Bild: Eric Feferber/Afp/Getty Images

Noch drei Tage, dann wählen die Franzosen einen neuen Präsidenten – oder eine neue Präsidentin. Am kommenden Sonntag werden die beiden Gewinner des ersten Wahlgangs in einer Stichwahl gegeneinander antreten: Der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron kämpft dann gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen.

Aktuelle Umfragen sehen Macron vorne; er käme demnach auf etwa 60 Prozent, seine Konkurrentin Le Pen auf 40 Prozent. Und trotzdem: Die Wahl ist noch nicht entschieden. Denn noch sind einige Franzosen unentschlossen, wen sie wählen – und ob sie überhaupt zur Wahl gehen (Umfrage von Ifop-Fiducial, auf Französisch).

Am Mittwochabend trafen die beiden Kandidaten ein letztes Mal persönlich aufeinander – in der Fernsehdebatte, die traditionell zwischen den beiden Wahlgängen stattfindet. Über zwei Stunden lang diskutierten sie über Arbeitslosigkeit, Rente, Sicherheitspolitik, Bildung und Europa.

Am Ende gab es einen Gewinner: Emmanuel Macron

Der Anführer der Bewegung "En Marche!" hatte zwar nicht für alles eine Lösung, aber im Gegensatz zu seiner Konkurrentin wirkten seine Aussagen besonnen, durchdacht, zum Teil fast feierlich.

Marine Le Pen dagegen fiel vor allem dadurch auf, dass sie ihren Gegenkandidaten ständig unterbrach – und immer wieder log. Macrons Taktik: auch mal einen (kurzen) Moment der Ruhe in die Diskussion bringen. 

Hier sind seine besten Aussagen:
"Was Sie in sich tragen, ist der Geist der Niederlage. ... Ich trage den Geist der Errungenschaft."

Mit diesen Worten eröffnete Macron seinerseits die Debatte. Le Pen würde nur davon sprechen, dass die Globalisierung zu schwierig sei, dass man die Grenzen schließen werde – "als ob das Problem dadurch erledigt ist". Dabei habe Frankreich doch immer Erfolg gehabt in der Welt, seine Sprache würde auf allen Kontinenten gesprochen. "Seine Macht entsteht dadurch, dass es überall strahlt."

Zuvor hatte Le Pen ihren Gegner als "Kandidat der wilden Globalisierung" bezeichnet. Sie hingegen sei die "Kandidatin des Volkes". Außerdem behauptete Le Pen schon ganz am Anfang der Debatte, Macron werde vom amtierenden Präsidenten François Hollande gelenkt.

"Sie haben Recht: Frankreich ist etwas Anderes. Es ist eine offene Zivilisation mit Grundprinzipien. Genau das Gegenteil von dem, was Sie vermitteln."

So reagierte Macron auf den Vorwurf Le Pens, er sehe Frankreich nur als ein Finanzprojekt – und machte damit ganz nebenbei deutlich, wofür Frankreich wirklich steht: nicht für Fremdenhass oder das tradierte Familienbild von Le Pens Vater, sondern für Offenheit und Toleranz.

Anhänger der Bewegung "En Marche" von Macron
"Wie werden Sie das alles finanzieren, Madame Le Pen?"

Diese Frage stellte Macron seiner Konkurrentin mehrmals – und nie wusste sie eine rechte Antwort. Stattdessen reagierte sie mit einer Lüge: "Ich werde Einsparungen für Sie finden. Ihre Europäische Union kostet uns neun Milliarden Euro im Jahr. Ich werde den Franzosen ihr Geld zurückgeben." Macron widersprach, es seien nur sechs Milliarden.

Die Zeitung „Le Monde“ überprüfte die Aussagen noch während der Debatte, das Ergebnis: Le Pens Behauptung sei "übertrieben" und "trügerisch". Der jährliche Beitrag Frankreichs zum EU-Budget liege, je nach Messmethode, zwischen 4,5 und 6,1 Milliarden Euro.

"Sie haben alle Reformen blockiert, die die EU im Kampf gegen den Terrorismus vorgeschlagen hat."

Die Debatte um Sicherheit und Terrorismus bestimmte Le Pen lange; man merkte, dass es ihre Kernthemen sind. Erst gegen Ende schaffte Macron, eine ihrer zentralen Forderungen auseinander zu nehmen: Die Grenzen zu schließen bringe überhaupt nichts, sagte er. Erstens hätten auch Länder, die nicht Mitglied des Schengenraums sind, die gleiche Art von Attentaten erlebt. Und zweitens würde Frankreich seine Grenzen schon seit November 2015 wieder kontrollieren.

Außerdem würden sich die Terroristen heute über das Internet organisieren; Grenzen seien gar nicht so wichtig. Es brauche eine noch größere Kooperation unter den Mitgliedstaaten der EU, um den Terrorismus zu bekämpfen – aber Le Pen habe im EU-Parlament ja immer gegen entsprechende Vorschläge gestimmt.

 "Großbritannien hat mit uns nichts zu tun, es ist nicht im Euro, es war nie im Euro."

Natürlich behandelte die Debatte auch die Haltung der beiden Kandidaten zu EU und Euro. Le Pen sagte, die EU werde Platz machen für ein Bündnis freier und souveräner Nationen.

Auf die wiederholte Frage Macrons, ob sie den Franc wiedereinführen wolle, sagte Le Pen schließlich, man müsse zur nationalen Währung zurückkehren; der Euro solle nur noch als eine "Gemeinschaftswährung" für Staaten und große Unternehmen bestehen bleiben. Wie genau das funktionieren soll, konnte sie nicht recht erklären – und stellte nur einen Vergleich mit Großbritannien an. 

Macrons Antwort: "Großbritannien war nie im Euro."

"Wenn Sie gewählt werden, wird die Welt nicht gut auf uns blicken, das steht fest. Das Bild, das Sie von Frankreich zeichnen, ist nicht schön."

Diesen Satz sagte Macron, als es um die Beziehung Frankreichs zu den USA und Russland ging. Er fasst damit aber auch sehr gut zusammen, was der Kandidat ganz allgemein von seiner Konkurrentin hält.

"Lassen Sie mich mein Konzept erklären, Sie erklären das Ihre.“

Bemerkungen wie diese machte Macron mehrmals. Tatsächlich schien Le Pen die meiste Zeit darauf zu verwenden, ihren Gegner und sein Programm anzugreifen. Ihre eigenen Vorstellungen blieben, außer beim Thema Sicherheit, vage.

Was außerdem auffiel: Le Pen hatte vor sich einen ganzen Stapel Papiere liegen, in denen sie immer wieder blätterte. Macron hatte nichts dabei. Stattdessen schaute er seine Gegnerin ununterbrochen an – und wirkte auch dadurch souveräner.

Nur gegen Ende erlaubte er sich einen Ausfall: Da bezeichnete er Le Pen als „Parasit“. Unnötig. 
Quellen:

Food

Warum dein Lieblingsdrink früher ein Lebensretter war

Um sich zu Kolonialzeiten vor Malaria zu schützen, tranken die Europäer im Ausland eine bittere Flüssigkeit. Heute ist das Getränk hingegen nur noch als erfrischender Longdrink bekannt. 

Was soll das bitte sein? Im obigen Video erfahrt ihr die Antwort.