Bild: Reuters / Joe Penney
Die sechs wichtigsten Fragen und Antworten.
Was ist passiert?
  • Mehrere schwer bewaffnete Angreifer haben am Freitagmorgen in Bamako, der Hauptstadt im Süden Malis, ein Radisson Blu-Hotel gestürmt und zwischenzeitlich bis zu 170 Geiseln genommen.
  • Inzwischen haben malische Sicherheitskräfte unterstützt von französischen und amerikanischen Spezialeinheiten die Geiselnahme gewaltsam beendet (SPIEGEL ONLINE).
  • Die genaue Zahl der Opfer ist noch unklar. Nach Angaben eines Uno-Vertreters wurden 27 Menschen getötet, darunter auch Geiseln. Mindestens zwei Angreifer der Angreifer sind nach Angaben aus Sicherheitskreisen tot (Süddeutsche).
  • Es befänden sich keine Geiseln mehr in der Hand der Kidnapper, gab der malische Innenminister Salif Traoré am Nachmittag bekannt. Offenbar hielten sich aber auch nach Befreiung der Geiseln noch Geiselnehmer im Hotel versteckt (Tagesschau).
(Bild: Reuters / Joe Penney)
Wie lief der Angriff ab?
  • Die Geiselnehmer fuhren mit einem gefälschten diplomatischen Autokennzeichen vor das Hotel und begannen, auf die Sicherheitsleute zu schießen. Offenbar benutzten sich auch Granaten (Guardian).
  • Sie riefen mehrmals "Allah ist groß" (Guardian, New York Times).
  • Die Angreifer drangen bis in die siebte Etage des Hotels vor. Dort nahmen sie anfangs 170 Menschen als Geiseln, 140 Gäste und 30 Mitarbeiter (Süddeutsche).
  • Offenbar haben die Täter diejenigen Geiseln freigelassen, die Koranverse zitieren konnten (SPIEGEL ONLINE).
(Bild: dpa)
Wer waren die Geiseln?
  • Das Hotel gilt als die luxuriöseste Unterkunft der Stadt. Die Gäste sind vor allem Diplomaten, ausländische Geschäftsleute und die Besatzungen von Fluggesellschaften (Süddeutsche).
  • Unter den Geiseln befanden sich anfangs auch vier Deutsche, sie haben das Hotel unverletzt verlassen können, gab Außenminister Frank-Walter Steinmeier bekannt (Tagesschau).
  • Außerdem waren unter den Geiseln offenbar türkische, indische, chinesische und belgische Staatsbürger (Süddeutsche).
  • Zudem hielten sich in dem Hotel zwölf Mitarbeiter der französischen Fluggesellschaft Air France auf, sie konnten nach Angaben des Unternehmens am Nachmittag befreit werden (Süddeutsche).
Wer sind die Täter?
  • Zu dem Attentat hat sich eine islamistische Gruppe bekannt, die dem Terrornetzwerk al-Qaida ideologisch nahesteht.
  • Al-Mourabitoun, übersetzt etwa "Die Wächter", will den Angriff organisiert haben. Die Gruppe soll eng mit der weit größeren Gruppe Ansar Dine zusammenarbeiten. Sie wird angeführt von Iyad Ag Ghali. SPIEGEL ONLINE beschreibt ihn als "ehemaligen Whisky-Trinker, Frauenheld und Schmuggler". Er soll die Geiselnahme mutmaßlich in Auftrag gegeben haben.
Iyad Ag Ghali(Bild: Reuters)
  • Die Süddeutsche Zeitung spekuliert über mögliche innenpolitische Hintergründe. Am Wochenende habe demnach Iyad Ag Ghali dazu aufgerufen, ein Friedensabkommen zwischen der Regierung Malis und den Tuareg-Rebellen zu torpedieren (Süddeutsche).


Wie ist die Situation in Mali?

Der Norden des Landes ist extrem unsicher, immer wieder verüben Islamisten dort Anschläge. Der Süden galt bis heute als relativ sicher.

Der Hintergrund:

  • Im Norden lehnt sich das Volk der Tuareg immer wieder gegen die Zentralregierung auf. Nach dem Sturz Gaddafis in Libyen kamen die Tuareg an neue Waffen und vertrieben die malische Armee aus dem Norden des Landes.
  • Eine radikal islamistische Gruppe unter Führung von Iyad Ag Ghali verdrängte allerdings die säkularen Kräfte und führte die Scharia ein.
  • 2013 befreite die ehemalige Kolonialmacht Frankreich die besetzten Städte in einer Militäraktion. Vollends besiegt sind die Islamisten bis heute nicht, sie haben sich nur zurückgezogen.
  • Inzwischen gibt es einen Friedensvertrag zwischen gemäßigten Tuareg-Rebellen und der malischen Regierung. Es ist dieser Friedensvertrag, gegen den sich Iyad Ag Ghali in der Audiobotschaft nach Informationen der Süddeutschen Zeitung stellte.
  • In Mali ist seit der Intervention Frankreichs eine internationale Friedenstruppe der Uno stationiert. Deutschland hat in dieser Woche seine Teilnahme an einer EU-Ausbildungsmission verlängert. 200 deutsche Soldaten trainieren die malische Armee und Polizei.
Was bedeutet die Geiselnahme für die Bundeswehr?
Es könnten bald mehr deutsche Soldaten nach Mali entsandt werden.
  • Außenminister Steinmeier erklärte am Freitag, der Angriff auf das Hotel zeige, "dass bis zu einer Stabilisierung Malis noch ein längerer Weg zu gehen ist und der islamistische Terrorismus in der Region noch nicht besiegt ist" (Tagesschau).
  • Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte nach den Terroranschlägen von Paris ohnehin geplant, den Bundeswehreinsatz in Mali auszuweiten. Damit soll Frankreich entlastet werden, das den Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak verstärkt.
  • Auch der Bundeswehrverband forderte am Freitag eine Entsendung von Kampftruppen nach Mali (SPIEGEL ONLINE).

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