Kurz vor der Wahl hatten Mitarbeiter Donald Trumps Zugang zu Twitter gesperrt – auf dass er mit seinen Beleidigungen keinen weiteren Schaden anrichte. Jetzt darf der künftige US-Präsident wieder twittern. Und er ist wütend:

"Hamilton", ein mehrfach mit Preisen ausgezeichnetes Musical am New Yorker Broadway, sei "sehr überbewertet", schreibt Trump. Und die Macher sollten sich bei Mike Pence für ihr Fehlverhalten entschuldigen.

Was war passiert?

Mike Pence ist der künftige Vizepräsident an Trumps Seite. Er gilt als einer der konservativen Hardliner im Team (bento I).

Am Freitagabend war Pence im Musical "Hamilton" zu Gast. Die Macher der Show wussten davon – und hatten extra für Pence ein Grußwort vorbereitet ("New York Times"). Am Ende der Vorstellung hatte es ein Darsteller im Namen des gesamten Ensembles verlesen. Es waren keine netten Worte:

Das ist das Statement in der Übersetzung:
"Vizepräsident Pence, wir heißen dich willkommen und wir danken dir, dass du dir 'Hamilton - Ein amerikanisches Musical' angesehen hast."
"Wir Sir, wir sind das vielfältige Amerika – das alarmiert ist und ängstlich..."
"...dass Ihre Regierung uns, unseren Planeten, unsere Kinder und unsere Eltern nicht beschützen wird."
"Oder uns und unsere unveräußerlichen Grundrechte nicht verteidigen wird."
"Aber wir hoffen sehr, dass Sie diese Show inspiriert hat, unsere amerikanischen Werte hochzuhalten und..."
...und im Namen von uns allen zu arbeiten. Von uns allen."
"Danke, dass Sie diese Show gesehen haben – erzählt von einer vielfältigen Gruppe von Männern, Frauen aller Ethnien und Interessen."
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Muss ich "Hamilton" kennen?

Nicht unbedingt – aber in den USA ist es seit vergangenem Jahr eine der beliebtesten Broadway-Shows. Es erzählt die Geschichte eines der Gründerväter der USA aus Einwandererperspektive. Das Musical erzielt einen Pulitzerpreis und zahlreiche Tony-Awards, die Musical-Oscars ("Playbill").

Geschrieben wurde "Hamilton" von Lin-Manuel Miranda, der schon von Barack Obama zum Freestyle Rap ins Weiße Haus geladen wurde:

Wie wurde das "Grußwort" an Mike Pence aufgenommen?

Im Theatersaal wurde eifrig geklatscht, viele jubelten. Einige buhten Pence aus, was das "Hamilton"-Ensemble allerdings ablehnte.

Die Stimmung in den USA ist seit der Wahl gespalten. Viele Anhänger Trumps äußern sich fremdenfeindlich, gegen Muslime kommt es zu Übergriffen (bento II). Andere gehen gegen Trumps Regierung demonstrieren (bento III). Buhrufe hatte es schon am Anfang der Show gegeben:

Mike Pence selbst hatte sich zu dem Empfang nicht geäußert. Donald Trump hingegen war außer sich. Er twitterte, Pence sei belästigt wurden:

Und das Ensemble sei sehr unhöflich gewesen, obwohl ein Theater ein sicherer Ort sein müsse:

Wenn der neu erwachte Musical-Kritiker Trump den Appell an Menschlichkeit des "Hamilton"-Ensembles schon als rüde Beleidigung erachtet, dann dürften die kommenden vier Jahre für ihn als Präsident sehr anstrengend werden.


Art

Eine Künstlerin wehrt sich mit besonderen Selfies gegen Trumps Rassismus

In den USA berichten Muslima von Angriffen, Schwarze von beschmierten Autos und Türen, Latinos fürchten um ihre Sicherheit. Alle eint ein Gefühl: Im neuen, weißen Amerika von Donald Trump werden wir unsichtbar, werden wir verletzlich.

Die Chicagoer Illustratorin Tyler Feder will dagegen anzeichnen. Auf Instagram hat sie den Hashtag #DrawMeTyler gestartet – jeder, der mag, kann Tyler ein Selfie von sich schicken. Sie verwandelt dann die Fotos in kleine illustrierte Kunstwerke. "Ich wollte mit meinen Illustrationen helfen, all die herabgewürdigten Menschen nach der Wahl wieder sichtbar zu machen", sagte Tyler zu bento. "Sie sollen sich wieder besser fühlen können."

Alles begann mit einem kleinen Aufruf: