Ich habe gelacht. Weil Nazis angeprangert werden. Das freut mich schon mal prinzipiell. Außerdem habe ich gelacht, weil es ein derber Witz war. Derbe Witze mag ich. Für mich steht das neue Wahlplakat von "Die Partei Treptow/Köpenick" für gelungene Satire.

Was so zum Lachen ist? Dieser Spruch: "Hier könnte ein Nazi hängen." Mit diesem Slogan wirbt die Partei "Die Partei" im Wahlkampf um Sitze im Berliner Abgeordnetenhaus. Das Plakat hängt offenbar an Lichtmasten in der Hauptstadt. Am 18. September findet die Wahl statt, seit Sonntag darf plakatiert werden.

Die Spiele sind eröffnet! #nazihaengen

Posted by DIE PARTEI Treptow/Köpenick on Saturday, 30 July 2016

Wie, Nazis hängen? Ist das ein Aufruf zur Selbstjustiz? Auf einer Stufe mit den Galgen, die Pegida-Anhänger für die Bundeskanzlerin durch Dresden tragen? Das kann man daraus ablesen, wäre aber falsch. Denn hier ginge Satire zu weit.

Mit diesem schwarzen Humor spielt die selbsternannte Satire-Partei für "Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" etwas anderes an.

"Hier könnte ein Nazi-WAHLPLAKAT hängen", so lässt sich das Plakat auch lesen.

Jeder Laternenmast, den die NPD mit einem Slogan einnimmt, wäre einer zu viel. Dann soll doch lieber eine Partei plakatieren, die sich selbst nicht ernst nimmt.

Unter dem Posting mit dem Wahlplakat, das seit Samstagnacht schon fast 6000 Reaktionen hervorgerufen hat, wird hundertfach diskutiert. Es geht wieder um die Frage: Darf Satire alles?

Spätestens seit Böhmermann und seinem Erdogan-Schmähgedicht wissen wir: Das mit einem klaren Ja zu beantworten, ist nicht mehr so einfach. Diese Frage müssen wir immer wieder neu stellen und jeder für sich beantworten.

Warum ist "Hier könnte ein Nazi hängen" gelungene Satire? Weil es die rechte Szene mit ihren eigenen verbalen Mitteln schlägt. Sie sind fremdenfeindlich, verharmlosen den Holocaust, sind extrem gewaltbereit. Ganz klar geht die Satire hier an eine Grenze, weil sie mit der Doppeldeutigkeit von "hängen" spielt.

Auf Facebook schlägt jemand vor, vor das "Nazi" ein keines "Plakat-" zu schreiben. Damit die Satire ja für jeden zu erkennen sei. Ansonsten sei das Plakat "Öl ins Feuer. Meine Meinung."

Das wäre politisch korrekter, aber auch noch lustig?

In diesem Fall stellt sich nicht nur die Frage: Darf Satire das? Sondern: Darf eine Satire-Partei das? Die zwar nie das Ziel hatte, ernsthaft Politik zu betreiben, aber immerhin rund 18.000 Mitglieder und einen Sitz im Europäischen Parlament hat. Trägt die Partei nicht doch mehr politische Verantwortung, als ihr eigentlich lieb ist? Ist diese Art von Humor dann nicht mehr angebracht?

Nein, echte Probleme löst man mit diesem Plakat nicht.

Wer so denkt, versteht die Partei nicht. Ein anderer Facebook-Nutzer meint: "Wow so eine sinnvolle Aussage die echte Probleme lösen wird. Die Partei ist so nützlich wie eine Warze am After."

Nein, echte Probleme löst man mit diesem Plakat nicht. Aber dafür ist auch nicht die Partei zuständig, sondern wir alle. Danke für die Erinnerung, liebe Partei!

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