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Um die Große Koalition steht es derzeit nicht so gut: Innenminister Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel streiten sich seit mehreren Tagen über ein neues Asylgesetz – und ob Deutschland seine Grenzen schließen muss. (bento)

Die Stimmung ist derart geladen, dass es oft so scheint, als könne das Regierungsbündnis schnell wieder platzen. Die Medien beobachten die Situation genau. Manche aber auch zu ungenau.

Nun hat ein Satiriker der "Titanic" auf Twitter genau so eine Meldung platziert: Seehofer kippe angeblich das Bündnis mit der CDU.

Moritz Hürtgen ist Redakteur der Satirezeitung "Titanic". Auf Twitter ist er als @hrtgn unterwegs – und teilt dort für gewöhnlich Nonsens. Seit einem Tag hat er aber sein Profil verkleidet und nennt sich "hr Tagesgeschehen", ein News-Format des Hessischen Rundfunks, das es gar nicht gibt.

Als Hessischer Rundfunk hat Hürtgen dann behauptet, Seehofer kündige das Regierungsbündnis:

40 Minuten später empfahl der angebliche Hessische Rundfunk dann plötzlich ein Abo für die "Titanic". 

Und spätestens da war klar, dass alles nur ein Scherz war.

Innerhalb der 40 Minuten waren jedoch zahlreiche Medien bereits auf den Fake reingefallen. 

Die "Bild"-Zeitung:

Der Sender n-tv:

Die Nachrichtenagentur Reuters:

Und auch im Bundestag sorgten die Eilmeldungen für Aufregung.

Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch unterbrach die Debatte extra für eine Nachfrage:

Das Zentrum für Politische Schönheit fragte bereits, ob "Bild" und "Titanic" mittlerweile gemeinsame Sache machen. 

Der Hintergrund: Vor einigen Monaten war die "Bild" auf gefälschte Mails der "Titanic" reingefallen, die angebliche Verbindungen von Kevin Kühnert nach Russland belegen sollten. Für den Fehler hatte sich die "Bild" nie entschuldigt.

Mittlerweile hat jemand den Tweet von "Titanic"-Redakteur Hürtgen bei Twitter gemeldet. Der Kurznachrichtendienst hat aber schon beschieden: Alles unbedenklich.

Nach 24 Stunden ist alles wieder weg.

Woher wissen Journalisten, wann eine Meldung kein Fake ist?

Falschmeldungen lassen sich nie ganz ausschließen – aber es gilt das Prinzip, immer zwei unabhängige Quellen zu finden. In dem Fall hätte das bedeutet: Anstatt eine Twittermeldung abzuschreiben, sowohl beim CDU-Mann Volker Bouffier in Hessen als auch bei der CSU anzurufen.


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