Bild: Rainer Jensen/dpa

Manch einer niest so laut, dass er das ganze Büro zum Beben bringt. Andere halten sich ihren Mitmenschen zuliebe die Nase zu. Was ist die bessere Strategie? Ein Mann aus Großbritannien dürfte nun dafür plädieren, Niesern freien Lauf zu lassen.

Beim Versuch, einen heftigen Nieser durch Nasezuhalten zu unterdrücken, hat er sich ernsthaft verletzt. Der Mann berichtete, beim unterdrückten Niesen einen Knall im Hals wahrgenommen zu haben. Anschließend hatte der ansonsten gesunde 34-Jährige starke Schmerzen beim Schlucken und konnte kaum noch sprechen. Zudem schwoll sein Hals besonders auf der rechten Seite an.

Können Nieser nicht entweichen, steigt der Druck in der Nasenhöhle kurzzeitig stark an. 

Erschwerend kam im aktuellen Fall hinzu, dass der Mann beim Niesen auch seinen Mund geschlossen hielt. Der Druck entlud sich daraufhin bis in den tiefen Rachenbereich, wo ein Riss entstand.

Es kitzelt in der Nase? Lass es raus! Bild: Getty Images

Als er beim Arzt abgehört wurde, vernahm der vom Hals bis zum Brustbein rechts und links ein Rasseln im Körper des Patienten. Wie sich auf Röntgen- und CT-Bildern zeigte, war durch den Riss im Schlund Luft in Gewebeschichten am Hals vorgedrungen, wo normalerweise keine hingehört. Außerdem entdeckten die Mediziner Luft im oberen Bereich des Mittelfellraumes, der vom Zwerchfell aufwärts zwischen den Lungenflügeln Richtung Hals verläuft.

  • Verursacht werden Risse im tiefen Rachen sonst fast nur durch Unfälle, Operationen oder Infektionen. Selten entstehen sie auch bei heftigen Hustenanfällen oder durch Erbrechen.
  • Sicherheitshalber wurde der Patient stationär im University Hospital in Leicester aufgenommen. Der Mann musste über eine Magensonde ernährt werden, bis die Schwellung und die Schmerzen abklangen. Vorsichtshalber erhielt er ein Antibiotikum, weil die Ärzte eine Entzündung fürchteten.
  • Erst nach sieben Tagen konnten sie ihn aus dem Krankenhaus entlassen. Die Luft im Gewebe war deutlich weniger geworden. Bei einer Nachuntersuchung zwei Monate später hatte er keinerlei Beschwerden mehr.

Weitere Alltagsfragen, die wir ein für alle mal klären:

Dass sich jemand durch einen unterdrückten Nieser ernsthaft verletzt, ist extrem selten. 

Zwar gibt es Einzelfallberichte von Menschen, die taub wurden, weil sie sich beim Niesen die Nase zugehalten haben. Auch von Rissen in der Hauptschlagader oder Rupturen von Blutgerinnseln im Gehirn ist die Rede. Wären solche schweren Schäden durch unterdrückte Nieser jedoch häufig, müsste es sehr viel mehr Berichte dazu geben. (SPIEGEL ONLINE)

Trotzdem gilt: "Nieser zu unterdrücken, indem man den Mund schließt und sich die Nase zuhält, ist gefährlich und sollte vermieden werden", schreiben Wanding Yang und Kollegen vom University Hospital in Leicester. (BMJ Case Reports

Tatsächlich ist es auch aus anderen Gründen gesünder, Nieser rauszulassen. Niesen reinigt die Atemwege und befördert störende oder krankmachende Partikel nach draußen, die den Niesreflex in der Regel überhaupt erst verursachen.

Wer erkältet ist oder die Grippe hat, sollte allerdings in ein Taschentuch oder die Armbeuge niesen. Sonst steckt er leicht seine Mitmenschen an. Niest man sich in die Hände, ist es wichtig, diese anschließend gründlich mit Seife zu waschen. Händewaschen ist ohnehin eine der besten Vorsorgemaßnahmen gegen Erkältungen und Grippe.

Dieser Artikel erschien zuerst auf SPIEGEL ONLINE.


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