Bild: imago / ZUMA Press

Am Montag haben Polizeibeamte die Wohnung von Martin Sellner durchsucht, dem Sprecher und Co-Chef der rechtsextremen Identitären in Österreich. Wie die Staatsanwaltschaft Graz auf Anfrage von bento bestätigte, beschlagnahmten die Behörden den Computer, das Handy und Bankkarten von Sellner. 

Grund für die Durchsuchung: Eine mögliche Spende des Christchurch-Attentäters an Sellner und weitere Beziehungen, so die Staatsanwaltschaft.

Was ist passiert?

Martin Sellner hatte am späten Montagabend ein Video auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht, in dem er berichtet, die Polizei habe bei ihm eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Offenbar wollte er etwaigen Meldungen der Behörden mit seiner Sicht auf die Dinge zuvorkommen.

So erklärt sich der 28-jährige Sellner: Er behauptet, bei der Sortierung seiner Steuerunterlagen eine "unverhältnismäßig hohe Spende" festgestellt zu haben. Die sei 2018 geflossen. Der Absender der E-Mail enthielt den gleichen Nachnamen wie der Christchurch-Attentäter. Kurz darauf sei schon die Polizei angerückt.

Wie die Staatsanwaltschaft Graz erklärte, liefen derzeit Ermittlungen wegen mutmaßlicher Finanzvergehen gegen Martin Sellner. Dabei sei die ungewöhnlich hohe Spendensummen und der Name des Absenders aufgefallen. Laut der Staatsanwaltschaft sei die Durchsuchung bei Sellner wegen Verdachts auf "Gründung oder Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung" durchgeführt worden. 

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hansjörg Bacher erklärte, Sellners Wohnung sei durchsucht und Datenträger beschlagnahmt worden, um mögliche Verbindungen zu untersuchen, die über die mutmaßliche Spende des Attentäters hinausgehen. 

Ob es sich bei dem Spender tatsächlich um den Attentäter von Christchurch handelt, ist nun Teil der Ermittlungen. Martin Sellner räumte in seinem Video ein, sich bei dem Absender der E-Mail für die Spende bedankt zu haben. Dies würde er bei allen Spendern tun. Eine Verbindung nach Neuseeland bestreitet er.

Wer sind die Identitären?

Die "Identitäre Bewegung" sind Rechtsextreme, die seit 2012 in Deutschland aktiv sind. Die Gruppierung wird vom Verfassungsschutz beobachtet

Flüchtlinge und Zuwanderer islamischen Glaubens werden von den "Identitären" diffamiert. Ihre Ablehnung umschreiben sie als "Ethnopluralismus", was nichts anders als "Ausländer raus" bedeutet. Führende Mitglieder stammen aus rechtsextremen Organisationen oder der Kameradschaftsszene.

Haben die Identitären etwas mit dem Attentat von Christchurch zu tun?

Dafür gibt es aktuell keine öffentlich bekannten Hinweise. Allerdings untersuchen Behörden, inwiefern es Kontakte zwischen dem Attentäter und Identitären gegeben hat.

Der Attentäter ist offenbar in der vergangenen Adventszeit nach Österreich gereist und hat dort zahlreiche Orte besucht. Davon zeugen Fotos. In Deutschland könnte der Attentäter auch kurz gewesen sein: Er hat ein Bild von Schloss Neuschwanstein gepostet. (t-online.de)

Wie nahe stehen sich Attentäter und Identitäre ideologisch?

Auffällig ist, dass sich die Wortwahl ähnelt. Der Christchurch-Attentäter überschrieb sein Manifest mit dem Titel "The Great Replacement", "Der große Austausch". Genau dies ist eine der wichtigsten Ideologien der Identitären. 

Identitäre warnen, dass die "weiße europäische Bevölkerung" systematisch durch Migranten ersetzt werden solle. Die Idee dieser "Umvolkung" geht auf den französischen Autor Renaud Camus zurück. Sein Buch gilt mittlerweile als Bibel der neuen Rechten. (bento)

Auch der Christchurch-Attentäter begründete seine Tat mit dieser und ähnlichen Verschwörungstheorien. Zudem lobte er in seinem Manifest eine rechtsextreme, "verschwiegene Gruppe" aus Österreich, die die gleichen Ideologien vertrete wie er selbst. Namentlich erwähnte er die Identären allerdings nicht.

Wie reagieren die Identären?

Martin Sellner sagt nun, dass ihn der Attentäter in "die ganze Sache reinziehen" wollte. Die Identitären distanzieren sich von dem Mörder. Um dies zu unterstreichen, zitiert Sellner einige Passagen aus dem Manifest, in denen es heißt, der Attentäter habe den Anschlag verübt, um zu Aktionen gegen seine politischen Gegner zu animieren. 

Obwohl Identitäre in Deutschland bei den Behörden mit mehr als 100 Straftaten aktenkundig sind, darunter auch Körperverletzungen, behauptet Sellner, die Gruppe sei gewaltfrei. Der Attentäter hingegen habe friedliche Gruppen als "verlogen" und "heuchlerisch" bezeichnet. In Sellners Logik komme eine Unterstützung deshalb nicht in Frage.

Ungenau wird Sellner in Bezug auf die Spende. 

Erst soll die Summe 2018 geflossen sein, dann spricht er von 2019. Diesen Widerspruch löst er nicht auf. Auch die Summe nennt er nicht. Nun will er das Geld angeblich spenden. Den Moment im Rampenlicht will Sellner nutzen, um die Identitären von Kritik freizusprechen: "Sie schaffen es nicht, uns zu dämonisieren." 

Unklar ist, warum irgendjemand Sellner, seine rechtsextremen Identitären oder den Attentäter von Christchurch "dämonisieren" sollte. Schließlich gefallen sie sich selbst in ihren Rollen.

Update:

Wie Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz mitteilte, handelte es sich bei dem Spender tatsächlich um den Attentäter von Christchurch. Es brauche nun Aufklärung, ob es "Machenschaften im Hintergrund" gegeben haben könnte. Zusätzlich solle geprüft werden, ob die Identitäre Bewegung in Österreich aufgelöst wird, so Kurz (SPIEGEL ONLINE).


Fühlen

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