Bild: dpa/Swen Pförtner

Vor wenigen Tagen haben Künstler ein Holocaust-Mahnmal eröffnet - vor der Haustür des AfD-Politikers Björn Höcke. Jetzt haben sie den Zugang geschlossen, Grund dafür: Sicherheitsbedenken.

Vier Tage lang konnten Besucher im kleinen Örtchen Bornhagen an der Grenze von Thüringen zu Hessen eine kleine Abbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals betrachten: 24 Betonstelen in einem Garten. Das Besondere: Die Künstlergruppe des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS) hatte die Betonstelen auf dem Nachbargrundstück des AfD-Politikers Björn Höcke errichtet. Jetzt hat die Künstlergruppe den Zugang zum Kunstwerk wieder geschlossen - aus Sicherheitsbedenken.

"Wir haben in der Nacht zum Freitag Hunderte Mordmails bekommen", sagt Philipp Ruch, künstlerischer Leiter vom ZPS. Unter den Absendern der Morddrohungen war demnach auch ein Anrufer, der offensichtlich über Insider-Informationen über die Künstler verfügte und eine nicht-öffentliche Nummer der Gruppe kannte. "Wir sind vieles gewohnt, aber das war eine Wucht."

Mitarbeiter evakuiert

Hinzu komme, so Ruch, dass die Polizei das ZPS und ihr Projekt nicht ausreichend schütze. "Auch vier Tage nach Beginn der Aktion haben wir keinen Ansprechpartner bei der Polizei." Das habe die Behörde unter anderem damit begründet, dass eine Strafanzeige gegen das Projekt laufe und sie der Gruppe deshalb keine Informationen geben könne. "Tatsächlich gibt es häufig Strafanzeigen gegen unsere Projekte", sagt Ruch. "So etwas aber haben wir noch nie erlebt."

Aufgrund der Sicherheitsbedenken habe man sich dazu entschlossen, das Grundstück am Freitagabend zu evakuieren und alle Mitarbeiter abgezogen. "Wir hoffen, dass wir am Montag wieder mit einem neuen Sicherheitkonzept eröffnen können. Momentan aber ist nichts geschützt und niemand vor Ort."

"Wer so etwas tut, ist in meinen Augen ein Terrorist"
Björn Höcke

Bei der Polizei Erfurt weist man die Vorwürfe zurück. "Die Polizei ist vor Ort präsent und alles ist ruhig", sagt ein Sachbearbeiter der Landeseinsatzzentrale auf Nachfrage. "Ich sehe das Kunstobjekt nicht als gefährdet an." Im Hinblick auf Drohungen verweist er auf die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten. Das Zentrum für politische Schönheit hatte das Grundstück neben Höckes Wohnhaus bereits vor zehn Monaten angemietet und das Kunstwerk im Stillen errichtet.

Der Eigentümer kündigte nach der Enthüllung der Stelen das Mietverhältnis zum Ende des Jahres. Laut Ruch wurde die Kündigung jedoch nicht fristgerecht eingereicht. Neben dem Aufstellen der Stelen erklärte das ZPS, Höcke seit zehn Monaten zu beobachten und von dem Nachbargrundstück aus Informationen über ihn gesammelt zu haben. 

Vor allem für diesen Teil des Projekts wurde die Gruppe stark kritisiert. Auch Höcke äußerte sich aktuell zu den Vorkommnissen: "Wer so etwas tut, ist in meinen Augen ein Terrorist", zitiert ihn Matthias Meisner, ein Korrespondent des "Tagesspiegels", auf Twitter.

Ursprünglich forderte das ZPS Höcke dazu auf, einen Kniefall vor dem Denkmal zu machen - dann werde man davon absehen, die gesammelten Unterlagen zu veröffentlichen. Davon sehe man jetzt ab, erklärt Ruch dem SPIEGEL: "Da Höcke unsere Einladung zum Frieden mit der Demokratie ausschlägt, fordern wir von ihm nicht länger, dass er auf die Knie fällt und für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg aufrichtig um Vergebung bittet", so Ruch.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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