Bild: Reuters/Regis Duvignau
Und was nicht
Was ist passiert?

Die Bewegung "En Marche!" des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron hat in der Nacht zum Samstag gemeldet, Opfer eines Hackerangriffs geworden zu sein. Es handele sich um eine "massive und koordinierte" Aktion, heißt es in einer Pressemitteilung, die auf der Website von "En Marche!" veröffentlicht wurde. Am Freitagabend seien interne Informationen in den sozialen Netzwerken verbreitet worden, darunter E-Mails, Buchführungsdokumente und Verträge

Die Dateien seien schon vor einigen Wochen erbeutet worden, indem private und berufliche E-Mail-Postfächer von Verantwortlichen der Bewegung gehackt worden seien, heißt es weiter. Neben authentischen Dokumenten würden auch zahlreiche Fälschungen verbreitet; Ziel sei es, Zweifel und Desinformation zu säen und der Bewegung zu schaden. Es handele sich um "einen Versuch, die französische Präsidentschaftswahl zu destabilisieren".

Es gibt auch schon einen Hashtag: #MacronLeaks.

Warum ist das wichtig?

Die gehackten Dokumente wurden nur wenige Stunden vor Beginn der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahl veröffentlicht: Am Sonntag tritt Emmanuel Macron in einer Stichwahl gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen an; aktuelle Umfragen sehen ihn mit etwa 60 Prozent vorne. Schon am Samstag wählen die ersten Franzosen – zum Beispiel diejenigen, die auf dem amerikanischen Kontinent oder in den Überseegebieten leben.

"En Marche!" spricht zurecht von einem Eingriff "in der letzten Stunde der offiziellen Kampagne" (Pressemitteilung). In Frankreich endet der Wahlkampf traditionell einen Tag vor der Wahl: Seit Mitternacht am Freitag ist jede Form von Parteienwerbung gesetzlich untersagt. 

Die Kandidaten dürfen keine Versammlungen mehr abhalten und keine Erklärungen abgeben. So sollen die französischen Wähler einen Tag Ruhe haben, um sich zu entscheiden. Das Verbot gilt auch für Privatpersonen, sie dürfen keine Informationen oder Werbung verbreiten, zum Beispiel auf Blogs, Facebook oder Twitter. (SPIEGEL ONLINE)

Macrons letzter Tweet – auf Deutsch: Wählt.

Das alles kommt dir bekannt vor? Zu recht. Auch im US-Wahlkampf waren immer wieder E-Mails der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton geleakt worden. Noch eine Woche vor der Wahl veröffentlichte die Plattform WikiLeaks private E-Mails, die nahelegten, dass Clinton im Vorwahlkampf gegen ihren Konkurrenten Bernie Sanders getrickst hat (bento).

Was steht in den Dokumenten?

Welche Informationen die geleakten Dokumenten genau enthalten und ob davon etwas gegen Macron verwendet werden könnte, ist unklar. "En Marche!" schreibt in seiner Pressemitteilung, die Dokumente seien "alle gesetzmäßig" und würden nur "das normale Funktionieren einer Präsidentschaftskampagne" widerspiegeln. Die Finanzierungsunterlagen der Kampagne wären ohnehin an die Nationale Kommission zur Kontrolle des Wahlkampfs (CNCCFP) übergeben worden.

Die Kontrollkommission warnte am Samstagmorgen davor, Inhalte aus den Dokumenten zu veröffentlichen. Sie rief alle Nutzer von Internetseiten und sozialen Meiden, allen voran die Medien, aber auch alle Bürger, die Daten nicht zu verbreiten und damit das gesetzliche Verbot nicht zu übertreten.  (Pressemitteilung, Twitter)

Wer steckt hinter dem Angriff?

Das ist ebenfalls noch völlig unklar. Veröffentlicht wurden die Daten auf der Website pastebin.com. Später tauchten die Links bei 4Chan auf, einer Website, auf der sich einst die Anonymous-Bewegung gründete. 

Breitere Aufmerksamkeit bekam #MacronLeaks schließlich, als Twitter-Nutzer einstiegen – darunter Trump-Unterstützer aus den USA und die Enthüllungsplattform WikiLeaks. (SPIEGEL ONLINE)

Ist es der erste Angriff auf "En Marche!"?

Nein. Der Generalsekretär von "En Marche!", Richard Ferrand, hatte im Februar mitgeteilt, dass die Bewegung mehrfach Ziel von Hackerangriffen gewesen sei. Ende April bestätigte das Wahlkampfteam von "En Marche!" außerdem einen Bericht der IT-Sicherheitsfirma "Trend Micro", wonach Mitglieder der Bewegung von Phishing betroffen gewesen seien. 

Trend Micro machte damals die Gruppe "Pawn Storm" für die Angriffe verantwortlich; Experten zufolge hat sie Verbindungen mit dem russischen Geheimdienst. Macron hatte sich immer wieder kritisch gegenüber Russland geäußert, seine Konkurrentin Le Pen dagegen ist russlandfreundlich. (SPIEGEL ONLINE"Süddeutsche Zeitung", "Le Monde")


Sport

Wie eine Marketing-Aktion von Nike grandios scheiterte

Du siehst die Uhr ticken und hast nur ein Ziel vor Augen: Sie muss bei unter zwei Stunden stehen bleiben. Das war der Plan. Du rennst und rennst und rennst, doch dann erscheint das hier auf der Anzeige: