Ein Thema von Morgen: Die Queen wird 90. Ein anderes: Plakatwerbung ist das neue Facebook. Und ein Doppelzimmer im Drei-Sterne-Hotel kostet übrigens das Doppelte, wenn eine Messe in der Stadt stattfindet.

Drei Dinge, die lernt, wer die "Frankfurter Allgemeine Woche" liest, das neue Wochenmagazin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Laut Eigenbeschreibung ist die "Woche" "modern und meinungsbildend" – modern? Da sind wir dabei. Da schauen wir doch mal rein. Freitag ist die erste Ausgabe erschienen.

Das steht in der "Frankfurter Allgemeinen Woche":

Das Heft für 3,50 Euro will eine Zeitschrift zum Start ins Wochenende sein, "für deren Lektüre auch in einem gut gefüllten Terminkalender noch Platz ist". Ob das ein Entscheider-Terminkalender ist, der auch am Samstag mit Meetings, Calls und Pitches gefüllt ist, oder eher ein Entschleuniger-Terminkalender, der aus Brunchen, Acro-Yoga und Alster-Radtour besteht, lässt die Redaktion zunächst offen.

Der Blick ins Heft lässt beides vermuten: Es gibt eine Reportage über Craft Beer und Fotos vom aussterbenden Braunkehl-Faultier neben Gedanken über die Rentenerhöhung oder den Ölpreis.

Wirklich jünger, wirklich im 21. Jahrhundert angekommen ist die "Woche" allerdings nicht. Die Autoren heißen Berthold, Holger und Uwe. Insgesamt schreiben 32 Männer und fünf Frauen Texte im Blatt. Für ein modernes Blatt bräuchte es aber mehr weiblichen Blick, mehr Diversität, mehr junge Themen – sowohl in der Redaktion als auch bei den Heftinhalten.

Aber die Redaktion will sich selbst gar nicht verjüngen. Verlagschef Thomas Linder sagte im Interview mit Meedia: "Wir glauben nicht an die Verjüngungskuren erwachsener Medienmarken, schon gar nicht für die FAZ." (Meedia)

Der typische Leser solle "lediglich ein Stückchen jünger" als der FAZ-Zeitungsleser sein: Anfang 30, gut im Job und interessiert an der Welt. Mit 29 Jahren gehöre ich gerade schon so zur Zielgruppe. Anstatt "overnewsed – but underinformed" zu sein, sollen mir Inhalte geboten werden. Also: Ölpreis erklären, Artensterben abbilden.

Leider an der Zukunft vorbei

Es ist ja richtig, über die wichtigsten Themen aus Politik und Wirtschaft zu schreiben. Zu denken, jeder der U40 ist und kein Printabo sein Eigen nennt, hätte kein Interesse an den Zeitläuften, ist gestrig und überheblich. Und jüngere Leser ernst nehmen bedeutet ja nicht, nur Netz-Gaga-News zu verbreiten. Natürlich wollen wir die Welt verstehen.

Aber genau daran scheitert die "Woche". Was das Magazin bietet, könnte genau so auch in der alten Zeitung stehen. Keine Haltung, keine Ansprache, keine Emotion holt die anvisierte junge Leserschaft ab.

Wo sind die Nach-vorne-Gedanken im Heft: Dass Barack Obama am Ende seiner acht Jahre Amtszeit in den USA als "lahme Ente" bezeichnet wird? Geschenkt. Dass die Babyboomer demnächst ein fettes Rentenpaket bekommen? Tja. Wo bleiben die Antworten?

Die Themen, die unsere Gesellschaft bewegen, bleiben in der "Woche" seltsam unberührt. Die Flüchtlingsfrage ist hier keine moralische, die uns alle angeht – sondern eher eine Frage danach, wie viel Entwicklungsgelder wo ankommen. TTIP wird nicht als Frage nach transatlantischer Identität verhandelt, sondern als ökonomische Notwendigkeit. (Ebenfalls im Heft: Eine ganzseitige Anzeige für TTIP der Stiftung neue soziale Marktwirtschaft.)

Geld ist das beherrschende Thema zwischen den Zeilen

Eigentlich wenig überraschend: Denn die "Woche" kommt aus Frankfurt am Main, der Bankenstadt. Aber dann doch überraschend, wenn es ein Magazin für jüngere Leser sein soll. Wäre sie mit Sitz in Berlin oder Köln oder Freiburg womöglich besser dran?

Aber vielleicht geht es auch gar nicht darum, was wir uns leisten können oder wollen – und sei es nur ein 3,50-Euro-Magazin. Vielleicht geht es darum, in welche Welt wir uns hineintrauen und -träumen wollen. Wenn wir Spießer sein wollen, dann ist die "Woche" unser Blatt.

Nerdfact: Der Titel zeigt Angela Merkel und Barack Obama als Superhelden. Obamas Kostüm ist an Captain America angelehnt, das von Merkel hingegen sieht gefährlich nach Superschurke Black Adam aus. Aber das war wohl eher Unkenntnis als Absicht der Illustratoren.


Musik

Wofür Berlin-Neukölln jetzt berühmt wird
Der Drummer von Frittenbude ist dabei.

Zwischen Dönerläden, türkischer Hochzeitsmode und Hipstermeile in Berlin-Neukölln entsteht gerade eine der spannendsten Jazzszenen Europas. Wir haben den Pianisten Uri Gincel und den Schlagzeuger Moritz Baumgärtner getroffen, der auch bei Bonaparte und Frittenbude hinter den Drums sitzt.