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Klären wir das – ein für alle Mal!

Schon bei dem Gedanken an dieses Geräusch läuft es mir kalt den Rücken runter: Wenn neben mir jemand mit den Fingern knackt, dann startet mein Kopfkino. Ich sehe regelrecht vor mir, wie das Gelenk aus seiner Fassung springt, der Finger im nächsten Moment ausgekugelt ist.

Aber viele Menschen behaupten, sich dabei zu entspannen - und ihre Finger auch. Ist da was dran? Oder kann dabei wirklich etwas passieren? Wir haben nachgefragt: bei Dr. Johannes Flechtenmacher, Präsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Was passiert überhaupt, wenn Finger knacken?

"Es gibt verschiedene Theorien dazu, wie das Knackgeräusch entsteht", sagt Dr. Flechtenmacher. "Vermutlich ist es so, dass es zu einer Ausdehnung der Flüssigkeit im Gelenk kommt. Dabei entsteht ein Gas, das kurz darauf zurück in die Flüssigkeit gezogen wird – und dieser Vorgang erzeugt ein Geräusch. Es ist ein Unterdruck, der aufgelöst wird, wodurch es knackt." 

Klären wir das – ein für alle Mal

In dieser Rubrik beantworten wir kleine Fragen des Alltags. Wenn du auch gerne eine beantwortet hättest, schreib uns an fuehlen@bento.de.

Das geht übrigens nicht nur mit den Fingern: Manche Menschen erzeugen diese Geräusche auch mit dem Hals oder der Schulter.

Warum machen Menschen das?

Hat das Knacken denn einen angenehmen Effekt? "Medizinisch gesehen hat das Knacken mit den Fingern überhaupt keine positive Wirkung“, erklärt Flechtenmacher. "Das ist einfach eine schlechte Angewohnheit." Manche Menschen kratzen sich ständig oder kauen an den Fingernägeln, andere haben das dringende Bedürfnis, die Knacklaute zu erzeugen. "Man versucht damit, sich psychisch zu entlasten“, sagt der Arzt. "Aber die Finger werden dadurch nicht entspannt.“ 

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Ist das Fingerknacken gefährlich?

"Es richtet keinen direkten Schaden an“, sagt Flechtenmacher. "Das gilt zumindest für die Finger: Die Gelenke dort sind durch mehrere Bänder stabiler als beispielsweise ein Halsgelenk. Die Halswirbelsäule hat einen schweren Kopf zu tragen, dort kann es durch das Knacken zu Instabilitäten kommen.“ Dort sollte man das Knacken also erst recht lassen. Aber auch an den Fingern rät der Experte davon ab: "Das Fingerknacken ist eine unnatürliche Belastung der Gelenke, deshalb sollte man es sich unbedingt abgewöhnen.“

Immerhin: Man kann das Knackgeräusch nicht ununterbrochen erzeugen, der Körper sorgt für natürliche Pausen dazwischen: "Wenn es einmal geknackt hat, muss man erst wieder das Gas entstehen lassen, das dauert einen Moment. Man kann die Finger also nicht alle zwei Sekunden knacken lassen."

Was steckt dahinter, wenn Gelenke von selbst knacken?

Wenn es beim Aufstehen oder beim Sport in den Gelenken knackt, dann ist sofort der erste Gedanke: "Ich werde alt." Was passiert dabei im Körper? Und ist es wirklich ein Zeichen dafür, dass die besten Jahre vorbei sind? "Bei dieser Art des Knackens springen meistens Sehnen über Knochenabsätze", sagt Flechtenmacher. "Das ist ganz normal und passiert natürlicherweise – und mit dem Alter hat das nichts zu tun."

Und wie ist es, wenn man ein Gelenk ab und zu mal knacken lässt, weil es sich verspannt anfühlt?

Dieses Phänomen kennen vermutlich viele von uns: In Hand oder Fuß fühlt es sich irgendwie komisch an, ein Knacken scheint alles zu lösen. Ist auch das nur Einbildung? "An den Extremitäten gibt es so viele Gelenke, da können sich schon mal Sehnen verhaken", erklärt Flechtenmacher. "Wenn man das zum Beispiel am Fuß spürt, kann man es durch etwas Bewegung lösen. Man hört ein leises Knacken und spürt, dass es sich entspannt." Das Gefühl hat also einen Grund – und die Erleichterung durchs Knacken ist unproblematisch.

Steigt durch das Fingerknacken das Risiko für Gelenkerkrankungen?

Wer im Internet herausfinden will, welche Krankheiten durch das Fingerknacken ausgelöst werden können, stößt natürlich auf verschiedenste dramatische Theorien: Das Rheuma-Risiko könnte steigen, die Gefahr von Arthrose oder Gicht erhöht werden – was ist dran? "Es gibt keine Krankheiten, die durch das Knacken mit den Fingern ausgelöst werden“, stellt der Orthopäde klar. "Rheuma zum Beispiel ist eine immunologisch bedingte Erkrankung, damit hat das Fingerknacken nichts zu tun.“ 


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