Bild: Unsplash/Teddy Kelley
Klären wir das – ein für alle Mal!

Was am Winter Spaß macht: Schlittschuhlaufen und Glühweintrinken. Was am Winter scheiße ist: Frieren. Und Heizungsluft. Richtig zu heizen scheint eine Kunst für Eingeweihte zu sein. 

Aber gibt es einen idealen Punkt zwischen warm und kalt in einer Wohnung? Wie erreiche ich ihn? Und kann ich die Umwelt schonen, ohne mit den Zähnen zu klappern? 

Wir haben Jens Schuberth vom Umweltbundesamt gefragt.

Was bedeutet "richtig heizen"? Was muss ich beachten?

Warum ist es überhaupt so wichtig, richtig zu heizen? 

Es hat gleich mehrere Vorteile: "Beim Umgang mit der Heizung haben wir natürlich zunächst eine ökologische Verantwortung", erklärt Schuberth. "Wer zu viel heizt, verbraucht viel Energie, was zu einem erhöhten Ausstoß von Kohlendioxid und Schadstoffen führt." Natürlich treiben wir selbst damit auch unsere Heizkostenrechnung in die Höhe. 

Aber: "Zu stark sollte man die Raumtemperatur in der eigenen Wohnung auch nicht absenken lassen", sagt Schuberth, denn:  

„Das kann im schlimmsten Fall zu Schimmelbildung führen.“
Jens Schuberth

Wie warm sollte es denn in der Wohnung sein?

Natürlich muss jeder selbst entscheiden, welche Temperatur für ihn angenehm ist. 

  • Experten empfehlen etwa 20 bis 22 Grad in den Wohnräumen. 
  • "In Schlafzimmer und Küche können ruhig auch niedrige Temperaturen herrschen, da reichen oft 18 bis 19 Gradsagt Schuberth. 
  • "Im Bad hingegen mögen es viele Menschen wärmer – und natürlich soll niemand in der eigenen Wohnung frieren müssen." 

Für den richtigen Umgang mit der Heizung müssen wir jetzt aber nicht in jedem Raum ein Thermometer anbringen. Es reicht, ab und zu ein Thermometer in jedes Zimmer zu stellen, um ein Gefühl für die richtige Temperatur zu bekommen – und dann dementsprechend zu heizen.

Dann müssen wir ja auch noch richtig lüften…

Wer bei laufender Heizung das Fenster auf Kipp stehen hat, verschwendet Energie – so viel ist klar. Aber in welcher Form und wie oft sollten wir die Wohnung lüften? 

  • "Zweimal täglich Stoßlüften wäre gut“, sagt Schuberth. "Dabei sollte man die Heizung herunterdrehen. Sonst versucht sie, die niedrige Temperatur auszugleichen, man heizt also wirklich aus dem Fenster heraus." 

Wenn es draußen richtig kalt ist, reichen wenige Minuten, bis die Luft im Raum komplett ausgetauscht ist. Wenn es zehn Grad sind, sollte man dem offenen Fenster fünf bis zehn Minuten Zeit geben. 

Ein Sonderfall: Wenn Wäsche in der Wohnung trocknet, sollten wir länger und öfter lüften – sonst sammelt sich Feuchtigkeit und das kann wieder zu Schimmel führen. 

…und wenn ich aus dem Haus gehe? Was mache ich mit der Heizung?

Wenn ich aus dem Haus gehe, drehe ich die Heizung runter. Ist das sinnvoll, um Geld zu sparen? Oder riskiere ich damit, dass die Wohnung auskühlt und ich später doppelt Energie verbrauche, um sie wieder aufzuwärmen? 

  • "Wenn man nicht zu Hause ist, dann kann die Temperatur ruhig um bis zu vier Grad sinken“, sagt Schuberth. Allerdings sollte man die Heizung auch nicht komplett ausschalten, Stufe eins oder zwei am Thermostat sind eine gute Wahl. 

Denn: "Unter 17 Grad sollte die Temperatur nicht sinken, dann werden Möbel und Oberflächen kalt und es dauert später länger, die Räume wieder aufzuheizen“, erklärt der Experte. "Außerdem kann sich Feuchtigkeit sammeln und schlimmstenfalls Schimmel bilden, wenn es zu kalt in der Wohnung ist.“

Was darf vor der Heizung stehen – und was auf keinen Fall?

"Man sollte mit gesundem Menschenverstand an die Sache herangehen", sagt Schuberth. "Wenn vor einer laufenden Heizung ständig schwere Vorhänge zugezogen sind, dann staut sich die Wärme und das Zimmer wird nicht geheizt." 

Auch eine große Couch sollte nicht komplett vor der Heizung stehen – es sei denn, sie steht auf Füßen. "In dem Fall kann der Heizkörper die abgekühlte Luft über den Boden anziehen und oben warme Luft abgeben." 

  • Aber am besten wäre es, den Bereich vor der Heizung möglichst freizuhalten, besonders vor dem Thermostat-Kopf: Denn der muss die Temperatur im Raum wahrnehmen können, um richtig zu arbeiten.

Wird es schneller warm, wenn ich die Heizung voll aufgedrehe?

Wer nach der Arbeit oder einem Urlaub in eine ausgekühlte Wohnung kommt, dreht vielleicht den Thermostat direkt auf Stufe Fünf – damit es möglichst schnell angenehm warm wird. Der richtige Ansatz? Nein, denn: 

„Ein Thermostat ist nicht wie ein Wasserhahn, bei dem mehr Wasser kommt, wenn man ihn voll aufdreht.“
Jens Schuberth

"Die Einstellung am Thermostat regelt die Temperatur, sagt aber nichts darüber aus, wie schnell ein Raum warm wird. Bei Stufe fünf steuert das Thermostat beispielsweise 26 Grad an, aber dadurch werden nicht schneller 22 Grad erreicht." 

Wir sollten also die Stufe auswählen, von der wir wissen, dass sie unsere angepeilte Temperatur erzeugt – und dann müssen wir warten, bis sie erreicht wird.

Misst jede Heizung die Raumtemperatur? Auch alte Heizungen?

"Jeder Thermostatkopf misst die Temperatur mit und steuert einen bestimmten Wert an“, sagt Schuberth. "Das gilt auch für alte Heizungen." 

Wenn eine Heizung also bei Stufe zwei erfahrungsgemäß einen Wert von etwa 20 Grad erzeugt, dann heizt sie weiter, bis diese Temperatur im Raum erreicht wird. Das sollte jede Heizung leisten können. "Wenn man merkt, dass die Thermostatköpfe nicht mehr richtig messen, dann sollte man mit dem Vermieter sprechen", rät Schuberth. "Nach etwa 15 Jahren sollte ein Thermostat ausgetauscht werden.“

Übrigens kann man jede noch so alte Heizung mit einem programmierbaren Raumthermostat nachrüsten: So kann man zum Beispiel einstellen, dass die Temperatur ab 17 Uhr ein paar Grad steigen soll, damit es pünktlich zum Feierabend warm ist. Die Montage ist nicht kompliziert und die Geräte gibt’s schon für unter 20 Euro.

Wie kann ich Heizkosten sparen, ohne zu frieren?

Vor allem gilt: Beobachten, erfassen, auswerten. "Man sollte seine Abrechnungen und Zählerstände aufmerksam verfolgen", empfiehlt der Fachmann. "Dafür gibt es auch praktische Online-Hilfsmittel wie Energiesparkonten im Internet. So kann jeder erkennen, wie sich der eigene Heiz-Energieverbrauch entwickelt." 

Wir sehen also, ob wir nur Heizkosten gespart haben, weil der Winter mild war oder wir die Heizung selbst sinnvoll hoch- und runtergedreht haben. Und wenn wir bestimmte Maßnahmen ergreifen, erkennen wir so, ob sie den gewünschten Effekt hatten. Es geht zuerst darum, ein Bewusstsein für unser Heiz-Verhalten zu entwickeln. 

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