Bild: dpa/Silas Stein

Der 19-jährige Marcel H. aus Herne wird verdächtigt, seinen Nachbarjungen getötet zu haben. Die Tat soll er auf WhatsApp für einen Freund dokumentiert haben – die mutmaßlichen Aufnahmen landeten auf der Website 4chan (bento).

Seitdem kursieren die Bilder im Netz, 4chan wird als die "kranke Seite des Internets" bezeichnet (stern.de). Oft ist sogar vom "Darknet" die Rede. Was hat es damit auf sich? Und was sagt die Polizei über den Fall? Die wichtigsten Antworten:

Was ist über die Tat bekannt?

Marcel H. soll einen Neunjährigen getötet haben. Die Polizei fand die Leiche des Kindes am Montagabend in einem Keller in Herne. Eine Mordkommission fahndet mit einem Foto nach Marcel H. (Polizei Bochum).

Wo ist der mutmaßliche Täter jetzt?

Bis zum Donnerstag fehlte von ihm eine konkrete Spur. Die Polizei gab in einem neuen Fahndungsaufruf bekannt, Marcel H. könnte sich an einer Hand verletzt haben. In einem Chat prahlte ein Unbekannter über einen Angriff auf eine Frau:

"Ich habe mich in die Hand geschnitten, als ich das 120 kg Biest bekämpfte. Sie leistete mehr Widerstand als das Kind. Ich folterte aus ihr die Daten für Bank, PC und Telefon heraus, deshalb kann ich den Namen nicht veröffentlichen."

Die Polizei sucht daher nach Zeugen, die den mutmaßlichen Täter am Montag oder den darauffolgenden Tagen in einem Krankenhaus, einer Apotheke oder bei einem Arzt gesehen haben könnten. Auch nach der Frau wird gesucht. Außerdem veröffentlichte die Polizei das Foto eines Hundes – was er mit der Tat zu tun hat, will oder kann die Polizei aber nicht sagen.

Update: In der Nacht zum 10. März stellte sich der mutmaßliche Täter der Polizei. Mehr dazu:

Was ist 4chan?

Das 2003 gegründete 4chan liegt auf der Liste der meist besuchten Webseiten aktuell auf Platz 437. Hier tauschen Nutzer Bilder aus, erstellen Memes und machen sich über das Tagesgeschehen und einander lustig. Die "Boards", in denen eigentlich jeder Nutzer unter dem Namen "Anonymous" postet, waren auch der Brutkasten für die "Anonymous"-Bewegung.

Vor allem der beliebte Kanal /b/ dient aber seit jeher als Sammelbecken für alle Arten von Ekel-Inhalt – egal ob Fotos von Unfallopfern, Kinderleichen, Omapornos oder Hassbotschaften.

Viele Posts verschwinden schnell. Teilweise wird moderiert, nach amerikanischem Recht strafbare Inhalte werden kommentarlos entfernt. Bei einer Million Posts pro Tag ist das jedoch nur bedingt möglich.

In den Foren von 4chan herrscht ein harter Ton, "Schwuchtel"ist hier eine Begrüßung, Mord- und Vergewaltigungsandrohungen nett gemeint.

Der Humor ist hier dunkler – und pubertärer – als in anderen Teilen des Netzes. Es geht um bewusste Provokation und Beleidigung, Nutzer testen täglich die Grenzen des schlechten Geschmacks:

4chan-Reaktion auf die Nachricht, dass Marcel H. einen neunjährigen Jungen getötet haben soll. (Bild: 4chan)
Was hat 4chan mit dem Mord in Herne zu tun?

Der WhatsApp-Chat zwischen dem mutmaßlichen Täter und einem Freund wurde dort veröffentlicht. Darüber hinaus soll "im Darknet" ein Video der Tat kursieren. Auf "einschlägigen Gore-Websites", wie auf 4chan angekündigt wird.

Was genau ist das Darknet?

"Darknet" oder "Deep Web" sind einfach nur Begriffe für schwieriger zu erreichende Teile des Internets. Die Seiten im Deep Web werden zum Beispiel nicht auf Suchmaschinen gelistet – wer sie finden möchte, muss die Web-Adresse kennen.

Anders als im normalen Internet wird die Verbindung zu Diensten im Darknet direkt zwischen Nutzer und Anbieter hergestellt. Der Zugang zu Seiten ist oft meist nur über Einladung möglich.

Was ist Tor?

Im Zusammenhang mit dem Darknet wird oft das anonyme, an der Uni Cambridge entwickelte Tor-Netzwerk genannt. Dieses ist allerdings kein Ort im Web, sondern eine bestimmte Art, sich möglichst unerkannt dort aufzuhalten, zu kommunizieren oder Dienste anzubieten.

Tor steht für "The Onion Routing" (Onion = Zwiebel auf Englisch). Durch seine zwiebelartige Struktur verschleiert es das Handeln und die Bewegungen der Nutzer. Dafür werden Anfragen über zufällig ausgewählte Knotenpunkte im Netz geleitet. Man benötigt nur eine spezielle Software (wie z.B. diesen Tor-Browser), um den Dienst nutzen zu können. Auch Websites, Chats und Emails können mithilfe von Tor versteckt werden.

"Das Darknet ist das Internet, wie man es sich eigentlich wünschen würde. Ein Netz ohne Zensur und Überwachung, mit all seinen Vor- und Nachteilen."
Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs
Wer nutzt das?

Neben Kriminellen hilft Tor vor allem politisch Verfolgten in Diktaturen oder Journalisten und ihren Informanten, nicht entdeckt und überwacht zu werden. Auch ganz normale Zivilisten nutzen das Werkzeug, um der staatlichen Überwachung ihrer privaten Kommunikation zu umgehen.

Staatliche Zensur kann prinzipiell mit Tor umgangen werden. Man kann so beispielsweise auch aus China Facebook aufrufen, was dort sonst von staatlicher Seite gesperrt ist.

Ist es illegal, im Darknet zu surfen/da was hochzuladen?

Nein. Auch im Darknet finden sich legale Foren und Blogs. Dazu kommen aber viele Inhalte, die im "normalen" Internet nicht zu finden wären: Drogen, Waffen, Kreditkarten, Gewalt- oder Kinderpornographie, ja sogar Auftragsmorde können hier gekauft werden.

Für den Handel mit diesen gelten natürlich dieselben Verbote wie im normalen Internet, dementsprechend versucht die Polizei auch hier, Händler und Käufer strafrechtlich zu verfolgen.

Kann ich einfach eine Domain im Darknet anlegen?

Ja. Mit ein wenig technischem Verständnis kann jeder seine eigene Seite anlegen. Das funktioniert schon vom eigenen Computer oder Server, aber auch bei einem externen Datencenter.

Ist man im Darknet sicher?

Nein.

  1. ... ist die Anonymität auch mit Diensten wie Tor nicht dauerhaft gegeben. Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden sind immer auf der Suche nach Wegen, Nutzer und Anbieter zu überwachen. Das US-Justizministerium konnte durch eine Lücke im Tor-Browser zum Beispiel mehrere hundert Besucher einer Kinderporno-Website enttarnen.
  2. ... sind viele Seiten im Darknet mit Viren, Trojanern und anderen Schadsoftwares versehen, die vor allem für Technik-Laien schnell zum Problem werden können. Wer sich länger im Darknet aufhalten will, sollte damit rechnen, zur Zielscheibe für Angriffe zu werden und sich dementsprechend schützen.

Kann die Polizei nicht einfach alle Fotos, die Brutales zeigen, entfernen lassen? Zum Beispiel im Falle der Herne-Bilder?

Die Befugnis, einfach irgendwelche Seiten oder Inhalte, die teilweise auf Servern in osteuropäischen oder asiatischen Ländern liegen, zu löschen, haben die Behörden nicht.

Im Internet gilt immer das Recht des Landes, in dem eine Webseite beheimatet ist. Im Falle von 4chan gilt daher amerikanisches Recht, viele der Posts werden durch den Paragrafen zur Meinungsfreiheit geschützt. Die 4chan-Moderatoren löschen nur Kinderpornographie, weil sie ihretwegen strafrechtlich verfolgt werden könnten. Andere Porno- und Gewaltbilder bleiben meist stehen.

Wenn etwas strafrechtlich Relevantes vorliegt, können die Behörden bei 4chan aber die Herausgabe der IP des Postenden verlangen. Wenn dieser seine Herkunft mit Anonymisierungsdiensten verschleiert, bleibt er aber wahrscheinlich unerkannt.

Generell gilt aber auch: Im Darknet sind die Strafverfolgungsbehörden ständig auf der Suche nach illegalem Verhalten, vor allem aber verfolgen sie dabei Waffen-, Drogen- und Kinderporno-Händler sowie deren Kunden. Die Behörden arbeiten dabei auch zusammen, wenn also die deutsche Polizei einen amerikanischen Bürger beim Kauf von Kinderpornos erwischt, geben sie diese Infos an ihre Kollegen weiter.


Haha

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Und alle so: