Was ist passiert?

Peter Humphrey ist Privatdetektiv und saß 23 Monate lang im Qingpu-Gefängnis in der Nähe von Schanghai fest. Dabei will er eine skandalöse Entdeckung gemacht haben: Häftlinge sollen in dem Gefängnis für H&M und C&A gearbeitet haben.

In der "Financial Times" hat Humphrey über seine Erlebnisse berichtet.

Warum ist das wichtig?

Großen Modeketten wird regelmäßig vorgeworfen, dass sie unter schlechten Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern ihre Mode herstellen lassen. Humphreys Vorwurf ist noch brisanter – eindeutigere Beweise für ausbeuterische Produktionsverhältnisse ließen sich kaum finden.

Humphreys Vorwürfe stützen sich jedoch nur auf persönliche Beobachtungen, die Unternehmen weisen sie zurück.

Was wirft Peter Humphrey den Firmen vor?

"Das Gefängnis war ein Unternehmen, das Industriearbeit verrichtete", schreibt Humphrey in dem Artikel. Häftlinge hätten im Gemeinschaftsraum gearbeitet.

"Unsere Männer haben Verpackungsteile hergestellt. Ich erkannte bekannte Marken – 3M, C&A, H&M. So viel zur sozialen Verantwortung von Unternehmen, obwohl die Unternehmen möglicherweise nicht wussten, dass die Gefängnisarbeit Teil ihrer Lieferkette war."

Auch Textilien und Komponenten hätten die Insassen hergestellt, schreibt Humphrey. 

"Sie marschierten wie Soldaten vor unserem Frühstück dahin und kamen spät am Abend zurück. Die Ausländer, die in meinem Zellenblock arbeiteten, waren Afrikaner und Asiaten, die kein Geld von der Familie hatten und keine andere Möglichkeit, Toilettenartikel und Snacks zu kaufen."

Diese Entdeckung machte Peter bereits in den Jahren 2014 und 2015. Ihm und seiner chinesischen Frau wurde damals der "illegale Erwerb von persönlichen Informationen" vorgeworfen, die beiden wurden in den Staatsmedien vorgeführt und schließlich verurteilt. 

Peters Artikel in der "Financial Times" dreht sich vor allem um die entmenschlichenden Zustände und die Schikanen der chinesischen Behörden – die Vorwürfe an die Unternehmen sind nur ein Randaspekt, der vor allem durch einen Bericht von "Quartz" verbreitet wurde.

Wie reagieren die Unternehmen?

Sie bestreiten, davon gewusst zu haben.

  • H&M verlange von seinen Zulieferern eine Zustimmung, dass auf Zwangs-, Gefängnisarbeit und illegale Beschäftigung verzichtet werde. "So weit wir wissen, wurde das nicht verletzt", sagte ein Sprecher. Man nehme die Informationen aber sehr ernst. 
  • C&A verwies ebenfalls auf einen Verhaltenskodex. "Wir überprüfen alle unsere 273 Fabriken unserer Zulieferer in China mindestens jährlich", hieß es "und wir haben dabei weder Gefängnisarbeit in unserer chinesischen Lieferkette beobachtet, noch sind wir darauf aufmerksam gemacht worden."
  • Die US-Firma 3M betonte ebenfalls, dass man sich an derlei ausbeuterischen Arbeitsbedingungen nicht beteilige.

Wenn die Modeketten wirklich (mit oder ohne ihr Wissen) in Gefängnissen produzieren lassen, ist das in der Tat skandalös. Allerdings ist auch in Deutschland ein Großteil der Strafgefangenen zur Arbeit verpflichtet – meist zu einem Bruchteil des Mindestlohns. Die Gefangenen zahlen nicht in die Rentenkasse ein, ihnen droht Altersarmut. Eine JVA warb sogar mit den geringen Lohnkosten.


Sport

Bundesliga-Spiele: Deutsche Fußball Liga muss sich an Polizeikosten beteiligen
Das Oberverwaltungsgericht Bremen hat entschieden.

Was ist passiert?

Seit Jahren wird über die Frage gestritten: Wer muss zahlen, wenn ein großes Polizeiaufgebot bei Bundesliga-Spielen eingesetzt wird? Der Staat, also die Steuerzahler? Oder beteiligt sich auch die Deutsche Fußball Liga (DFL)?

Jetzt hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bremen für einen Fall aus der Hansestadt entschieden: Die DFL muss sich grundsätzlich an Mehrkosten für Polizeieinsätze bei sogenannten Hochrisikospielen der Bundesliga beteiligen. (NDR/Buntenundbinnen)