Bild: epa/ Alice Patalacci
In der Normandie stürmten IS-Anhänger eine Kirche.
Was ist passiert?
  • Zwei Männer haben am Dienstag im französischen Saint-Étienne-du-Rouvray in einer Kirche mehrere Geiseln genommen. Dabei ist der Pfarrer getötet worden. Eine weitere Geisel wurde lebensgefährlich verletzt, die anderen drei blieben unversehrt. (SPIEGEL ONLINE)
  • Die Sondereinheit der Polizei erschoss die beiden Geiselnehmer.
  • Wie französische Medien berichten (lemonde.fr), sind die mit Messern bewaffneten Attentäter am Morgen durch den Hintereingang in die Kirche gelangt. Dort feierte die Gemeinde einen Gottesdienst. Die Angreifer brachten den Pfarrer, zwei Ordensschwestern und zwei weitere Frauen in ihre Gewalt. Eine Frau konnte flüchten und die Polizei alarmieren.
Handelt es sich um einen Terrorangriff?

Frankreichs Präsident François Hollande bezeichnete das Attentat als einen Terroranschlag. Er erklärte, die beiden Männer hätten sich zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt (tagesschau.de). Die dem IS angehörende Propagandaagentur Amaq behauptete, die Terroristen hätten auf einen IS-Aufruf zum Angriff auf "Kreuzzügler" hin agiert.

Alle Katholiken, die Angehörigen aller Religionsgemeinschaften, müssten nun zusammenstehen, sagte Hollande.

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Was meint der IS, wenn er von "Kreuzzüglern" spricht?

Islamistische Gruppen wollen einen Endkampf der Muslime gegen andere Religionen herbeiführen (bento). Und berufen sich daher oft auf die Geschichte: Im Mittelalter zogen Christen in selbsterklärter "göttlicher Mission" in mehreren Kreuzzügen zu Kriegen in den Nahen Osten, um die Region zu unterwerfen.

Wenn westliche Staaten mit Luftschlägen und Drohnenangriffen heute Ziele im Nahen Osten angreifen, dann stellen die Islamisten dies in die "Kreuzzügler"-Tradition. Es handele sich um Christen, die die Eroberung des Nahen Ostens vollenden wollen.

Bei den Angriffen kommen auch immer wieder Zivilisten ums Leben, erst vor rund einer Woche kamen 56 Menschen bei einem US-Angriff in Syrien ums Leben ("New York Times"). Islamisten nutzen die Opfer für ihre Propaganda – und wollen so ihre eigene Gewalt rechtfertigen.

Wurden nun erstmals gezielt Christen von IS-Anhängern getötet?

Nein. Der IS greift schon länger Christen an: Im Februar 2015 veröffentlichte die Miliz ein Video aus dem Bürgerkriegsland Libyen. Darin ist zu sehen, wie 21 aus Ägypten entführten Christen die Köpfe abgetrennt wurden. Der IS nannte seinen Propagandafilm "Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes" und verkündet, mit Libyen schon unmittelbar "südlich von Rom" zu sein. Gemeint war der Sitz der katholischen Kirche im Vatikan.

Auch andere Religionen werden immer wieder Opfer der Terroristen: Im Nordirak machte der IS Jagd auf die religiös-ethnische Minderheit der Jesiden und verunglimpfte sie als "Teufelsanbeter" ("Die Zeit"). Am häufigsten treffen die Anschlägen des IS jedoch Muslime – jene Gläubige, zu denen sie sich selbst zählen. Vor allem im Irak und jüngst wieder in Afghanistan (SPIEGEL ONLINE) töten die Extremisten Anhänger des schiitischen Islam.

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