannt wie möglich sind. Dieses Gefühl kann sich nackt einstellen – vielleicht aber auch im alten Lieblingspyjama.
 

 


Gerechtigkeit

Die IS-Hochburg Rakka wurde erobert. Ist der Spuk nun vorbei?

Rakka ist gesichert. 

Die kleine Stadt im Osten Syriens galt über drei Jahre hinweg als das dunkle Herz des "Islamischen Staats". In der Stadt kamen wichtige Führungskader der Terrormiliz zusammen, die lokale Bevölkerung wurde unterdrückt und musste sich an strenge Gesetze halten. Wer sich nicht unterordnete, wurde hingerichtet, die Leichen hingen als Mahnmal auf öffentlichen Plätzen.

Nun haben arabische und kurdische Truppen Rakka nach monatelangen Gefechten zurückerobert. Am Dienstag gab das Bündnis "Demokratische Kräfte Syriens" (SDF) an, die Stadt komplett aus den Händen der Islamisten befreit zu haben. (Syria Direct)