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Die Ergebnisse der "Neon"-Umfrage

Wie sieht das Leben der 18- bis 35-Jährigen im Jahr 2017 aus? Wie groß ist unsere Angst vor Terror? Welche Partei vertritt unsere Themen? Die "Neon" wollte das herausfinden – schließlich ist dieses Jahr ein besonderes, unsere Stimme ist gefragt bei der Bundestagswahl im September. (Neon, Bezahlartikel)

Wir haben uns die Ergebnisse angeguckt. 

Erste Erkenntnis: Wochenenden sind eher für den Partner als für Partys da. Zweite Erkenntnis: Parteien haben ein echtes Problem, uns zu erreichen.

Parteien

Die "Neon" wollte wissen: Welche Partei vertritt deine Interessen derzeit am ehesten? Die wichtigste Erkenntnis: Am größten ist die Gruppe derer, die sich von keiner Partei richtig vertreten fühlen (24 Prozent), 13 Prozent machten keine Angaben. 

Jeweils 16 Prozent sehen ihre politischen Interessen von CDU/CSU und SPD widergespiegelt. Darauf folgt dann auch schon die AfD mit 10 Prozent. Die Grünen kommen auf 8 Prozent, die Linke auf 6, die FDP auf 3 und andere auf 5 Prozent.

Wie aussagekräftig ist das?

  • Vor gut einem halben Jahr hat SPIEGEL ONLINE ausgewertet, wie junge Menschen bei der Bundestagswahl abstimmen würden. Dort erreichte die AfD bei den 18- is 29-Jährigen lediglich 5,1 Prozent, bei den 30- bis 39-Jährigen kam die Partei auf 8,9 Prozent. Befragt wurden hier 6897 Menschen, also fast sieben Mal so viele wie von der Neon. Insgesamt liegt die AfD laut der aktuellsten Umfragen von Anfang Juni bei etwa 8 Prozent. (SPIEGEL ONLINE)
  • Wenn sich so viele junge Menschen nicht von den Parteien angesprochen fühlen, ist die Gefahr groß, dass sie erst gar nicht wählen gehen. Bei der vergangenen Landtagswahl in NRW waren die Nichtwähler die größte Gruppe (bento). 
Angst vor Terror

45 Prozent haben laut der Neon-Umfrage Angst, Opfer eines Terroranschlags zu werden. Bei den Männern sind es 36 Prozent, 54 bei den Frauen. 

Aber hat das auch Auswirkungen auf das Verhalten im Alltag? Bei knapp einem Drittel derer, die Angst haben, ja. 75 Prozent von ihnen vermeiden Massenveranstaltungen, 37 Prozent bleiben häufiger ganz zu Hause. 

Flüchtlinge

Den Befragten wurden einige Aussagen zu Flüchtlingen vorgelegt. Sie sollten sagen, welchen davon sie zustimmen. Dabei zeigt sich, wie weit die Meinungen auseinander gehen. 

Einerseits wird Skepsis deutlich:

  • 57 Prozent stimmen der Aussage zu, das es eine feste Obergrenze pro Jahr für Flüchtlinge geben soll.
  • 51 Prozent bejahen, dass durch Flüchtlinge die Kriminalität steigt.
  • 53 sagen, dass durch die große Zuwanderung ihr Bedürfnis an Sicherheit gestiegen ist.

Die Zustimmung zu den positiven Aussagen fällt geringer aus:

  • 42 Prozent sagen, dass Flüchtlinge zur Vielfalt der Gesellschaft beitragen.
  • 41 stimmen zu, dass Deutschland eine Verantwortung trägt, Flüchtlingen zu helfen.
Schulz-Hype

Die schlechten Ergebnisse für die SPD bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein, dem Saarland und in Nordrhein-Westfalen lassen vermuten, dass der Hype um Martin Schulz wieder abgeflacht ist. Die 1000 Teilnehmer der "Neon"-Umfrage sind zu einem großen Teil aber von ihm überzeugt. 35 Prozent würden ihn gern im Amt des Bundeskanzlers sehen, bei Angela Merkel sind es 33 Prozent, 32 Prozent gefällt keiner von beiden. 

Allerdings schwanken diese Werte bis zur Bundestagswahl. Die "Neon" schreibt nicht, zu welchem Zeitpunkt die Umfrage durchgeführt wurde.

Freizeit

Wer glaubt, wir 18- bis 35-Jährigen machen viel Party, irrt. 

Wie sieht der perfekte Samstagabend aus, sollten die Befragten beantworten. 46 Prozent gaben an, den Abend am liebsten mit ihrem Partner zu verbringen. 40 Prozent lesen gern, schauen fern, sitzen vor dem Computer oder Smartphone. 24 Prozent gehen gern ins Kino, Theater oder auf ein Konzert, 21 Prozent gehen mit Freunden in Clubs und Bars, 21 Prozent treffen sich gern mit Freunden zum Kochen, 19 Prozent sind froh, wenn sie ihre Ruhe haben und früh ins Bett kommen. 

Bei dieser Frage ist nicht klar, ob es noch weitere Alternativen gab. Außerdem liegt die Vermutung nah, dass es eine große Diskrepanz zwischen den 18-jährigen Befragten und den 35-Jährigen gibt.

Die "Neon"-Umfrage

  • Mit 1000 Teilnehmern gilt die Umfrage, die das Forschungsinstitut Mindline für die "Neon" durchgeführt hat, als repräsentativ und statistisch signifikant. Man sollte allerdings beachten, dass es zwischen 18- und 35-Jährigen viele Unterschiede gibt: Der 18-Jährige hat vielleicht gerade eine Ausbildung oder ein Studium begonnen, die 35-Jährige denkt vielleicht schon an das zweite Kind. Die Prioritäten liegen hier weit auseinander.
  • Die "Neon" gibt viele Details über die Befragten nicht an, zum Beispiel ob sie in der Stadt oder auf dem Land wohnen, oder welche Ausbildung sie genossen haben.
  • Bei vielen Fragen ist nicht klar, wie viele Antwortmöglichkeiten es gab oder wie viele Mehrfachnennungen möglich waren.
Karriere

... nehmen die meisten ernst, aber auch nicht zu ernst. 21 Prozent der Befragten ist die Karriere "sehr wichtig", 51 Prozent ist sie "wichtig", 22 Prozent "weniger wichtig" und 6 Prozent ist sie "unwichtig". 

Und was trägt zur Zufriedenheit bei? Die "Neon" fragte konkret, was den 18- bis 35-Jährigen bei der Arbeit wichtig ist.

43 Prozent ist gute Bezahlung wichtig, 28 Prozent ein sicherer Arbeitsplatz, gute Stimmung und nette Kollegen kommen auf 26 Prozent, Spaß und die Nähe zum Wohnort kommen mit jeweils 17 Prozent an Position vier, flexible Arbeitszeiten halten 13 Prozent für besonders wichtig, geregelte Arbeitszeiten 12 Prozent und Selbstverwirklichung kommt auf 9 Prozent. 

  • Eine Umfrage des Bundesarbeitsministeriums unter rund 5000 Beschäftigten aus dem Jahr 2015 kommt zu einem anderen Ergebnis – dort wurden allerdings nicht nur junge Menschen befragt.

Die "Sicherheit des Beschäftigungsverhältnisses" erreicht dabei 93 von 100 möglichen Punkten, danach folgte der Wunsch nach einem unbefristeten Arbeitsverhältnis mit 92 Punkten. Ein guter Lohn kommt erst an Platz drei mit 91 Prozent. (Welt Online)

Was ist jungen Menschen wichtig?

Auch wir bei bento haben 18- bis 30-Jährige dazu befragt, was ihnen im Leben wichtig ist:

  • Klar an erster Stelle: Gesundheit, mit 80 Prozent der Befragten. 
  • Fast ebenso wichtig ist finanzielle Unabhängigkeit (71 Prozent), wobei es dabei wohl um eine Art Grundsicherung geht - also eher um die ersten 50.000 Euro Jahresgehalt als um die zweiten. 
  • Ebenfalls weit vorn auf der Liste: BildungFrieden. Und, mit 65 Prozent auf Platz drei: eine eigene Familie zu haben.   
  • Reichtum an sich (44 Prozent), Karriere (40 Prozent) und Statussymbole wie Smartphone (20 Prozent) oder ein eigenes Auto (19) fanden viele weniger wichtig. 
Beziehung

62 Prozent der Befragten sind gerade in einer festen Beziehung, 35 nicht, 2 Prozent machten keine Angaben. Verheiratet sind übrigens 76 Prozent, 23 Prozent nicht. 60 Prozent der Befragten gaben an, kein Online-Dating zu machen – das erklärt sich natürlich auch durch die vielen Befragten, die in einer Beziehung sind.

Die "Neon" schreibt: Wir sind zerrissen. Die einen haben Angst vor Fremdenhass, die anderen wollen weniger Flüchtlinge. Uns hält eigentlich nichts zusammen. Eine Umfrage wie ein typischer "Neon"-Text: Die einen so, die anderen so. Und am Ende dürfen alle selbst wählen.

Grün

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