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Inwieweit kann man eine Frau für die Taten ihres Mannes verantwortlich machen?

Wie geht man damit um, wenn der eigene Partner Dutzende Frauen bedrängt, sexuell belästigt und vergewaltigt haben soll? Wie blickt man in die Zukunft? Auch in die der gemeinsamen Kinder?

Georgina Chapman ist die Noch-Ehefrau von Filmproduzent Harvey Weinstein, dessen Vergehen die weltweite #MeToo-Debatte auslöste. 

Sie selbst ist Designerin und führt zusammen mit Keren Craig das Modelabel Marchesa

Bevor im Oktober 2017 die Vorwürfe gegen ihren Mann öffentlich wurden, waren die Kleider von Marchesa oft auf den roten Teppichen Hollywoods zu sehen. Danach nicht mehr, denn niemand wollte mehr mit Weinstein in Verbindung gebracht werden – auch nicht über die Kleider seiner Frau. Chapman hatte ihren Mann kurz nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe verlassen, die Scheidung läuft.

Jetzt hat Georgina Chapman ihr erstes Interview gegeben.

Der amerikanischen Vogue versicherte sie, absolut nichts von den Taten ihres Mannes geahnt zu haben.

Die 6 spannendsten Aussagen aus dem Interview:

  • Hat sie noch Kontakt zu Weinstein?

Ja, wegen der Scheidung, der Finanzen und der Kinder haben die beiden noch regelmäßig Kontakt. Darauf angesprochen, ob sie etwas darüber sagen könne, was in ihm vorgehe, antwortete sie: "Nicht wirklich. Selbst als ich mit ihm verheiratet war, wusste ich nicht, was in ihm vorgeht, also bin ich da wahrscheinlich nicht der beste Ansprechpartner."

  • Warum war sie so lange von der Bildfläche verschwunden?

"Ich fühlte mich so gedemütigt und kaputt. Ich hätte es respektlos gefunden auszugehen. Ich dachte, wer bin ich, dass ich hier herumstolziere, während all das hier los ist."

  • Wie hat sie die Vorwürfe gegen ihren Mann aufgenommen?

"Mein Kopf drehte sich. Und es war schwierig, weil der erste Artikel von einer Zeit handelte, lange bevor ich ihn überhaupt kennengelernt hatte, also dauerte es etwas, bis ich eine informierte Entscheidung treffen konnte. Und dann weiteten sich die Geschichten aus und ich erkannte, dass dies kein Einzelfall war. Ich wusste, dass ich gehen und die Kinder hier rausholen musste."

  • Wie haben sich die beiden ineinander verliebt?

"Er ist charismatisch. Er ist ein unglaublich aufgeweckter, sehr gelehrter Mann. Und sehr großzügig. Er unterstütze die Mutter einer Freundin von mir, die Brustkrebs hatte, damit sie zu einem Top-Arzt gehen konnte. Er war so erstaunlich. Er ist so erstaunlich. Das ist der schwierige Teil davon... dieses Schwarz-Weiß-Ding... Das Leben ist nicht so." 

"Er war ein wunderbarer Partner für mich. Er war ein Freund und ein Vertrauter und hat mich unterstützt."

  • Hat Weinstein ihre Marke gepusht und Prominente dazu gedrängt, ihre Kleider zu tragen?

Das hat Reporter Jonathan van Meter Chapman selbst anscheinend nicht gefragt. Aber er hat in ihrem Bekanntenkreis nachgefragt. 

Ein Freund von Chapman, der Schriftsteller Neil Gaiman, sagt dazu: "Sie wurden definitiv von Harvey gepusht. Aber man kann nichts hypen, wo nichts ist. Harveys Unterstützung hat funktioniert, weil George [Georgina Chapmans Spitzname, Anm. d. Red.] eine Künstlerin ist. Ich habe sie bei der Arbeit beobachtet und war beeindruckt und fasziniert. Sie hat eine Vision und sie ist wirklich gut darin."

  • Wie konnte sie nichts davon geahnt haben, wie Harvey Weinstein in der Zeit ihrer Ehe seine Macht missbrauchte?

Dazu sagt Chapman selbst nichts im Interview. Doch van Meter fragt in ihrem Freundeskreis nach. Es wird immer wieder bestätigt, dass ihre Freunde ihr glauben, nichts von den Taten ihres Mannes gewusst zu haben. 

Model und Sängerin Karen Elson sagt: "Was mich am meisten verletzt, ist es, wenn jemand herausfindet, dass ich George kenne, dann ist das erste, was sie sagen 'Sie muss es gewusst haben'. Als ob sie irgendwie für sein abscheuliches Verhalten verantwortlich wäre. Wenn ich sage: 'Nun, eigentlich wusste sie es nicht', wird es zu diesem anderen Urteil: 'Wie konnte sie es nicht wissen?' Oder: 'Nun, dann ist es ihre Schuld, wenn sie es nicht wusste.' Es ist so kompliziert."

Wie stehen die Promis in Hollywood zu Chapman?

Schauspielerin Scarlett Johansson und Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour scheinen an ihre Unschuld zu glauben.  

Denn bei der MET-Gala vor wenigen Tagen trug Schauspielerin Johansson plötzlich wieder ein Marchesa-Kleid. (SPIEGEL ONLINE) "Ich habe Marchesa getragen, weil sich Frauen in den Kleidern selbstbewusst und schön fühlen, und es ist mir eine Freude, eine Marke zu unterstützen, die von zwei unfassbar talentierten und wichtigen weiblichen Designern gegründet wurde", sagte Johansson darauf angesprochen.

Anna Wintour lobte diesen Auftritt einige Tage später in der TV-Show von Stephen Colbert (YouTube) und veröffentlichte in der neu erschienenen Juni-Ausgabe der Vogue ein Statement, in dem sie schreibt, dass sie Chapman schon seit vielen Jahre kenne und absolut davon überzeugt sei, dass sie nichts von den Taten ihres Mannes gewusst habe und dass es daher "falsch" sei, in ihr eine Schuldige zu sehen.


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