Die Moral von der Geschicht: Verschenk die Rechte an deinen Fotos nicht.

Das in der Mitte ist Shubnum Khan.

(Bild: Screenshot bento)

Shubnum kommt aus Südafrika, sie ist Autorin, hat bereits ein Buch veröffentlicht, außerdem ist sie Illustratorin, auf Instagram veröffentlicht sie ihre Zeichnungen.

Im Internet, auf Werbetafeln und in Zeitschriften sieht man immer wieder Shubnums Gesicht. Aber nicht, weil sie für ihre Bücher oder ihre Kunst wirbt, oder in Interviews über diese spricht. 

Sondern weil Shabnam unfreiwillig zum Werbegesicht für alle möglichen Produkte wurde.

Wie es dazu kam, erzählte Shubnum nun in einer langen Reihe von Beiträgen auf Twitter. Denn sie möchte andere warnen – damit nicht noch mehr Menschen eines Tages feststellen müssen, dass ihr Gesicht für Dinge verwendet wird, mit denen sie überhaupt nichts zu tun haben wollen.

Aber der Reihe nach.

Ihren ersten Tweet beginnt Shubnum so:

Heute werde ich euch die Geschichte erzählen, wie mein Gesicht auf einer McDonald’s-Werbung in China landete – ein Lehrstück.

Sie erzählt, wie sie vor sechs Jahren eher zufällig von der Sache Wind bekam. Eine Freundin, die gerade in Kanada war, schickte ihr ein Bild von einer Werbeanzeige für Immigration in Kanada. Darauf zu sehen: Shubnum.

Zunächst sei sie verwirrt gewesen. Bis ein anderer Freund den entscheidenden Hinweis gab: Vor ein paar Jahren hatten sie nämlich an einem kostenfreien Fotoshooting teilgenommen. "Das 100-Gesichter-Shooting" hieß das Projekt, der Fotograf versprach den Models im Gegenzug für ihre Teilnahme professionelle Fotos. 

"Ich und meine jungen Freunde waren begeistert", erinnert sich Shubnum. Und deshalb unterschrieben sie auch sofort die Einverständniserklärung, die er ihnen vorlegte – damit er die Bilder in seinem Portfolio verwenden konnte. Dachte Shubnum.

Tatsächlich ging es in der Erklärung aber um viel mehr.

Wir haben das Kleingedruckte nicht gelesen. Ich weiß. Es war dumm.

Shubnum kontaktierte sofort den Fotografen – und der hatte wenig erfreuliche Nachrichten. Die Fotografierten hätten alle Rechte an ihren Bildern abgetreten. Er verwende sie jetzt als Stock-Fotos, also vorproduzierte Bilder, die jeder kaufen und für verschiedenste Zwecke verwenden kann.

Die kanadische Einwanderungs-Werbung war also nur die Spitze des Eisbergs. Shubnum wollte wissen, für was ihr Gesicht noch alles verwendet wurde. Sie begann eine umgekehrte Google-Suche, bei der sie nach ihrem Foto suchte. Und wurde mehr als fündig.

Wie es scheint, verkaufe ich ALLES!

"Wenn ich nicht gerade Immigranten in Kanada willkommen heiße, verkaufe ich Teppiche in New York, führe Wanderungen in Kambodscha oder suche in Frankreich die große Liebe," stellt sie fest.

Hier zum Beispiel wirbt sie für Betäubungen beim Zahnarzt.

In der Slideshow siehst du, wo Shubnums Gesicht noch überall auftauchte:

Hier ist sie eine Frau, die ihre Tränensäcke loswerden will.
Oder auch Schwangerschaftsflecken.
Oder aber die zu stark pigmentierte Haut.
Auch auf Buch- und Zeitschriftencover hat sie es gebracht.
Und immer wieder ist sie das Werbegesicht für Einwanderung.
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Besonders geschockt ist sie, als sie bemerkt, dass ihr manchmal sogar eine völlig neue Identität angedichtet wird. Auf einer Website wird sie als Lehrerin für Kinder vorgestellt – mit einem fremden Namen daneben.

Wer ist dann wirklich bei diesen Kindern?

Auch ihre Herkunft variiert:

"Ich bin Seng Bonny und führe Touren in Kambodscha, Phoebe Lopez aus San Francisco, Kelsi aus San Francisco, Chandra aus Kalifornien, Christine von der Latrobe Uni, Dina M. usw."

Auch dazu habe sie sich in ihrer Einverständniserklärung bereiterklärt, informiert sie der Fotograf. Sie habe ihm darin das Recht erteilt, ihre Bilder und auch ihre Persönlichkeit zu verzerren.

Und spätestens an diesem Punkt merkt man: So witzig ist das alles eigentlich gar nicht.

Das ist auch Shubnum irgendwann klar geworden. 

Lange Zeit, schreibt sie, habe sie über das Ereignis lachen können. Auf Partys sei es eine tolle Geschichte, und es sei schon auch irgendwie witzig, in irgendeinem wahllosen McDonald’s in China auf einmal das eigene Gesicht zu sehen.

Aber eigentlich sei sie schlichtweg verarscht worden.

Ich kann jetzt sehen, wie leicht wir alle benutzt wurden – eine Galerie von gratis Fotos, die dieser Fotograf verkaufen konnte, und wir verdienen nicht einen Cent mit all den Dingen, für die WIR werben.

Und wie es scheint, ist Shubnum nicht die einzige, mit deren Bild der Fotograf Geld verdient. Auf ihre Posts meldet sich ein Mann, der angibt, bei demselben Fotoshooting mitgemacht zu haben. Auch er ist der Meinung, dass er damals nicht korrekt aufgeklärt wurde – und sammelt ebenfalls Fälle, wo sein Bild überall unerwartet auftaucht. 

Zusätzlich zum finanziellen Aspekt sieht Shubnum die ganze Geschichte außerdem als Beispiel dafür, wie viel in Medien und Werbung manipuliert wird, wie "verstörend trügerisch" alles sei.

"Diese Erfahrungsberichte sind fake, diese Anzeigen sind fake. Dein Touristenführer, dein Tutor und deine zukünftige Braut könnten allesamt einfach nur irgendeine Studentin sein, die in einer Kleinstadt in Südafrika lebt und nicht weiß, für was ihr Bild benutzt wird."

Ihre Tweets beendet sie deshalb mit einem Appell: Immer aufmerksam durchlesen, was man unterschreibt. Und niemals an einem gratis Fotoshooting teilnehmen.

Seid clever. Seid aufmerksam. Lasst euch nicht reinlegen.

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Peter Scholze ist erst 30 – und hat eben den Nobelpreis der Mathematik gewonnen
Als das letzte Mal ein Deutscher gewann, war Peter noch gar nicht geboren.

Endlich hat es geklappt: Dank Peter Scholze, 30, von der Universität Bonn bekommt Deutschland seine zweite Fields-Medaille. 1986 hatte Gerd Faltings sie als erster Deutscher gewonnen. Der Preis gilt als höchste Auszeichnung für Mathematiker und wird nur alle vier Jahre verliehen. Er wird inoffiziell auch Nobelpreis für Mathematik genannt. Vor vier Jahren bekam die inzwischen verstorbene Maryam Mirzakhani die Auszeichnung – als erste Frau.