Bild: imago/Ralph Peters

Models haben perfekte Haut, schmale Taillen, runde Brüste. Ihre Kurven sehen aus, wie aus einer Einheitsform geschnitten – zumindest auf Bildern.

In Wahrheit haben auch Models Dehnungsstreifen, Pickel und ganz normale Körperproportionen, die nicht zwangsläufig dem überholten 90-60-90-Ideal entsprechen. Nur, dass wir die Wahrheit selten zu sehen bekommen. Daraus entstehen unnatürliche und unerreichbare Körperideale.

Essstörungen bis hin zu Magersucht, vor allem bei jungen Mädchen, sind mögliche Folgen.

Eine deutsche Studie belegte etwa, dass die TV-Sendung "Germany's Next Top Model" bei den Zuschauerinnen Essstörungen begünstigt. (Faz / Meedia)

Werberäte und Ärzte appellieren immer wieder an die Medien- und Werbeindustrie, das falsche Bild von Frauenkörpern zu korrigieren. Frankreich ist hier nun einen Schritt weiter gegangen.

Am 1. Oktober tritt im Land der Mode ein neues Gesetz in Kraft:

  • Werbefotos, in denen die Abbildung von Models nachträglich bearbeitet wurde, müssen mit dem Hinweis "photographie retouchée" gekennzeichnet werden. 
  • Als retuschiert oder nachträglich bearbeitet gelten Bilder, in denen Körperformen nachträglich bearbeitet wurden – also beispielsweise Taillen schlanker oder Brüste runder.
  • Wer den Hinweis nicht platziert, dem drohen mehrere Zehntausend Euro Strafe. (Gesetz FrankreichW&V)
Cellulite statt Filter – Dieses Model zeigt wie's wirklich ist:

In Frankreich leiden rund 600.000 junge Menschen an Essstörungen, davon haben 40.000 Magersucht, also Anorexie. Unter den 15- bis 24-Jährigen sind Essstörungen die zweithäufigste Todesursache nach Straßenunfällen. (Spiegel Online)

Vor diesem Hintergrund ist nicht nur die Darstellung von Models in der Werbung, sondern auch ihre eigene Gesundheit Dauerthema. Erst im März hatte wieder eine Werbekampagne des Modehauses Saint Laurent Empörung ausgelöst, weil die Models darin ungesund dürr aussahen. (Spiegel Online

Seit Mai dürfen Models in Frankreich zudem nur noch mit ärztlichem Gutachten ihren Beruf ausüben. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Frauen nicht magersüchtig sind. (bento

Ob das neue Gesetz in Frankreich die erhoffte Wirkung haben wird, ist allerdings unklar.

Das hat zwei Gründe:

  1. Die Regelung gilt nur für Werbung, nicht für redaktionelle Strecken in Magazinen. Die aber sind in der Branche viel begehrter und viele junge Frauen schaffen hier erst ihren Durchbruch. Der Druck, besonders dünn zu sein, könnte daher bestehen bleiben. (New York Times)
  2. Unklar ist außerdem, wie prominent die Kennzeichnung platziert werden muss. Die Bildrechte etwa stehen meistens in Kleinstbuchstaben am Rand – aber da schauen normale Leser nicht hin. 
So argumentieren Agenturchefs gegen Magermodel-Gesetze:

Der Wissenschaftler Bryn Austin von der Harvard Universität untersucht die Zusammenhänge zwischen gephotoshoppten Models und Essstörungen. Er bezweifelt, dass das Gesetz die endgültige Lösung sein wird. Trotzdem begrüßt er den Schritt. "Frankreich sagt der Mode- und Werbeindustrie damit, dass es Zeit ist, sich verantwortlich gegenüber jenen Menschen zu verhalten, von denen ihre Branchen schließlich abhängen." Das Modeland könne hier auch eine Vorbildfunktion einnehmen. Vielleicht, so Austin, ziehen dann andere Länder nach. (New York Times)

Die ersten positiven Effekte gibt es bereits. 

Die amerikanische Bildagentur Getty Images kündigte Ende September an, keine Bilder mehr zu akzeptieren, in denen die Körperform von Menschen verändert wurde. (DPReview)

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