Bild: bento

Es ist der Morgen nach den schweren Krawallen vom Freitagabend. Stundenlang wüteten schwarz vermummte Militante – Steine und Flaschen wurden geworfen, Baugerüste als Barrikaden errichtet und Geschäfte geplündert. Die Polizei kam an ihre Grenzen, brauchte schließlich Verstärkung von Spezialkräften.

Viele Bewohner der Schanze zogen sie sich in ihre Wohnungen zurück oder suchten Obdach bei Freunden. "Habt ihr diese Explosion gehört?", "Was machen die mit unserem Hamburg?" – wer in der Stadt lebt, bekam die ganze Nacht über solche Nachrichten über WhatsApp.

Am Samstagmorgen ist die Verwüstung überall zu sehen. Anwohner sind fassungslos. Viele beteiligen sich an den Aufräumarbeiten oder versuchen, die Situation in Gesprächen zu verarbeiten. Einige erzählen davon, wie Anwohner sich in der vergangenen Nacht dem Schwarzen Block in den Weg gestellt haben, wie sie versuchten, sie am Zerstören zu hindern.

Wir haben die Anwohner gefragt, wie sie die letzte Nacht empfunden haben.

Josefine, 29, und Lea, 31, wohnen in der Stresemanstraße:
(Bild: bento)

Wir sind die ganze Nacht in unserer Wohnung geblieben. Dass der Schwarze Block gerade das linksautonome Schanzenviertel zerteilt, hätten wir nicht gedacht. Was uns vor allem beschäftigt, ist der Hass gegen die Polizei. Auch das sind Menschen und was die alles über sich ergehen lassen müssen, ist niederschmetternd. Woher der Schwarze Block diese Gewaltbereitschaft nimmt, können wir nicht verstehen: Was hat das mit Demokratie zu tun?

Wir wollen, dass die sofort die Stadt verlassen!

Nico und Nele, beide 28, wohnhaft in der Rosenhofstraße
(Bild: bento)

Wir fuhren mit unseren Fahrrädern gegen 21 Uhr nach Hause. Was uns in der Schanze erwartete, hätten wir so nicht für möglich gehalten. Auf den Dächern saßen Menschen in schwarzer Kleidung. Autonome haben lachend Snickers verteilt, die sie im geplünderten Rewe geklaut hatten. Das Feuer vor der Roten Flora war ungefähr fünf Meter hoch. 

Als wir die Straße zum Schulterblatt runterfuhren, kamen uns mehrere Polizeieinheiten in Autos entgegen. Plötzlich sprangen ein Dutzend Anhänger des Schwarzen Blocks aus den Büschen und schmetterte riesige Steinblöcke und Pflastersteine in die Scheiben der Polizeiautos. Fast hätten wir auch etwas abbekommen.

Max und Marina, beide 26, kamen extra für die Aufräumarbeiten ins Schanzenviertel
(Bild: bento)

Wir haben die letzte Nacht gebannt vor dem Live-Stream verbracht und wollten das heute mit eigenen Augen sehen. Mittlerweile sieht es hier schon viel besser aus, alle packen an. Wir wollen uns morgen auch an der großen Aktion "Hamburg räumt auf" (hier geht's zur Veranstaltungsseite auf Facebook) beteiligen. 

Bei diesem Horror gerade, ist das das einzig Positive. 

Wir freuen uns, wenn diese Stadt ein Zeichen gegen diese Randalen setzt und sind dankbar für den großartigen Einsatz der Polizei.

Lea und Hannah, beide 20, wohnen auf dem Schulterblatt
(Bild: bento)

Die Leute waren sehr rücksichtslos, haben sich extra vor die Wasserwerfer gestellt. Die Stimmung war unglaublich eskalativ, wir hatten das Gefühl, alles kann passieren. Die Polizei wirkte auf uns lange zurückhaltend und überfordert. Die Situation war unberechenbar. 

Es war einfach nur grausam und wir haben die Wohnung nach den ersten Ausschreitungen nicht mehr verlassen. Wir versuchen heute, irgendwie aus dieser Stadt rauszukommen.

G20-Krawalle

Die Schanzen-Bewohnerinnen Lea und Hannah berichten von einer grausamen Nacht im Schanzenviertel.

Posted by bento on Samstag, 8. Juli 2017

Today

Randalierer, was bildet ihr euch ein?
Ihr seid nicht viele!

Randalierer,

ihr seid nicht viele. Nicht im Vergleich zu den Einwohnern dieser Stadt und auch nicht im Vergleich zu all denen, die friedlich ihre Meinung auf die Straße getragen haben. 

Ihr habt Hamburg trotzdem lahmgelegt. Eine Nacht, zwei Nächte, vielleicht drei Nächte. Ihr habt Autos abgefackelt, Supermärkte geplündert und Menschen verletzt. Ihr habt eine Spur der Verwüstung in Hamburg hinterlassen. Ich weiß nicht, ob euch das stolz macht. Ob ihr wirklich glaubt, damit irgendwie den Sturz des Kapitalismus voranzutreiben.