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Der FDP-Politiker Hans-Dietrich Genscher ist am Freitag im Alter von 89 Jahren gestorben. Er war der am längsten amtierende Außenminister der Bundesrepublik. Nach Angaben seines Büros erlag er einem Herz-Kreislaufversagen. (tagesschau.de)

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Genscher als Gestalter der Wiedervereinigung

“Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist.“ Diese Worte sagte Genscher am 30. September 1989 auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag und richtete sich damit an mehrere tausend DDR-Flüchtlinge, die seit Wochen auf dem Gelände der Botschaft ausharrten. Für sie eröffnete Genschers Satz die Möglichkeit, endlich in die Bundesrepublik Deutschland auszureisen, seine letzten Worte gingen deshalb in Jubel unter. (Deutsche Botschaft Prag)

Als Außenminister war Genscher auch danach maßgeblich an den Verhandlungen zur Wiedervereinigung beteiligt. Nach dem Mauerfall versuchte er, Vorbehalte der Sowjetunion, der USA und der deutschen Nachbarstaaten gegen ein vereintes Deutschland abzubauen. Gemeinsam mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl gilt Genscher als zentrale Figur der deutschen Einheit. (tagesschau.de)

Genscher als Vorbild für Nachwuchspolitiker

Genscher prägte die FDP wie wohl kaum ein anderer. So war er ein Vorbild für den heutigen Vorsitzenden Christian Lindner, 2013 erschien das gemeinsame Buch "Brückenschläge: Zwei Generationen, eine Leidenschaft".

Besonders mit Guido Westerwelle arbeitet Genscher eng zusammen. Zu dessen Tod Mitte März sagte Genscher: "Er war eine große politische Begabung und ein herzensguter Mensch. Mit ihm wird unvergessen bleiben das Wahlergebnis der FDP aus dem Jahr 2009", ließ Genscher von seinem Büro mitteilen. "Ich habe seinen Weg von Anfang an beobachten und begleiten dürfen." ("Der Tagesspiegel")

Genscher und seine Konsequenz in Modefragen

Sein Leben lang hatte Genscher ein Markenzeichen: den gelben Pulli. Auch nach dem Ende seiner Karriere in der Politik blieb er dem Kleidungsstück treu und tauchte überall mit einem Pullover oder Pullunder in Genscher-Gelb auf. Einige Exemplare wurden sogar versteigert. (SPIEGEL ONLINE)

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 lud Genscher US-Außenminister Henry Kissinger ein, um mit ihm ein Spiel in Dortmund zu sehen. Dabei schenkte er ihm einen seiner gelben Pullunder, selbst gestrickt von seiner Mutter. (Deutschlandfunk)

Genscher als Meinungsmacher

Auch nach seiner politischen Laufbahn bezog Genscher regelmäßig Stellung zu politischen Fragen – vielleicht sogar klarer, als er es während seiner aktiven Zeit konnte. In der aktuellen Flüchtlingsdebatte appellierte Genscher an alle EU-Staaten, Flüchtlinge aufzunehmen. "Die Flüchtlinge gehen nicht nur Deutschland, Österreich, Schweden etwas an, sondern alle Staaten in Europa, in der Welt", sagte er der "Welt am Sonntag". "Wenn einige EU-Staaten nun sagen: ,Kein Thema, wir liegen nicht am Mittelmeer', ist das egoistisch und verantwortungslos."

Auch die Angriffe auf Flüchtlingsheime verurteilte er scharf. "Wissen Sie, immer wenn ich eine Meldung über einen Anschlag auf ein Asylbewerberheim lese, stehen vor mir die Bilder meiner Kindheit: brennende Synagogen und zerstörte jüdische Ladengeschäfte", sagte er der "Zeit".

Superheld "Genschman"

Das Satire-Magazin "Titanic" stilisierte Genscher zu "Genschman", einer Comicfigur, die in der Tradition des Superhelden Batman die Welt rettet. Die Figur wurde ein Riesenerfolg: Es gab T-Shirts, Feuerzeuge und Anstecknadeln mit "Genschman". Die Idee soll allerdings nicht von den "Titanic"-Schreibern selbst kommen, sondern von Genschers Pressesprecher im Auswärtigen Amt. (Deutschlandfunk)