Ist das der Beginn von Ungeborenen-Influencer-Marketing?

Halston Blake Fisher hat 115.000 Instagram-Follower. Dabei ist auf ihrem Account erst ein einziger Post zu sehen: Ein Bild, das die baldige Geburt des Mädchens ankündigt. Halston Blake ist noch nicht einmal auf der Welt. Sie wird für die erste Märzwoche erwartet.

Der Grund für das rege Interesse an der Ungeborenen ist ihre Familie: Influencer-Mama Madison Fisher (769.000 Abonnenten), Influencer-Papa Kyler Steven Fisher (367.000 Abonnenten) und die kleinen Influencer-Schwestern Taytum und Oakley. Die eineiigen Zwillinge haben sage und schreibe 2,4 Millionen Insta-Abonnenten. Nicht schwer zu erraten, welches Schicksal Halston Blake blüht. 

Könnte das der Beginn von Ungeborenen-Influencer-Marketing werden? Die nächste Stufe nach den Mom-, Dad- und Kidfluencern? Vielleicht. 

Mit einem ungeborenen Kind könnte man schließlich für so allerlei werben: Schwangerschaftstest? Essiggurken und Schokolade? Medikamente gegen Schwangerschaftsübelkeit und Cremes gegen Dehnungsstreifen? Klar, irgendwer wird es schon kaufen.

Nur: Kleinkinder, die noch nicht einmal wissen, wie man "nein" sagt – geschweige denn auf der Welt sind –, können nicht entscheiden, ob sie Fotos, Videos und Informationen von sich vor einem Millionen-Publikum veröffentlicht sehen wollen. Das tun ihre Eltern für sie. 

Haben Kinder kein Recht auf Privatsphäre? 

Luise Meergans vom Deutschen Kinderhilfswerk sagt: Auch als Kind habe man einen Anspruch darauf, zumindest gefragt zu werden, ob man überhaupt möchte, dass die eigenen Bilder im Internet landen. (SPIEGEL ONLINE

Sollten die zweijährigen Taytum und Oakley von ihren Eltern gefragt worden sein, ob sie ihre Bilder mit einem Millionen-Publikum teilen wollen, haben die beiden wohl zugestimmt. Und Mama Madison und Papa Kyler Fisher verdienen jetzt viel Geld mit ihren Kleinkindern: "Business inquiries: Email please" – Geschäftsanfragen: bitte per Mail – steht in der Bio der Zwillinge. 

Bereits in ihrem jungen Alter machen die beiden Mädchen schon Werbung für Strampler und Auto-Kindersitze. Gut 750 Beiträge gibt es von taytumandoakley – von denen natürlich nicht jeder gesponsert ist. Das heißt aber, im Durchschnitt wird auf dem Account seit ihrer Geburt mehr als jeden zweiten Tag ein Post veröffentlicht. Meistens tragen Taytum und Oakley dabei Partnerlook-Schleifen im Haar oder Partnerlook-Strampler über ihren Windeln und gerne auch mal Partnerlook-Nagellack.

Lukrativ ist das alle mal: Die beiden Mädchen haben fast dreimal so viele Follower wie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der "New York Times" verrät Kyler Fisher, ein gesponserter Post auf dem Account seiner Töchter bringe ihnen zwischen 10.000 und 20.000 Dollar ein. Mit gesponsorten Videos auf dem Familien-YouTube-Channel "Kyler & Mad" verdienten sie zischen 25.000 und 50.000 Dollar. 

Für Influencer-Kinder, die von ihren Eltern gefilmt und fotografiert werden, gibt es keine Regeln. Anders als bei Kinderschauspielern etwa, für die strenge Gesetze gelten. (SPIEGEL ONLINE) Eine Lücke, die dringend gefüllt werden sollte – da Eltern jetzt schon anfangen, das Publikum für ihre Neugeborenen zu rekrutieren. 

Es bleibt zu hoffen, dass die geschäftstüchtigen Eltern wenigstens etwas von dem verdienten Geld für ihre Kinder zur Seite legen. Damit sie mit fünf oder sechs Jahren endlich in Rente gehen können. 


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