Mit Absicht? Wir haben beim Innenministerium nachgefragt.

Seit Mittwoch läuft in Berlin die Deutsche Islam-Konferenz, ein Treffen deutscher Islamverbände und muslimischer Vertreter mit der Regierung. Geleitet wird die Konferenz von Innenminister Horst Seehofer – beim Auftakt sagte er, er wünsche sich einen "deutschen Islam", ein gutes Miteinander.

Aber ganz so leicht ist es nicht: Denn das Ministerium servierte auf der Islam-Konferenz ausgerechnet Blutwurst aus Schweinefleisch.

Was daran ein Problem ist?

Die Konferenz wird vor allem von Muslima und Muslimen besucht. Und denen ist:

  1. Der Verzehr von Schweinefleisch verboten.
  2. Der Verzehr von blutigen Speisen verboten.

Eine Blutwurst aus Schweinefleisch anzubieten, ist da nicht unbedingt boshaft, aber mindestens unbedacht.

Für den Hintergrund:

Im Islam wie auch im Judentum gelten für Gläubige bestimmte Speisevorschriften, erlaubtes Essen ist "halal" beziehungsweise "koscher". Unter anderem Schweinefleisch ist in beiden Religionen verboten. Außerdem muss jedes Tier komplett ausbluten, bevor es verzehrt werden darf – die umstrittene Praxis wird Schächten genannt.

Die "koscher"-Regeln sind etwas strenger, hier wird auch Milchiges von Fleischigem getrennt. Käse und Wurst dürfen also nicht auf einen gemeinsamen Teller. Mit einem Zertifikat können sich Fabriken, Metzgereien und Bäckereien bescheinigen lassen, dass sie "halal" oder "koscher" produzieren.

Der WDR-Journalist Tuncay Özdamar empörte sich über die Aktion, Seehofer lasse so nur wenig Toleranz erkennen:

Ob die Blutwurst ein verstecktes Zeichen sein sollte – frei nach: Der Islam gehört nicht zu Blutwurst-Deutschland – ist unklar. 

Was es auf jeden Fall nicht war: böse Absicht. Das sagt zumindest eine Sprecherin des Innenministeriums gegenüber bento: "Wir wollten niemanden provozieren, sollten sich einzelne Personen durch die Auswahl in ihren religiösen Gefühlen gekränkt gesehen haben, bedauern wir das." 

Insgesamt waren etwa 240 Personen auf der Deutschen Islam-Konferenz geladen, mehrheitlich muslimischen Glaubens. Aber eben nicht nur. Entsprechend gab es bei der Abendveranstaltung verschiedenste Speisen zur Auswahl, die sich laut dem Ministerium nach der "religiös-pluralen Zusammensetzung" der Konferenz richteten.

  • Im Angebot waren demnach insgesamt 13 verschiedene Speisen, sowohl "halal" als auch vegetarisch, sowohl Fisch als auch Fleisch. 

Die Sprecherin betont:

Es war nicht so, dass wir da einen Schweinebraten aufgetischt haben.

Dass sich deutsche Wurstkunst vom Schwein ins Essen geschummelt hat, kann man schon beinahe als gute Tradition bezeichnen. Die Islam-Konferenz wird seit 2006 abgehalten. Und schon damals wurde für die anwesenden Gäste Schinkenschnittchen serviert. (SPIEGEL ONLINE)


Streaming

So gut nimmt Jan Böhmermann DHL, Hermes und Co. auseinander

2016 gab es in Deutschland ganze 3,16 Milliarden Paketsendungen, mehr als 10 Millionen Pakete wurden pro Tag umgeschlagen – für das Jahr 2017 wurden ganze 3,34 Milliarden Paketsendungen geschätzt. (SWR)

Der Online-Handel boomt und der Druck auf Paketzusteller steigt. Wie schlimm es wirklich ist, hat Jan Böhmermann in seinem "Neo Magazin Royale" am Donnerstag gezeigt. 

Die Kritik von Jan Böhmermann bekommt vor allem DHL ab.

Dort müssten die Paketboten pro Tag 250 Pakete ausliefern, für jedes Paket hätten sie rund drei Minuten Zeit, sagt Böhmermann. Um all das zu schaffen, setze DHL auf ein bestimmtes Mitarbeitersystem. Dieses System erklärt er folgendermaßen:

"Es gibt Premiumzusteller, die bei der Post AG beschäftigt sind und die verdienen ganz gut und sind happy – und dann gibt es noch Paketzusteller, die für die Tochtergesellschaft der Post, 'DHL Delivery', arbeiten. Die machen exakt den gleichen Job, im gleichen Outfit, bekommen aber viel weniger Geld."

DHL-Zusteller bekommen demnach bis zu 1200€ weniger Gehalt als die Kollegen von der Post AG, müssen aber mehr arbeiten und bekommen dazu auch noch weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld. Bei DHL-Delivery-Zustellern handelt es sich laut Böhmermann um "Mitarbeiter zweiter Klasse".

Es wird aber noch schlimmer.

Die Post AG arbeitet außerdem mit Subunternehmern zusammen – die haben keine DHL-Logos auf ihren Transportern. Für Post AG und DHL habe die Zusammenarbeit mit Subunternehmern folgende Vorteile:

  • Sie müssen direkt keine Mitarbeiter einstellen.
  • Sie müssen keine Fahrzeuge kaufen.
  • Sie sparen sich die Versicherungskosten für Mitarbeiter.

Die Subunternehmer übergeben ihre Arbeit oft an Subsubunternehmer, weil diese noch günstiger arbeiten – die Subsubunternehmer setzen wiederum auf freie Leiharbeiter

Das Gehalt: deutlich unter dem Mindestlohn.

Die freien Leiharbeiter kommen höchstens auf 6,50€ pro Stunde, der Mindestlohn liegt derzeit bei 8,84€ pro Stunde (DGB). Oft bekämen die Zusteller aber sogar nur 3 oder 4 Euro pro Stunde.

Was sagt eigentlich DHL dazu?

Gegenüber dem "Neo Magazin Royale" sagte das Unternehmen:

"Die Servicepartner werden (...) in Bezug auf die Arbeitsbedingungen bereits bei der Ausschreibung verpflichtet, alle gesetzlichen Regelungen, wie explizit auch das Mindestlohngesetz, zu beachten. Wir lassen uns dies bei Vertragsabschluss durch den jeweiligen Auftragnehmer schriftlich bestätigen."

Bei anderen Paketdiensten sieht es nicht besser aus.

Laut der Gewerkschaft "ver.di" wird in der gesamten "Paketbranche mit Subunternehmen und prekären Beschäftigungsverhältnissen gearbeitet". Das sei "mit Blick auf die schwere und verantwortungsvolle Arbeit der Zusteller völlig unangemessen". (ver.di)

Online-Lieferdienste stehen ebenfalls in der Kritik.

Auch die Lieferdienste "deliveroo" und "Foodora" bekamen im "Neo Magazin Royale" ihr Fett weg. Erst im April hat die Aktion "Arbeitsunrecht" mehrere Vorwürfe gegen "deliveroo" erhoben:

  • Der Lieferdienst verhindere bewusst die Gründung von Betriebsräten.
  • Viele müssten ihr eigenes Fahrrad mitbringen und es immer wieder auf eigene Kosten reparieren. 
  • Viele Verträge liefen nur wenige Monate und die Arbeitnehmer hätten keinen Anspruch auf Urlaubs- oder Krankengeld.
  • Oft verdienten die Mitarbeiter – wie bei den Subsubunternehmern von DHL – weniger als den Mindestlohn, wenn sie sich selbst versicherten – viele verzichteten deshalb auf die Absicherung.

Böhmermann fasst die Situation der Paketzusteller und Lieferanten zum Schluss mit einem Lied zusammen. Die als DHL-, Hermes-, deliveroo- und Foodora-Mitarbeiter verkleideten Sänger singen unter anderem: