Bild: Kay Nietfeld/dpa
Drei Fragen zu dieser kuriosen Idee

Türsteher tragen zum Kultstatus einiger Klubs bei. Was wäre zum Beispiel das Berghain nur ohne Sven Marquardt? 

Wenn es nach dem CDU-Politiker Friedrich Merz geht, sollte die Politik allerdings darüber nachdenken, die Polizei demnächst für die Kontrolle der Klubtüren einzusetzen. Diese Idee deutete er auf der letzten CDU-Regionalkonferenz in Berlin an, als es um das Thema Innere Sicherheit ging. Merz bewirbt sich derzeit neben Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer um den CDU-Vorsitz.

Marquardt und Co. durch Polizisten ersetzen – wie kommt Merz auf die Idee?

In einer offenen Fragerunde ging es um Clan-Kriminalität in Berlin. Der stellvertretende Bezirksbürgermeister im Berliner Bezirk Neukölln, Falko Liecke, forderte, es brauche "vernünftige Konzepte", um den Clans entgegenzuwirken – und bat um Antworten. (Video der CDU-Konferenz ab 2:05:00)

Merz machte den Anfang: "Wir müssen klar machen, dass das Gewaltmonopol beim Staat liegt – und nur beim Staat liegt", sagte er zunächst allgemein. Andere Länder hätten das besser im Griff:

"Ich sag mal zum Beispiel diese Ganze in den Großstädten – vor den Discos, vor allem an den Wochenenden – diese Türsteher-Szene. Das ist der Schlüssel zur Eroberung von Stadtvierteln, und zur Eroberung von kriminellen Strukturen, da fängt es an. Da müssen wir uns die Frage stellen, ob das nicht mehr Aufgabe der Allgemeinen Polizei ist als irgendwelcher Clans, die da ihre eigenen Strukturen schaffen."

Ist er der Einzige mit dieser Idee?

Der Berliner Senat beschäftigt sich schon länger mit Kriminalität in Berliner Klubs – vor allem dem Drogenhandel. Der Berliner FDP-Abgeordnete Marcel Luthe ist der Überzeugung, dass Türsteher dabei eine wichtige Rolle spielten, indem sie Dealer in die Klubs ließen. Türsteher seien oft selbst Mitglieder der kriminellen Banden, behauptet Luthe gegenüber "Focus Online".

Er bemüht sich um ein Gesetz, dass Wirte dazu zwingt, sich lupenreine Führungszeugnisse ausstellen zu lassen, um Türsteher zu beschäftigen. Bei Security-Firmen sei das bereits der Fall, dass Türsteher nicht vorbestraft sein dürfen.

Gegenüber "Focus Online" sagte ein Polizeisprecher dazu: "Man kann zudem nicht einfach eine komplette Berufsgruppe unter Generalverdacht stellen." Das Türsteher-Problem sei der Polizei zwar bekannt. Die Tatsache, dass Türsteher grundsätzlich nicht mehr vorbestraft sein dürften, reiche zur Lösung des Problems aber nicht aus. Gegenüber bento wollte die Polizei am Wochenende nichts zu dem Thema sagen.

Bei Clan-Krinimalität geht es außerdem um noch weitaus mehr als den illegalen Drogenhandel und korrupte Türsteher. 

  • Im September wurde der Intensivstraftäter und das Clan-Mitglied Nidal R. in Berlin-Neukölln erschossen – am helligten Tag am Rande des Tempelhofer Felds neben einem Eiswagen und vor den Augen von Spaziergängern und Kindern. Der Fall ist immer noch ungeklärt. 
  • Sehr viel Aufsehen erregte der Diebstahl einer hundert Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum. Hier sollen Mitglieder des Remmo-Clans beteiligt gewesen sein. 

In dieser SPIEGEL-TV-Dokumentation erfährst du noch mehr über Clan-Kriminalität.

Und wie kam Merz' Vorschlag auf der Regionalkonferenz an?

Clan-Kriminalität ist ein umfangreiches Thema – Merz setzt mit seinem Türsteher-Vorschlag allerdings sehr im Kleinen an. Von den anwesenden CDU-Mitgliedern gab es auch nur verhaltenen Applaus, von Konkurrent Jens Spahn irritierte Blicke. Er ging zwar nicht weiter auf die Aussage von Merz ein – zum Thema Party und Sicherheitsgefühl sagte er nur später:

"Der, der morgens um sieben das Berghain verlässt, und vielleicht ein linker Partyhedonist ist, möchte in der U-Bahn sicher sein und nicht belästigt oder irgendwie ausgeraubt werden."

So viel steht schon mal fest. 


Gerechtigkeit

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Für ihre letzte Regionalkonferenz hat sich die CDU einen Ort ausgesucht, der eigentlich gar nicht zu ihr passt. Sonnenallee, Berlin Neukölln, Sinnbild für Multikulti, von einigen CDUlern gerne mal als "No-Go-Area" verschrien.

Daher fallen sie auch auf, die sechs Frauen mittleren Alters, die ihre Rollkoffer hektisch durch den Berliner Novemberregen ziehen. Sie führen einen direkt zu den Christdemokraten.