Ihr größter Kontrahent machte ihr ein Riesengeschenk.
Die Ausgangslage

Favoritin war Hillary Clinton immer, doch in den vergangenen Wochen schien der Vorsprung im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten kleiner zu werden. Viele Wähler hielten ihren Sieg zwar für unausweichlich, waren aber einfach nicht begeistert von der ehemaligen First Lady.

Bernie Sanders, der 74-jährige Senator aus dem Ostküstenstaat Vermont, elektrisierte die Parteibasis dagegen mit Attacken auf die Wall Street und Corporate America.

Wovon Hillary Clinton profitierten konnte:

Das größte Geschenk machte ihr Bernie Sanders selbst. Mit einem Satz erklärte er Clintons E-Mail-Affäre für beendet: “The American people are sick and tired of hearing about your damn emails”, sagte Sanders unter Applaus. In den Monaten zuvor war Clinton dafür kritisiert worden, dass sie in ihrer Zeit als Außenministerin in Obamas erster Amtszeit Dienst-E-Mails auf einem privaten Server gespeichert hatte.

Clinton bedankte sich noch auf der Bühne mit Handschlag. Sanders bringt das Fairplay sicherlich Sympathiepunkte, Clinton aber hat ihre quälendste Affäre nun vielleicht hinter sich.

Sanders erklärt "damn email"-Affäre für beendet. Clinton bedankt sich.(Bild: picture alliance / dpa)

Clinton schenkte Sanders trotzdem nichts – und traf den linken Senator an seiner schwächsten Stelle: Seiner moderaten Haltung zu Waffengesetzen. Der Senator aus dem ländlichen Vermont sprach sich auf der Bühne gegen ein Gesetz aus, das Waffenläden bestraft, wenn eine von ihnen verkaufte Schusswaffe bei einem Amoklauf eingesetzt wird.

Clinton reagierte sofort: "it's time that our country stood up against the NRA." Eine Breitseite gegen das Sprachrohr der Waffenlobby, das kommt an bei liberalen US-Amerikanern.

Zu wenig Trump in diesem Text? "The Donald" hat live zum TV-Duell getwittert.

Die ehemalige Außenministerin konnte sich vor den Augen von Millionen als verlässliche Pragmatikerin präsentieren, die trotzdem für gesellschaftlichen Fortschritt steht: “I’m a progressive. But I’m a progressive who likes to get things done”, sagte sie. Wenn die Botschaft verfängt, könnte sie linke Wähler doch noch für sich begeistern. Außerdem betonte Clinton mehrfach, dass sie die erste Frau im Amt wäre. Die historische Dimension könnte viele Frauen und feministisch Gesinnte dazu bringen, für Clinton zu stimmen.

Mit ihrem Debatten-Sieg könnte Clinton auch einen Kandidaten ausgebremst haben, der offiziell noch gar keiner ist: Joe Biden. Obamas Vizepräsident flirtet seit einiger Zeit mit einer Kandidatur. Er ist bekannt und einflussreich genug, um Clinton richtig gefährlich zu werden. Andererseits will sich der 72-Jährige zum Ende seiner politischen Karriere wohl nicht noch eine blutige Nase holen. Je stärker Clinton aussieht, desto unwahrscheinlicher wird eine Biden-Kandidatur (mehr dazu auf Slate).

Clinton und Sanders streiten während der Debatte

Wie geht es jetzt weiter?

Schon vor der Debatte lag Clinton im Durchschnitt der Umfragen rund 20 Prozent vor Sanders – dieser Vorsprung dürfte nun kaum schrumpfen. Je länger sie den Vorsprung hält, desto weniger werden Parteispender ihr Geld auf anscheinend aussichtslose Kandidaten vergeuden wollen. Dann wäre Clinton endgültig die unausweichliche Kandidatin.

Die nächste Chance, Clinton vor einem Millionenpublikum direkt zu attackieren, haben Sanders und die anderen drei Kandidaten in einem Monat. In zwei Wochen sind erst mal die Republikaner wieder dran.


Die Republikaner waren zwar nicht an der Reihe, aber Donald Trump sieht sich natürlich als eigentlicher Gewinner.

bento Today abonnieren