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Wir haben mit einer Fußballexpertin gesprochen

Sie hat 146 Tore in 296 Bundesligaspielen geschossen und olympisches Gold gewonnen. Auf Vereinsebene konnte sie sechsmal den Pokalsieg feiern, ist fünfmal deutscher Meister geworden und zweifache Championsleague-Siegerin.

Trotzdem kennen nur wenige ihren Namen: Alexandra Popp.

"Weißt du eigentlich wie ich heiße?", fragt die VfL-Wolfsburg-Stürmerin die Zuschauerinnen und Zuschauer am Anfang eines neuen Werbespots der Commerzbank, der offiziellen Partnerin des Deutschen Fußballbunds (DFB).

Eine Sportlerin, die derartiges erreicht hat, sollte sich im Werbespot einer Bank eigentlich nicht vorstellen müssen - muss sie aber doch.

Anfang Juni beginnt in Frankreich die Fußball-WM der Frauen. Gestern wurde der Kader bekanntgegeben, den Trainerin Martina Voss-Tecklenburg nominiert hat.

Bei der Herren-WM im letzten Jahr dominierte der mögliche Kader schon Monate im Vorfeld die Medien. Über die Bekanntgabe wurde groß berichtet. Bei den Frauen ist sie vielen Zeitungen und Nachrichtenportalen nur eine Randnotiz wert. Dabei hat die deutsche Frauen-Nationalmannschaft acht von zwölf ausgetragenen Europameisterschaften gewonnen und ist zweimaliger Weltmeister.

Jetzt soll also die Werbung eines Sponsors für Aufmerksamkeit sorgen. Der Spot beginnt energisch. "Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt", sagt die Werbestimme. Seit es das Nationalteam gebe, würden Frauen nicht nur gegen Gegnerinnen antreten, sondern auch gegen Vorurteile.

Aber: Die Spielerinnen bräuchten keine Eier. Sie hätten ja Pferdeschwänze. Das Video ist kurzweilig, kreativ, lustig und als Zuschauer fühlt man sich schnell ertappt. Der Spot endet mit den Worten: "Du musst dir unsere Gesichter nicht merken - nur was wir wollen: spielen".

Wir haben die Journalistin Tamara Keller gefragt, was sie vom Commerzbank-Spot hält. Sie spielte selbst lange Fußball und ist Teil des Podcast-Kollektivs "Frauen reden über Fußball".

Wie findest du den feministischen Commerzbank-Spot?

Sehr gut. Er macht auf humoristische Weise deutlich, dass die Wahrnehmung von Frauenfußball in Deutschland momentan nicht zeitgemäß ist. Der Satz am Ende transportiert allerdings die falsche Botschaft.

Da heißt es, es gehe nicht um Gesichter, sondern ums Spiel. Das ist doch eine starke Botschaft?

Ich denke schon, dass die Menschen sich die Gesichter der Nationalspielerinnen merken sollten. Sonst passiert nämlich wieder so etwas wie vor ein paar Wochen. Da wurden Texte über die  Torhüterin Almuth Schult in vielen Medien mit einem Bild von ihrem Ersatz Carina Schlüter versehen. Der Fehler entstand zwar bei der Bildagentur, dass er jedoch keinem Journalisten auffiel, ist bezeichnend für das Desinteresse in der Branche.

Wie erklärst du dir das?

Das ist eine Art Teufelskreis. Frauen hatten in Deutschland lange keine Möglichkeit Fußball zu spielen. Der Deutsche Fußballbund hatte seinen Vereinen sogar zwischenzeitlich verboten, Frauenfußball anzubieten. Erst seit Anfang der Neunzigerjahre gibt es eine offizielle Struktur. Die Medien fanden es, trotz der großen Erfolge der Nationalmannschaft, nie wichtig ausführlich über Frauenfußball zu berichten.

Du sagst: in Deutschland. Ist das in anderen Ländern denn anders?

Auf jeden Fall. Vor allem beim Marketing vonseiten der Verbände. In England wurde der Kader für die WM beispielsweise von Prominenten bekanntgegeben: David Beckham, Ellie Goulding, James Corden und andere Superstars haben in kleinen Videos persönliche Botschaften an die nominierten Spielerinnen gesendet. Prinz William hat mitgemacht und das Video auf seiner offiziellen Twitter-Seite geteilt. Das erreicht auch die Leute, die sich eigentlich nicht für Frauenfußball interessieren.

Was müsste sich denn ändern, damit Frauenfußball hier auch akzeptiert wird?

Der DFB sollte mehr Werbung für Frauenfußball machen. Würde man heute eine Straßenumfrage machen, würden wahrscheinlich die wenigsten wissen, dass die WM vor der Tür steht. Ich finde das traurig. Und wenn mehrere Spielerinnen sich trauen würden gegen den DFB ihre Stimme zu erheben, würde das auch helfen. So wie Almuth Schult vor dem Pokal-Finalspiel dieses Jahr.  (Spiegel Online)

Und dann wird Frauenfußball irgendwann so erfolgreich wie Männerfußball?

Die Leute müssen verstehen: Frauenfußball wird sportlich immer anders funktionieren als Männerfußball. Minderwertig ist er dadurch aber nicht.

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