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"Irgendwann ist auch der längste Geduldsfaden zu Ende"

Jörn Kruse war AfD-Mitglied der ersten Stunde – schon 2013 trat der Wirtschaftsprofessor bei, als Bernd Lucke die "Alternative" als Anti-Euro-Partei gründete. Doch im Gegensatz zu Lucke blieb Kruse auch dann noch in der Partei, als diese immer weiter an den rechten Rand rückte. Seit 2015 sitzt er für die Partei in der Hamburger Bürgerschaft, er ist Vorsitzender der dortigen AfD-Fraktion. (Wikipedia)

Doch nun ist die AfD offenbar auch Kruse zu rechts: Er legt zum 1. Oktober seinen Fraktionsvorsitz nieder und tritt aus der Partei aus.

Das kündigte er den Fraktionsmitgliedern am Donnerstag in einer Email an, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Seinen Schritt begründet er darin mit der zunehmenden Zusammenarbeit von Teilen der AfD mit Rechten und Rechtsradikalen, die er "untolerierbar" nennt. "Irgendwann ist auch der längste Geduldsfaden zu Ende", heißt es in der Email.

Kruse hatte sich in der Vergangenheit bereits gegen rechtsradikale Tendenzen in der AfD ausgesprochen: So nannte er Björn Höcke nach seiner Rede zum Holocaust-Mahnmal einen "Idioten". Die Partei dürfe sich nicht radikalisieren, sagte er damals. (Hamburger Morgenpost)

Kruse wird auch nach seinem Austritt weiter der Bürgerschaft angehören, jedoch nur noch als fraktionsloser Abgeordneter.

Mit Material von dpa


Today

Donnerstagabend wollen Nazis wieder durch Dortmund marschieren – diese Partei steckt dahinter
Wir haben nachgefragt, wie viele Demonstranten die Polizei erwartet.

Am vergangenen Sonntag sind rund 100 Neonazis in Dortmund durch die Straßen gezogen und haben antisemitische Parolen skandiert. Auch heute haben mehrere Bündnisse wieder zu einer Demo aufgerufen (WDR). Es ist nicht die erste Demo von Neonazis in Dortmund. Die Stadt hat sich zur Hochburg von Rechtsextremisten im Westen Deutschlands entwickelt.

Was ist vergangenen Sonntag passiert?

Bei der letzten Demo zogen etwa 100 Rechtsextreme durch die Straßen riefen Parolen wie "Wer Deutschland liebt, ist Antisemit." Die Polizei war zwar vor Ort, griff aber nicht ein. Im Nachhinein erklärte der Innenminister von NRW, Herbert Reul, in Dortmund habe es keine Rufe gegeben, die strafrechtlich relevant gewesen seien. Die Behauptung es sei zu wenig Polizei eingesetzt worden, sei "unsinnig." Laut Reul begeleiteten 86 Polizisten die 100 Demonstranten. (WDR)

Aber wer steckt hinter der Demo?

Die Demonstrationen, sowohl am vergangenen Sonntag, also auch heute hat die rechtsextreme Partei "Die Rechte" angemeldet. Die Partei ist bei weitem nicht das einzige rechtsextreme Bündnis in Dortmund. Derzeit sitzt sogar ein Abgeordneter der "Rechten" im Dortmunder Stadtrat. Die Partei existiert in ihrer heutigen Form erst seit 2012. Das bekannteste Gesicht der Rechten in Dortmund ist Siegfried Borchardt, genannt "SS-Siggi". 

Wie hat sich die Neonazi-Szene in Dortmund entwickelt?

Während der 1980er und 1990er nisteten sich die Rechten in Dortmund besonders in der Nordstadt und im Stadtteil Dorstfeld ein. Noch bis heute sind dort Häuser mit der Aufschrift "Nazi Kiez" zu sehen. Die bekannteste rechte Gruppierung war der "Nationale Wiederstand Dortmund" (NWDO).