Bild: Screenshot Facebook
4 Fragen, 4 Antworten

In Frankreich entzündet sich gerade anhand eines Überwachungsvideo eine neue politische Debatte: Eine junge Frau wird von einem Mann geohrfeigt, beobachtet von Café-Besuchern, mitten in Paris. 

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Wie kam es zu dem Vorfall?

Was auf dem Überwachungsvideo zu sehen ist: Marie Laguerre ist gerade auf dem Nachhauseweg, als ein Mann mitten auf der Pariser Straße anzügliche Kommentare und Geräusche macht. Er läuft ihr hinterher, soll angeblich einen Aschenbecher nach ihr geworfen haben. Irgendwann reicht es ihr. Sie soll ihm "Halt die Fresse" zugerufen haben. (Süddeutsche)

Die 22-Jährige geht weiter, der Mann schreit ihr etwas hinterher. Sie diskutieren auf offener Straße.

Dann passiert es: Er schlägt ihr ins Gesicht. So hart, dass sie zur Seite wegkippt. 

Die Gäste im Café blicken erschrocken um sich, manche stehen auf. Einer geht auf den Mann zu, nimmt sich einen Stuhl. Marie zeigt dem Kerl den Mittelfinger, während andere um ihn herum stehen und mit ihm sprechen. Dann geht er. 

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Wie reagiert die Öffentlichkeit auf das Video?

Das Video kursiert im Netz und stößt auf große Resonanz: Unter dem Hashtag #NousToutes (übersetzt "Wir alle" in der femininen Form) kommentieren die Nutzerinnen und Nutzer den Vorfall und wollen Marie unterstützen. 

Viele bedanken sich bei der Studentin, dass sie ihre Erfahrung öffentlich teilt. Das erfordere viel Mut

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Wie reagiert die französische Politik auf das Video?

Die französische Gleichstellungsstaatssekretärin Marlène Schiappa sei empört, aber nicht überrascht über den Vorfall. (Le Parisien) Schiappa versprach eine „angemessene politische Antwort“.

Die Bürgermeisterin des 10. Arrondissements in Paris, Alexandra Cordebard, bedauerte es auf Twitter, dass solche Vorfälle viel zu häufig passieren. Sexuelle Gewalt müsse unermüdlich bekämpft werden.  

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Was hat #MeToo damit zu tun?

Die #MeToo-Debatte ist in Frankreich ein großes Thema. Um ein Zeichen gegen sexuelle Gewalt und Sexismus zu setzen, hat das französische Parlament ein neues Gesetz erlassen. Es soll dafür sorgen, dass Belästigung auf der Straße bestraft wird (bento). Mindestens 90 Euro können für „sexistische Beleidigung“ als Strafe verhängt werden. Die werden unter anderem fällig bei:

  • unangebrachten Gesten,
  • anzüglichen Bemerkungen über den Körper,
  • bei Pfiffen,
  • bei aufdringlichen oder obszönen Blicken,
  • und beim Verfolgen einer Person über eine gewisse Distanz hinweg.

Hier kannst du dir das Video anschauen:


Gerechtigkeit

Hey, Deutschland: Eine Abtreibung ist nicht kriminell. Und darüber zu informieren auch nicht
Für Ärztelisten und gegen Kriminalisierung

Im Juni 1971 veröffentlichte das Wochenmagazin "Stern" eine bis heute berühmte Titelgeschichte zum Thema Abtreibung: Eine Fotocollage von dreißig Frauen, darüber ein gelbes Banner auf dem in dicken Lettern der Satz "Wir haben abgetrieben!" prangte. Im zugehörigen Text behaupteten insgesamt 374 Frauen – unter ihnen Senta Berger, Romy Schneider und Alice Schwarzer – ihre Schwangerschaft abgebrochen und damit gegen geltendes Recht verstoßen zu haben. 

Die Aktion war mutig: Abtreibungen waren damals illegal, wer sich trotzdem dazu entschloss, dem drohten – jedenfalls laut Gesetz – bis zu fünf Jahre Gefängnis

Die Stern-Geschichte war der Auslöser einer neuen Frauenbewegung, die fünf Jahre später dazu führte, dass Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen bis zur zwölften Woche straffrei möglich sind.