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Kurz noch ein Bierchen vom Kiosk, dann tanzen gehen: Cornern ist das neue Vorglühen – und das auch nicht erst seit gestern. 

Doch die Sparfüchse des Nachtlebens zerstören genau die Orte, die sie ständig besuchen: die Bars und Clubs. Denn die stellen zwar das tolle Programm, für das Hamburgs kulturelles Herz und Party-Bezirk berühmt ist, doch die Umsätze bleiben bei den Kiosken, die mit Billig-Alkohol locken.

Etliche Läden sind unter anderem daran schon kaputt gegangen und mussten schließen. Für viele Menschen im Viertel ist das ein Warnsignal. Deshalb haben sich nun Wirte, Clubbetreiber und Anwohner zusammengetan und kämpfen gegen die Kiosk-Kultur. 

Doch das wird auch kritisch gesehen.

So lief der Protest:

"St. Pauli ist kein Kiosk", "Für betreutes Trinken", "Kein Alk ohne Klo", steht auf den Schildern von rund 350 Demonstranten, die am Samstagabend über die Reeperbahn ziehen. 

Es sind wütende Anwohner, die keinen Bock mehr haben auf die Lautstärke, weil Leute mit dem Kioskbier auf der Straße stehen, anstatt sich in die Bars zu setzen und deren Hauseingänge immer wieder vollgepinkelt werden.

Es sind auch wütende Clubbetreiber, die nicht wissen, wie sie Musikern eine vernünftige Gage zahlen sollen, bei steigender Miete und sinkenden Getränke-Einnahmen. "Die Kioske haben sich hier wie Kakerlaken vermehrt", sagt Axel Strehlitz, Betreiber des "Klubhaus St. Pauli". (Mopo) Inzwischen gibt es laut Bezirksamt im Stadtteil etwa 50 bis 60 Kioske. (NDR)

Und es sind auch ein paar wütende Promis aus der Hamburger Kulturllandschaft dabei. So wie Dragqueen Olivia Jones, die selber mehrere Bars und Clubs auf St. Pauli betreibt.

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Sie alle fordern ein Ende des Kiosk-Saufens. Diese Forderung richtet sich hauptsächlich an die Kiezbesucher selbst. Deshalb wurde die Demo auch extra auf einen Samstagabend gelegt und verlief genau entlang der Reeperbahn.

Auch die Politik hat sich nun eingeklinkt. 

Der rot-grüne Senat will ein Gutachten in Auftrag geben, dass klären soll, ob eine Regulierung des Alkoholausschankes an Kiosken das Problem eindämmen würde. In dem Fall könnte ein Gesetz folgen, dass den Kiosken zu bestimmten Zeiten den Verkauf von Alkohol verbietet. Dies scheine "dort immer mehr unausweichlich“, sagte Jette von Enckevort (SPD) in der Hamburger Morgenpost

Farid Müller von den Hamburger Grünen sagt im selben Artikel: "Viele Kioske versorgen nicht mehr die Nachbarschaft mit Kleinigkeiten, sondern ähneln mehr einem billigen Barbetrieb", wobei sie nicht mal Toiletten zur Verfügung stellen oder eine Schanklizenz vorweisen müssten.

Doch es gibt auch Kritik an der Kritik. 

Ein St. Pauli-Fanclub schrieb auf Facebook, man solle den Protest boykottieren. Denn: Die Demos werden nicht nur von Gewerbetreibenden, sondern auch vom Business Improvement District (BID) "Reeperbahn +" organisiert. 

Das Ziel des BID war seit seiner Gründung im Jahr 2014 das Aufräumen des Stadtteils. Unschöne Ecken weg, dafür schnieke Neubauten und "Kultur", so wie sich die Stadt das vorstellt. Nicht unbedingt so, wie Anwohner es jahrzehnteland aufgebaut haben. 

Daher stehen die jetzigen Demos in der Kritik, gegen genau das zu protestieren, was sie selber verschuldet haben: Sauftouristen mit Mainstream-Angeboten anzulocken und dabei die Anwohner zu ignorieren.

Der Konflikt ist noch lange nicht vorbei. 

Es soll nun jeden Monat eine "Save St. Pauli"-Aktion geben. Am 23. März steht sie unter dem Motto "Ganz St. Pauli ist ein Kiosk". Wirte sollen an diesem Tag ausschließlich Getränke aus den Fenstern ihrer Läden verkaufen, die Türen aber geschlossen lassen.

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