Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die "Identitäre Bewegung" (IB) gibt sich gerne als eine Gruppe heimatliebender, junger Politikhipster. Obwohl sie nichts mit Rechtsextremismus zu tun haben will, wird sie schon seit längerem vom Verfassungsschutz beobachtet (Bundesamt für Verfassungsschutz). Offenbar aus gutem Grund. Denn eine neue Doku zeigt jetzt, wie rechtsradikal die Mitglieder der IB in Wirklichkeit sind.

Worum geht es in der Doku?

Der Sender Al Jazeera hat es geschafft, einen Journalisten undercover in einen Ortsverein der IB im französischen Lille zu schleusen. Über mehrere Monate hinweg filmte er Treffen, Gespräche und Aktionen mit versteckter Kamera. 

Dabei gab sich der Journalist, der aus Eigenschutz selbst nicht genannt oder gezeigt wird, als potenzielles neues Mitglied der Identitären aus.

Was konnte der Journalist herausfinden?

Interessant sind besonders die Gespräche der Identitären untereinander. Der Film zeigt, wie schnell sie auch einem vermeintlich neuen Mitglied ihre radikalen Sichten beschreiben. Dabei wird deutlich: Die IB ist alles andere als ein harmloses Kollektiv. Sind vertreten offen rechtsextremistische Meinungen und beschreiben detailliert, wie sie beispielsweise einen Anschlag auf Asylbewerber ausführen würden.

Wer sind die "Identitären"?

Die "Identitäre Bewegung" sind Rechtsextreme, die seit 2012 in Deutschland aktiv sind. Die Gruppierung wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Flüchtlinge und Zuwanderer islamischen Glaubens werden von den "Identitären" in extremer Weise diffamiert. Auf Twitter macht das rechte Bündnis unter "Ein Prozent" Stimmung.

Die "Identitären" sind dagegen, dass sich der Anteil von Migranten in der Gesellschaft weiter erhöht. Im vergangenen August besetzte die Gruppierung kurzzeitig das Brandenburger Tor.

Was dabei auffällt: Nach außen geben sich die Identitären gemäßigt und nutzen gute Rhetorik, um ihre radikalen Sichten nicht sofort zu zeigen. Wenn sie unter sich sind, klingen die Gespräche wie die von offenen Neonazis. Auf den Filmaufnahmen ist zu sehen, wie die Mitglieder immer wieder den Hitlergruß zeigen und Parolen wie "Tod den Arabern" rufen.

In einer anderen Szene sieht man, wie ein Mitglied der Identitären einer Frau mehrmals ins Gesicht schlägt, weil sie einen Mann mit Migrationshintergrund verteidigt. Danach kommentiert er nur: "Mir egal. Ob Frau oder nicht, das sind doch eh nur Araber."

Welche Verbindungen gibt es zu rechtpopulistischen Parteien?

In ganz Europa distanzieren sich Rechtspopulisten offiziell immer wieder von der IB. Doch auf den Filmaufnahmen ist zu sehen, wie hochrangige Politiker des Front National, wie zum Beispiel Christelle Lechevalier, zu Gast bei den Identitären ist und eine Rede hält. Lechevallier hat vor einigen Monaten Marine Le Pen im Europaparlament abgelöst.

In Gesprächen betonen die Identitären immer wieder: "Wir sind keine Partei. Wenn Jemand in eine Partei will, soll er dem Front National beitreten. Die vertreten unsere Interessen."

Hier kannst du die ganze Doku ansehen:


Gerechtigkeit

Als ob jeder vierte Deutsche nichts zu essen hätte: So schlimm ist die Lage im Jemen
Vier Zahlen zum traurigen Krieg – und was Deutschland nun ändern will.

Seit bald vier Jahren bekriegen sich im Jemen Soldaten und Rebellen, das Nachbarland Saudi-Arabien bombardiert aus der Luft. Schlimmer noch: Saudi-Arabien hat mit anderen arabischen Staaten eine Seeblockade verhängt, Hilfsgüter und Lebensmittel können das bettelarme Land so nicht erreichen.

Schon seit Jahren leiden die Menschen im Jemen unter Hunger – nun hat die Uno neue Zahlen veröffentlicht, die zeigen, wie ernst es wirklich ist.

  1. Mehr als 20 Millionen Männer, Frauen und Kinder sind nicht in der Lage, an ausreichend Lebensmittel zu kommen. Das wäre so, als ob jeder vierte Deutsche nichts zu essen hätte.
  2. 240.000 Menschen werden von der Uno in der höchsten Kategorie eingestuft – ihnen fehlt ausreichend Wasser, sie leiden eine aktue Hungersnot. Das entspricht der Einwohnerzahl von Freiburg oder Magdeburg.
  3. Hundertausende Kinder sind lebensbedrohlich mangelernährt – laut Unicef stirbt alle zehn Minuten ein Kind.
  4. 6700 Kinder und Jugendliche wurden seit März 2015, seit Beginn des Krieges, getötet.