Plastik vermüllt die Erde, allein deshalb kann man schon ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn man aus einer Plastikflasche trinkt. Es soll aber nicht nur für die Umwelt schädlich sein – sondern auch für den Körper. Angeblich nimmt man mit jedem Schluck aus einer Plastikflasche Chemikalien, hormonähnliche Stoffe und Mikroplastik auf. 

Stimmt das wirklich? Und wie gefährlich sind all diese Stoffe? Wir haben den Toxikologen Martin Wagner gefragt, der zu diesem Thema an der Uni Trondheim forscht. 

Landen wirklich Stoffe aus den Plastikflaschen im Wasser? 

Bei diesem Punkt ist die Antwort der Wissenschaft eindeutig: "Chemikalien können ins Getränk übergehen", sagt Wagner. Ein bekanntes Beispiel ist Acetaldehyd, das besonders dann ins Wasser übergeht, wenn PET-Flaschen warm werden. "Das kann man sogar schmecken", sagt Wagner. "Jeder kennt den ‚chemisch-fruchtigen‘ Geschmack von Mineralwasser, das zu lange in der Sonne lag." 

Erwachsenwerden für Anfänger

Irgendwie dachten wir früher immer, Leute in unserem Alter hätten das Leben besser im Griff: Finanzen geregelt, Kühlschrank gefüllt. Heute wissen wir: Sachen im Griff haben ist schwerer als gedacht. Also googlen wir unsere Probleme. Die Antworten der Suchmaschine sind nur leider manchmal unbefriedigend. Deshalb klären wir mit Hilfe von echten Experten Fragen, die Google uns vorschlägt, wenn wir bestimmte Begriffe eingeben. Zum Beispiel Plastikflaschen – oder Kopfhörer.

Sind die Stoffe aus den Flaschen gefährlich für uns?

Acetaldehyd ist nach aktuellem Stand der Forschung nicht gesundheitsschädigend, die Chemikalie gilt als unbedenklich, wenn bestimmte Grenzwerte nicht überschritten werden. Nach EU-Vorschriften dürfen höchstens sechs Milligramm Acetylaldehyd auf ein Kilo Lebensmittel übergehen. "Bis zu diesem Grenzwert werden gesundheitliche Beeinträchtigungen ausgeschlossen", teilt das Bundesinstitut für Risikobewertung mit.

Doch neben Acetaldehyd können auch andere Stoffe ins Wasser gelangen, bei denen die Folgen weniger eindeutig zu benennen sind: "Viele dieser Substanzen sind entweder unbekannt oder toxikologisch unzureichend untersucht", sagt Wagner. 

Was ergeben Studien zu dem Thema? 

Oft wird behauptet, dass Wasser aus Plastikflaschen den Hormonhaushalt stört, weil die enthaltenen Stoffe ähnliche Eigenschaften wie Östrogen haben. Das ist kein Gerücht: 

In unseren Studien haben wir gezeigt, dass Mineralwasser Substanzen enthalten kann, die wie Hormone wirken.
Martin Wagner

"Die Gehalte waren in Wasser aus PET-Flaschen deutlich höher als in Wasser aus Glasflaschen. Das nehmen wir als Indiz, dass die Plastikverpackung eine Quelle sein kann", sagt der Experte weiter. 

Aber: Andere Untersuchungen zeigten, dass schon das Wasser in Mineralbrunnen solche Substanzen enthalten kann. Vielleicht liegt es also gar nicht an den Flaschen? Bei den Untersuchungen wurden dem Experten zufolge bis zu 4000 unterschiedliche Chemikalien im Wasser gefunden. Welche davon wie wirken, müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch herausfinden.

Andere Forschungseinrichtungen sehen diese Studien kritisch. Ein Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung stellte gerade erst klar, dass PET "weder Hormone noch hormonähnliche Substanzen" enthalte (Stiftung Warentest). Andere Forscherinnen und Forscher sehen Wagners Ergebnisse also kritisch. 

Ist Mikroplastik im Mineralwasser?

Immer häufiger wird vor Mikroplastik gewarnt, auch im Bezug auf unser Trinkwasser. Eine Studie zeigte vor erst vor wenigen Monaten, dass 93 Prozent des untersuchten Flascheninhalts Mini-Partikel aus Plastik enthielten. (bento)

Diese Stückchen mit einer Größe von maximal 0,1 Millimeter Durchmesser bemerkt der Trinkende im Wasser nicht und nimmt sie auf. Im Durchschnitt waren 325 solcher Partikel in einem Liter Wasser enthalten. Größtenteils wurden Plastikflaschen untersucht, aber sogar in Wasser aus Glasflaschen wurden die Partikel entdeckt. 

Was das im Körper anrichtet, ist noch nicht ausreichend erforscht, teilt das Bundesinstitut für Risikobewertung mit.  

Gibt es einen Unterschied zwischen den unterschiedlichen Plastikarten? 

Zurück zum Wasser: Macht es etwas aus, welche Plastikflaschen man kauft? Die 1,5-Liter-Variante aus dem Discounter oder einen Kasten mit Hartplastik-Flaschen im Getränkemarkt? "Egal, wie die Flaschen aussehen: Mineralwasser ist immer in PET verpackt", sagt Wagner. „Der Kunststoff ist im Prinzip gleich, nur die Schichtdicke der Mehrwegflaschen ist größer.“ 

Es gibt andere Herstellungs- und Recyclingprozesse – aber wenn es um Chemikalien und Mikroplastik im Körper geht, ist es egal, wie dick die Kunststoffflasche ist

Sind Plastikdosen fürs Essen unbedenklich? 

Man trinkt nicht nur aus Plastikbehältern, auch fürs Essen benutzen viele Menschen Kunststoffdosen zur Aufbewahrung. Ob sich auch dort Chemikalien lösen? Das hängt von der Art des Kunststoffs ab: "Je nachdem, welches Material eingesetzt wird, können sich unterschiedliche Substanzen auslösen", sagt Wagner. Das gilt genauso für wiederverwendbare Trinkflaschen aus Plastik. Hier sollte darauf geachtet werden, keine Varianten mit Bisphenol A (oft mit BPA abgekürzt) zu kaufen. "Das ist bekanntermaßen gesundheitsschädlich", sagt Wagner. "Für andere Kunststoffe ist unser Wissen nach wie vor sehr begrenzt."

Auf keinen Fall sollte man Behälter für Essen oder Getränke verwenden, die für einen anderen Zweck gedacht waren und möglicherweise nicht lebensmittelecht sind – hier ist die Gefahr besonderes groß, dass Chemikalien austreten.

Um grundsätzlich auf Nummer sicher zu gehen: Am besten Dosen und Flaschen aus Edelstahl, Keramik oder Glas kaufen. "Diese Materialien sind beständiger als Plastik", sagt Wagner. "Und sie geben kaum Substanzen an die Lebensmittel ab."


Fühlen

Mit diesem Bild erklärt eine Frau, wie sich eine Depression anfühlt
Und findet dabei genau die richtigen Worte.

Wer eine Depression hat, hat sonst nicht mehr viel. Die Krankheit legt sich über alles, bestimmt jeden Gedanken, jedes Gefühl, jede Sinneswahrnehmung.

Doch während die Betroffenen die Depression mit jeder Faser ihres Körpers spüren, ist es für Außenstehende oftmals nicht so leicht, nachzuempfinden, wie sich das anfühlt.

Ein Ringen mit einer Depression ist deshalb oft auch ein Ringen um die richtigen Worte – Worte, die das begreifbar machen, was man gerade durchmacht.