Bild: Eric Risberg/AP/dpa
Die vier wichtigsten Zitate von den Protesten.

Google gibt sich in seiner Personalpolitik gern fortschrittlich und vorbildlich, erscheint gerne als der perfekte Arbeitgeber. Doch Berichte über sexuelle Belästigungen haben den Konzern erschüttert. Am meisten wird das Image des Unternehmens durch seinen merkwürdigen Umgang mit den Vorwürfen angekratzt. Tausende Mitarbeiter gehen nun aus Protest dagegen auf die Straße.

Halt, Stop: Was ist bei Google genau passiert?

Eigentlich ist Google so ein Unternhemen, von dem man immer denkt, dass es extrem fortschrittliche Einstellungen zu seinen Mitarbeitern hat. Flexible Arbeitszeiten, Kicker, Videospielkonsolen und Boulderwände im Büro, die Google-Zentrale bei San Francisco ist ein richtiger Campus mit Ärzten, Friseuren und allem drum und dran (Manager Magazin).

Doch hinter den Kulissen läuft wohl trotzdem nicht alles rund. Es kam raus: Google hat in den vergangenen zwei Jahren 48 Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung gefeuert. Bei 13 von ihnen habe es sich um Führungskräfte gehandelt, teilte das Unternehmen in einem Rundschreiben an die Belegschaft mit. 

Dass das Unternehmen gegen diejenigen vorgegangen ist, klingt an sich gut. Doch die "New York Times" berichtet, Google habe mehreren dieser ranghohen Managern trotz der bestehenden Vorwürfe Millionen-Abfindungen gezahlt. (bento

Unter anderem Andy Rubin, der Kopf hinter dem Android-Betriebssystem, soll bei seinem Abgang 2014 – trotz schwerwiegender Vorwürfe sexueller Nötigung – noch lobende Worte und eine rund 90 Millionen Dollar schwere Abfindung erhalten haben (bento). Auch andere Führungskräfte soll Google geschützt haben. 

Das geht zu weit, finden die Google-Mitarbeiter und demonstrieren weltweit.

Wogegen demonstrieren die Google-Mitarbeiter genau?

Tausende Google-Mitarbeiter haben aus Protest gegen Missstände wie Sexismus, Rassismus und Machtmissbrauch durch Führungskräfte am Donnerstag zeitweise die Arbeit niedergelegt. 

Für einen echten Wandel

...wolle man protestieren, verkündeten die Organisatoren der Aktion. 

Die Mitarbeiter verabredeten sich unter dem Hashtag #GoogleWalkout, jeweils um 11.10 Uhr Ortszeit ihre Büros zu verlassen. Die Protestwelle zog sich um die ganze Welt – von Asien über Europa bis nach Nordamerika. Die Teilnehmer forderten mehr Gleichberechtigung.

Bei vielen Angestellten hat sich Frust aufgestaut, nach den jüngsten Medienberichten über die Vorwürfe sexueller Belästigung und den zweifelhaften Umgang ihres Unternehmens damit.  Auf Transparenten machten die Protestierenden ihrem Ärger Luft:

Ich arbeite jeden Tag hart, damit sich mein Unternehmen leisten kann, einem Manager 90 Millionen Dollar zu zahlen, der meine Kolleginnen sexuell belästigt.
Protestschild

Bei der Kundgebung vor der New Yorker Google-Zentrale hielten Mitarbeiter Schilder hoch mit Slogans wie: 

Arbeiterrechte sind auch Frauenrechte!

Immer wieder tauchte das alte Firmenmotto auf den Schildern auf:

Don't be evil.
(Tu nichts Böses.)

Was sagt Google zu den Vorwürfen?

In einem Statement sicherte Google-Chef Sundar Pichai allen Mitarbeitern, die sich an den Aktionen beteiligen, Unterstützung zu. Bei den Einwänden der Angestellten handele es sich um "konstruktive Ideen", wie die Richtlinien und Prozesse im Konzern verbessert werden könnten. Man werde sich mit diesem Feedback auseinandersetzen. 

In jedem Fall machen die weltweiten Proteste und Kundgebungen der Google-Mitarbeiter eines sehr deutlich: 

Beim Thema Gleichberechtigung haben auch die großen US-Tech-Konzerne, die sich gern als innovative und integrative Weltverbesserer darstellen, noch großen Nachholbedarf. 


Streaming

Warum Netflix jetzt manche Filme zuerst ins Kino bringt
Allzu lange müssen Streamer aber nicht warten.

Netflix drängt gerade ins Filmgeschäft wie nie zuvor. Mit eigenen Produktionen namhafter Regisseure greift der Streaming-Gigant nach wichtigen Awards – und hat mit einem Film sogar gute Chancen auf einen Oscar. Doch um die Aussichten darauf zu erhöhen, veröffentlicht Netflix jetzt erstmals Eigenproduktionen exklusiv auf der Kino-Leinwand – und dann ein paar Wochen später online.

Was hat Netflix vor?

Es geht aktuell um drei Filme, die in den nächsten Monaten erscheinen werden:

  • Einer davon ist "Roma" von Alfonso Cuarón, der schon mit "Gravity" 2014 einen Oscar als bester Regisseur abräumen konnte. "Roma" wurde bereits bei den Filmfestspielen von Venedig als bester Film ausgezeichnet und gilt schon jetzt als Kandidat für eine Nominierung als bester Film bei den Oscars. (Deadline)
  • Neben "Roma" will Netflix auch "The Ballad of Buster Scruggs" von den Coen-Brüdern zuerst in die Kinos bringen.
  • Außerdem soll auch der Film "Bird Box" mit Sandra Bullock in der Hauptrolle zuerst auf der Leinwand erscheinen, noch bevor er auf Netflix zu sehen sein wird.

Wann sollen die Filme ins Kino kommen?

Das ist noch nicht ganz klar. Es kann aber nicht mehr lange dauern, denn die Termine für die Netflix-Veröffentlichungen stehen schon fest: "The Ballad of Buster Scruggs" soll bereits am 16. November auf Netflix erscheinen, auch die anderen beiden Filme gibt es schon im Dezember beim Streamingdienst.