Es gibt Momente im Leben, in denen man sich einfach nicht mehr alleine zu helfen weiß. In so einer Situation war Andreas Graf noch vor einem Jahr: Sein dreijähriger Sohn Julius erkrankte im Januar 2017 an Leukämie – Graf brauchte Zeit, um sich um Julius zu kümmern.

"Ich habe erst mal meinen kompletten Urlaub genommen, weil wir auch nicht wussten, was auf uns zukommt. Dann dachte ich: Der Urlaub ist irgendwann weg, dann wirst du halt irgendwann kündigen oder gekündigt bekommen," sagt Graf gegenüber der Hessenschau

Doch so weit kommt es erst gar nicht. Die Personalchefin Pia Meier erfährt von Grafs Situation und startet eine Aktion: Mitarbeiter können ihre Überstunden spenden – damit der Vater genug Zeit und finanzielle Sicherheit hat, sich um seinen Sohn zu kümmern. Als sie Graf anruft verspricht sie ihm: "Ich weiß zwar noch nicht, wie viel zusammen kommt, aber ich kann Ihnen jetzt schon sagen, wir werden Ihnen auf jeden Fall helfen."

Womit Andreas Graf nicht gerechnet hätte: Insgesamt kommen in knapp zwei Wochen 3300 Überstunden zusammen. 

Dank der Aktion konnte er ein Dreivierteljahr zu Hause bleiben und sich um seinen Sohn kümmern. Einen Teil der Überstunden konnte er sich auszahlen lassen, um die Wohnung umzubauen, berichtet die Oberhessische Presse

Die gute Nachricht: Julius geht es besser, obwohl er noch einige Zeit Chemotabletten einnehmen muss. Der mittlerweile Vierjährige soll in den kommenden Tagen wieder in den Kindergarten gehen. Und auch Andreas Graf kann, wenn alles klappt, wieder in seinen alten Job zurückkehren. 

Die Aktion der hessischen Firma ist eine gute Idee, die aber auch aufzeigt, wie kompliziert die Lage für Arbeitnehmer in so einer Situation werden kann: Andreas Graf hatte Glück und hilfsbereite Kollegen. Welche Rolle spielt aber der Arbeitgeber in so einer Situation?

Lass uns Freunde werden!

Laut einer Untersuchung des DGB betreut jeder elfte Arbeitnehmer in Deutschland einen pflegebedürftigen Angehörigen. Mehr als 70 Prozent dieser Arbeitnehmer haben zeitliche Probleme, Arbeit und Pflege zu vereinbaren. Durchschnittlich seien es mehr als 13 Stunden pro Woche, die für die Pflege benötigt werden. Aber: Nur fünf Prozent der Beschäftigen bekommen dafür zusätzliche Auszeiten. (Deutschlandfunk)

Helfen könnte es zum Beispiel, wenn Regelungen wie die 28-Stunden-Woche aus dem Tarifvertrag der IG Metall Baden-Württemberg auch auf andere Branchen abfärbten: 


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