Björn Höcke hatte leichtes Spiel.

Vielleicht gab es ja einen Plan. Vielleicht dachte sich Günther Jauch: "Pöbeln, hetzen, drohen - wird der Hass gesellschaftsfähig?", zu diesem Thema holen wir uns einen von der AfD, der soll pöbeln, hetzen, drohen und sich mal so richtig schön blamieren.

Blöd, wenn dann dieser jemand von der AfD pöbelt, hetzt und droht, so dass Günther Jauch den Hass zur besten Sendezeit gesellschaftsfähig macht. Denn Jauch hatte den längst bekannten, den immer gleichen Parolen nichts entgegenzusetzen. Bedankte sich am Ende gar noch.

Dabei hätte Jauch ahnen können, ahnen müssen, was in seiner Sendung passieren würde. Er hatte sich ja nicht irgendwen von der AfD eingeladen. Nein, es musste schon der Rechtsaußen der Rechtsaußen-Partei sein: Björn Höcke, der in Thüringen für die AfD im Landtag sitzt.

Der wusste die Sendezeit zu nutzen, für Attacken gegen Flüchtlinge und das "Altparteien-Kartell". Aber als erstes drapierte er eine Deutschlandfahne auf seinem Sessel. Dann zeigte Günther Jauch in einem Einspielfilm, wie Pegida-Anhänger "Wir sind das Volk" skandierten.

Da entfuhr Justizminister Heiko Maas, der die Sendung neben Höcke verbringen musste, nur ein "widerlich".

Einziger Lichtblick: Die NDR-Journalistin Anja Reschke, die den Thesen des AfD-Einpeitschers entgegentrat, während Jauch nur mit stoischer Miene zusah, wie sich der Hass in der Mitte der Fernsehgesellschaft breitmachen konnte.

Die Jauch-Sendung in einem Bild

Jauch entblödete sich nicht, Reschke zu fragen, wer denn jetzt schlimmer sei: Die Rechtsradikalen, Nazis, AfD, Pegida? "Oder die linken Ausgrenzer?"

Ja, wer ist nun schlimmer? Die mit den brennenden Flüchtlingsheimen, die mit dem Galgen auf der Demo, die Hetzer? Oder diejenigen, die etwas dagegen haben, dass der Hass in Deutschland gesellschaftsfähig wird?

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