Bild: Mahmoud Illean/ AP

Der Tempelberg: Für Muslime und Juden ist der Ort in der Altstadt Jerusalems gleichermaßen ein Heiligtum. Immer wieder entzündet sich Streit darum, wer dort beten darf und wer nicht. 

Seit dieser Woche kommt es dort öfter zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Am Donnerstag wurden fast 100 Palästinenser verletzt, es flogen Steine, auch Tränengas kam zum Einsatz. (Tagesschau)

Warum gibt es gerade jetzt Auseinandersetzungen?

Begonnen hatte der Streit vor zwei Wochen: Zwei israelische Polizisten waren in der Altstadt erschossen worden, woraufhin Israel neue Sicherheitskontrollen für Muslime einführte. 

Um dagegen zu demonstrieren, verrichteten Muslime ihr Freitagsgebet in der vergangenen Woche auf den Straßen. Anschließend kam es zu Gewalt, vier Palästinenser wurden erschossen, Hunderte verletzt. Später erstach ein Palästinenser drei jüdische Siedler im Westjordanland.

Zwar wurden die Sicherheitskontrollen der Israelis nach wenigen Tagen wieder entfernt, am Donnerstag gab es trotzdem wieder Auseinandersetzungen. (SPIEGEL ONLINE)

Vor dem heutigen Freitagsgebet hat Israel den Tempelberg für Männer unter 50 Jahren gesperrt. Als Gründe nannte die israelische Polizei die Angst vor neuer Gewalt. Zum Gebet kamen rund Zehntausende Muslime an den Tempelberg, zunächst blieb es ruhig.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern

Um den Gazastreifen und das Westjordanland gibt es zwischen Palästinensern und den Israelis immer wieder heftige Kämpfe. In den vergangenen Jahren häuften sich die Anschläge radikaler Palästinenser. Sie attackierten Polizisten mit Messern, fuhren mit Autos in Bushaltestellen voller Menschen. Immer wieder töten israelische Sicherheitskräfte Palästinenser nach Angriffen und Protesten.

Viele Politiker plädieren für eine Zweistaaten-Lösung, auf beiden Seiten gibt es aber auch Gegner dieses Plans. Bei einer Zweistaaten-Lösung wird in der Regel von den Grenzen von 1967 gesprochen. Dieser Bereich reicht für das Westjordanland nördlich von Jenin bis kurz vor Beer Scheva und würde Jerusalem teilen. Ein palästinensischer Staat würde außerdem den Gaza-Streifen einschließen.

Die Uno betrachtet alle jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten als Verstoß gegen das Völkerrecht, auch die Europäische Union und die USA kritisieren Israel immer wieder dafür. Im April 2014 stoppten vor allem wegen der Siedlungspolitik die Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern.

Wie sieht sonst die Sicherheitslage am Tempelberg aus?

An allen Toren zur Altstadt stehen bewaffnete israelische Sicherheitskräfte und kontrollieren die Eingänge. Wer die Klagemauer besichtigen will, muss durch Sicherheitsschleusen mit Metalldetektoren. 

Den Tempelberg selbst – mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee – erreichen Touristen über einen eigenen Eingang, auch hier werden Taschen nach Waffen überprüft. Wer kurze Hosen oder Kleider trägt, darf nicht auf dem Plateau herumlaufen.

Muslimen stehen zehn Zugänge zur Verfügung. Zuletzt kontrollierten israelische Sicherheitskräfte stichprobenartig die Ausweise und Genehmigungen von Gläubigen. Männliche Palästinenser aus dem Westjordanland im Alter zwischen 13 und 54 Jahren benötigen eine Genehmigung zur Fahrt nach Jerusalem, ebenso wie Frauen im Alter zwischen 13 und 44 Jahren. (Westfälische Nachrichten)


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Filmtipp zum Wochenende: The Colour of Time

"The Color of Time" ist ein Filmexperiment, bei dem elf Regie-Studierende der New York University das Leben des amerikanischen Poeten C.K. Williams darstellen. Initiiert wurde das Projekt von James Franco, der an der NYU unterrichtet.

Glücklicherweise hat Franco auch die Hauptrolle übernommen und verkörpert damit eine von 4 Versionen des Poeten. Denn der Film führt uns auf einen Road-Trip durch das Leben Williams. An seinen Gedichten orientiert, wird dieses in elf Segmenten erzählt, bei denen jeweils ein Student Regie übernommen hat.