Bild: Gareth Fuller/PA Wire/dpa
Drei Forderungen der neuen Studie

Der britische Religionsunterricht sollte grundsätzlich überholt werden. Dieser Meinung sind zumindest Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich zwei Jahre lang für eine Studie mit dem Thema beschäftigt haben.

Die staatliche "Commission on religious Education", die die Studie durchgeführt hat, empfiehlt sogar, das Fach umzubennen. Das berichtet der "Guardian".

Was soll am Religionsunterricht geändert werden?

Wie die Kommission festgestellt hat, ist eine grundsätzliche Neuausrichtung des Religionsunterrichtes nötig, um die "stark angestiegene Diversität der Welt" darzustellen. Deshalb sollte das Fach neben religiösen auch andere Schwerpunkte haben. 

Folgende Themen sollen im Unterricht aufgenommen werden:

  • Atheismus (Das Nichtglauben an einen Gott)
  • Agnostizismus (Weltanschauung, bei der die Existenz eines Gottes nicht rational erklärt werden kann und deshalb weder bejaht, noch verneint werden kann.) (Duden)
  • Säkularismus (Weltanschauung, bei der Kirche und Staat voneinander getrennt sind)

Laut der Empfehlung sollte das Fach auch umbenannt werden. Die Autoren schlagen den Titel "Religion und Weltanschauungen" vor. Ziel soll es sein, junge Menschen mit Respekt und Empathie für unterschiedliche Glaubensrichtungen und Standpunkte auszustatten, so die Autoren.

Warum ist das nötig?

Die Autoren der Studie kritisieren, dass der Religionsunterricht thematisch sehr eng gesteckt sei. Es müsse ein breiteres Themenfeld angesprochen werden. Hierzu würden auch Inhalte gehören, die traditionell nicht im Unterricht vorkommen würden. Als Beispiel nennt die Komission "religiöse, philosophische, spirituelle und unterschiedliche Traditionen, aus dem Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus, genau wie nicht religiöse Weltanschauungen wie dem Humanismus und Atheismus."

Welche Reaktionen gibt es?

  • Die Gruppe Humanists UK begrüßte die Schlüsse aus der Studie und das Vorhaben, humanistische Themen im Religionsunterricht einzubringen. Die Forderungen seien eine "einmalige Möglichkeit der akademisch ernsthaften Lehre von religiösen und nicht-religiösen Weltanschauungen in unseren Schulen", so Andrew Copson, Mitglied der Humanists UK.
  • Scharfe Kritik hingegen gab es von der katholischen Kirche. Der "catholic education service", der die schulischen Belange der Kirche vertritt, kritisierte, die Forderungen seien "weniger zur Verbesserung der Schulfachs, als viel mehr zum fundamentalen Wandel seiner Eigenschaften gedacht."
Die Qualität von religiöser Lehre verbessert sich nicht, indem man weniger Religion unterrichtet
Catholic Education Service
  • Der Ausschuss der britischen Juden konnte dem Bericht ebenfalls wenig abgewinnen und nannte ihn "grob fehlerhaft." Die Änderung würden die "Verwässerung des Religionsunterrichts durch Einbeziehung aller Weltanschauungen in einen ohnehin engen Stundenplan" mit sich bringen. 

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