Bild: dpa/Saudi Press Agency

Die muslimische Wallfahrt beginnt. 2,6 Millionen Menschen machen die Reise nach Saudi-Arabien zu einem Massenereignis – aber worum geht es eigentlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Saudi-Arabien ist in diesen Tagen im Ausnahmezustand. Knapp zwei Millionen Muslime sind aus aller Welt in das wahhabitische Königreich gekommen, um in Mekka die Wallfahrt Hadsch zu begehen. Hinzu kommen rund 600.000 Menschen aus Saudi-Arabien selbst. Für viele Gläubige ist es die Reise ihres Lebens. Hier liest du die Hintergründe zu dem jährlichen Massenereignis.

Was ist der Hadsch?

Jeder gläubige Muslim, Männer wie Frauen, muss fünf religiöse Pflichten erfüllen. Neben den täglichen Gebeten, dem Fasten im Monat Ramadan, dem Glaubensbekenntnis und der Gabe von Almosen gehört der Hadsch dazu.

Wer es sich leisten kann und keine gesundheitlichen Einschränkungen hat, welche die mehrtägige Reise unmöglich machen, muss die Wallfahrt unternehmen - am besten während des Pilgermonats Dhul Hidscha. Nur dann nämlich zählt die Reise als Hadsch - "Große Pilgerfahrt". Außerhalb der festgelegten Tage spricht man von der "Kleinen Pilgerfahrt", der Umra.

Warum führt die Pilgerfahrt nach Mekka - und was passiert dort?

In Mekka wurde der Prophet Mohammed geboren, hier hat er nach islamischer Überlieferung die ersten Offenbarungen empfangen. Die Geschichte des Hadsch ist jedoch älter. Schon in vorislamischer Zeit war Mekka ein Pilgerort. Mohammed veränderte jedoch die Riten, die während des Hadsch vollzogen werden.

In diesem Jahr beginnt der Hadsch am Sonntag. Die Männer legen ein Pilgergewand an, das aus zwei weißen, ungesäumten Tüchern besteht. Von nun an befinden sich die Gläubigen im "Ihram", einem Weihezustand, der es ihnen verbietet zu fluchen, sich einzucremen, sich zu rasieren, sich die Nägel zu schneiden oder zu onanieren. Frauen dürfen ihr Gesicht zudem nicht mehr verschleiern.

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Dann begeben sich die Pilger zum ersten Mal in die Heilige Moschee. Im Zentrum der Moschee steht die Kaaba, ein mit schwarzer Seide umhüllter Würfel mit einer Grundfläche von zehn mal zwölf Metern. Nach islamischer Überlieferung ist die Kaaba das erste Gebetshaus der Menschheitsgeschichte und wurde von Adam persönlich errichtet. In einer Ecke der Kaaba befindet sich ein schwarzer Stein. 

Der Überlieferung zufolge stammt dieser Stein aus dem Paradies und wurde vom Engel Gabriel an Abraham übergeben. Der Stein ist in 1,5 Metern Höhe in die Wand der Kaaba eingelassen. An dieser Stelle starten die Gläubigen mit der siebenmaligen Umrundung der Kaaba entgegen dem Uhrzeigersinn.

Anschließend begeben sich die Pilger für die erste Übernachtung in die Zeltstadt Mina.

(Bild: SPIEGEL ONLINE)

Den zweiten Tag verbringen die Gläubigen am Berg Arafat außerhalb der Stadt. Die Pilger beten und bitten um die Vergebung ihrer Sünden. Am Abend ziehen sie weiter in die Ebene von Musdalifah. Hier sammeln sie Steine für die symbolische Steinigung des Teufels am nächsten Tag. Anschließend verbringen die Pilger die Nacht im Freien.

Noch vor Sonnenaufgang kehren die Gläubigen zurück nach Mina. Auf der dortigen Dschamarat-Brücke müssen die Pilger jeweils sieben Steine an drei riesige Säulen werfen. Um den Andrang einigermaßen beherrschbar zu machen, haben die Behörden inzwischen fünf Ebenen errichtet, auf denen die Pilger ihre Steine werfen können.

Am Abend beginnt das Opferfest, Eid al-Adha. Es werden Tausende Opfertiere, Schafe und Ziegen geschlachtet. Das meiste Fleisch wird an Bedürftige verteilt.

Die Pilger können nun den Weihezustand verlassen und wieder ihre normale Kleidung anziehen. Sie begeben sich erneut in die Heilige Moschee und umkreisen siebenmal die Kaaba. Anschließend laufen sie sieben Mal zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa hin und her. Der Hadsch endet mit einer abschließenden Umkreisung der Kaaba.

Viele Gläubige fahren anschließend ins knapp 400 Kilometer entfernte Medina. Dort besuchen sie die Prophetenmoschee, in der sich Mohammeds Grab befindet.

Wie halten es die verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen?

Die Angehörigen der großen islamischen Konfessionen - Sunniten und Schiiten - pilgern gleichermaßen nach Mekka. Iran, der größte schiitisch geprägte Staat der Welt und Erzfeind der Saudis, wirft dem Königreich regelmäßig vor, Schiiten bei der Vergabe der Kontingente zu benachteiligen.

Muslime, die der Gemeinschaft der Ahmadiyya angehören, würden ebenfalls gern nach Mekka pilgern, dürfen aber nicht. Die vom Königshaus finanzierte Islamische Weltliga schloss die Ahmadiyya 1974 aus der islamischen Gemeinschaft aus. Seither erteilt Saudi-Arabien den Anhängern der Ahmadiyya keine Hadsch-Visa mehr. Das Betreten des heiligen Bezirks in Mekka ist ihnen, wie auch allen Nichtmuslimen, untersagt.

Alewiten, Alawiten und Drusen pilgern nicht nach Mekka.

Wie sind die Sicherheitsvorkehrungen?

Ein explodierendes Haus, Soldaten mit blutrot und tiefschwarz bemalten Gesichtern im Stechschritt und Spezialeinheiten, die sich mit dem Gewehr im Anschlag abseilen: Saudi-Arabien hat vor Beginn der Hadsch eine Militärparade abgehalten, um seine Wehrhaftigkeit darzustellen.

Ein Grund für diese martialische Inszenierung liegt Jahrzehnte zurück - 1979 ermordeten islamistische Terroristen bei einem Angriff auf die Große Moschee von Mekka fast tausend Menschen. (Hier erfahren Sie mehr zu den Hintergründen)

Daneben sind die Verantwortlichen im Hadsch-Ministerium auch darauf bedacht, dass die Menschenmassen geordnet gelenkt werden. Die Fläche, auf der sich die mehr als zwei Millionen Pilger größtenteils bewegen, ist nur in etwa so groß wie der alte Flughafen Berlin-Tempelhof. Ein neuralgischer Punkt ist das Tal von Mina vor den Toren Mekkas. Dort kam es vor drei Jahren zu einer Massenpanik, in deren Folge mehr als 700 Pilger starben. Ein noch schlimmeres Unglück ereignete sich 1990. Bei einer Panik in einem Fußgängertunnel von Mekka nach Mina starben rund 1400 Menschen.

Die Behörden fürchten zudem die Verbreitung von Ansteckungskrankheiten. In diesem Jahr lässt Saudi-Arabien daher nur Pilger ins Land, die gegen Meningokokken, Gelbfieber und Polio geimpft sind.

Welche Rolle spielt das Herrscherhaus beim Hadsch?

König Salman führt den Titel "Hüter der beiden heiligen Stätten" - gemeint sind Mekka und Medina. Den wird er eines Tages an seinen Sohn und Thronnachfolger, Kronprinz Mohammed bin Salman, vererben. Für die religiöse Legitimation als sunnitische Hegemonialmacht ist dieser Titel von herausragender Bedeutung.

Der Hadsch bietet dem saudischen Herrscherhaus alljährlich die Möglichkeit, sich als Anführer der muslimischen Welt zu inszenieren - und auch das Image weltweit aufzubessern. Um ebendies steht es schlecht.

Grund hierfür ist neben der jüngsten Fehde mit Kanada und der nun schon länger als ein Jahr andauernden Katarkrise der Großkonflikt mit der schiitischen Islamischen Republik Iran, der momentan vor allem im Bürgerkriegsland Jemen ausgetragen wird.

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


Gerechtigkeit

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