Bild: dpa / Propagandavideo IS
So machen sich Muslime über den IS lustig.

Wie reagiert man am besten auf Terror, auf eine Bande Mörder, die Schrecken verbreiten möchte? Man lässt sich keine Angst einjagen. Und Humor kann auch nicht schaden. Das beweisen Muslime gerade auf Twitter: Sie machen sich über eine neue Audiobotschaft des IS lustig.

Sie stammt von Abu Bakr al-Baghdadi, dem selbsternannten Kalifen des "Islamischen Staates".

(Der Absender des Tweets, Iyad El-Baghdadi, ist übrigens ein Menschenrechtsaktivist. Mit dem Anführer des IS hat er nichts zu tun, er hat die IS-Botschaft nur zusammengefasst.)

Allerdings haben viele Muslime offenbar Besseres zu tun: Auf Twitter sagten sie dem IS deswegen ab. Die Begründungen leuchten ein, es gibt für ganz normale Bürger einfach wichtigere Dinge als einen weltweiten Religionskrieg:

Zum Beispiel Fernsehserien.
Oder Probleme mit dem Haustier.
Die Mutter.
Fußball!
Den Kinofilm des Jahres verpassen? Nein, danke.
Es ist bald wieder Schule, Abu!
Na gut, wenn's denn sein muss.
Lieber nach der Lieblingsband schmachten.
MTV > Dschihad
Normale Menschen müssen arbeiten, Abu!
Sorry, schon zum Gamen verabredet.
Woher kommt eigentlich die ganze Wut?
Dschihad mit Muskelkater? Ganz sicher nicht.
Wozu hat Baghdadi aufgerufen?


In der Audiobotschaft rief der selbsternannte Kalif des "Islamischen Staates" zu einem Aufstand in Saudi-Arabien auf und verurteilte die muslimische Allianz gegen den IS. Auch Angriffe auf Israel kündigte Baghdadi an. (Tagesschau)

Die 24-minütige Audiobotschaft ist die erste seit sieben Monaten. Zuletzt hatte der IS im Irak und in Syrien Gebiete verloren: Die irakische Armee hat nach eigenen Angaben inzwischen auch die Provinzhauptstadt Ramadi zurückerobert. Sie galt als Machtbasis des IS. Mit Ramadi haben die Islamisten nach Tikrit, Badschi und Sinjar 2015 schon die vierte irakische Stadt verloren. (SPIEGEL ONLINE)

Warum ist das wichtig?

Der IS ist mit seiner Propaganda erschreckend oft erfolgreich. Auch aus westlichen Staaten wie Deutschland und Großbritannien reisen gerade junge Leute nach Syrien, um dort für den IS zu kämpfen. Für die Terrororganisation sind ausländische Kämpfer ein wichtiger Bestandteil der Strategie.

Einige Beobachter interpretieren deshalb auch die Terroranschläge von Paris nicht nur als Rache für Luftangriffe auf Syrien. Die Anschläge könnten auch darauf abzielen, Zwietracht zwischen Christen und Muslimen zu sähen. Das Kalkül dahinter: Wenn sich Muslime in den westlichen Gesellschaften ausgegrenzt fühlen, sind sie empfänglicher für die Botschaften des IS (SPIEGEL ONLINE).

Mit ihren Witzen setzen die Twitternutzer also auch ein Zeichen. Das Motto: Seht her, auch für uns Muslime sind solche Aufrufe zum Dschihad das Werk eines Verrückten.

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