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Was der Beauftragte überhaupt macht, ist auch nicht so ganz klar.

Ende April sorgte eine Personalie für Unmut im Frankfurter Rathaus. Der Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) beschloss, seinem bisherigen Büroleiter eine neue Position zu geben, die keiner so recht verstand: Martin Wimmer wurde zum "Hauptstadt-Beauftragten" befördert. (Bild)

Als solcher soll er in Berlin die Interessen der Stadt Frankfurt vertreten – was auch immer das heißen soll. Denn eigentlich gibt es für solche Aufgaben schon die hessische Landesvertretung. Einen eigenen Hauptstadt-Gesandten hat außer Frankfurt keine andere Stadt Deutschlands.

Außerhalb der SPD-Fraktion gab es deshalb viel Kritik an dieser Entscheidung – die CDU-Politikerin Lucia Puttrich beispielsweise beschwerte sich: "Der Oberbürgermeister zahlt 7000 Euro für einen Briefkasten am Potsdamer Platz. Den kann er billiger haben – die Hessische Landesvertretung liegt nur drei Minuten entfernt." Damit spielte sie auf das Gehalt Wimmers an – bereits vor seiner Beförderung verdiente er als Amtsleiter etwa 7.500 Euro.

Was angesichts dieser Kritik ratsam gewesen wäre: Erstmal die Füße stillhalten, den neuen Job anfangen, beweisen, dass die Stelle keinesfalls überflüssig ist.

Was Wimmer stattdessen getan hat: Ein Wohnungsgesuch veröffentlichen, in dem er 2.500 Euro für die Traumbude inklusive Yoga-Zimmer bietet. (B.Z.)

"Wir ziehen nach Berlin", beginnt er seinen Facebook-Post – und führt dann seine nicht eben bescheidenen Vorstellungen von seiner zukünftigen Wohnung aus.

100 Quadratmeter soll sie haben, mindestens, dafür würden er und seine Partnerin bis zu 2.500 Euro zahlen. Was dafür aber schon drin sein sollte: Ein Wohn-Essbereich mit angegliederter oder integrierter Küche, ein Zimmer für Yoga (wahlweise: Arbeiten), und eine Badewanne.

(Bild: Facebook)

Wohnen würden sie eigentlich überall, nur nicht so gern an der Autobahn oder über einer Baustelle. Achso, und Restaurants, Cafes und einen Biomarkt sollte es auch geben. Also kommen eigentlich doch nur in Frage: Wilmersdorf, Schöneberg, Tiergarten, Mitte, Prenzlauer Berg, Kreuzberg. Kein Problem, dort sucht sonst gerade auch eigentlich niemand.

Ansonsten gibt sich der Hauptstadt-Gesandte durchaus bescheiden. Ein Balkon, beziehungsweise eine Terrasse, seien "kein Muss". Ein Aufzug allerdings schon (ab dem zweiten Stock! Der gute Mann ist schließlich schon 49). 

Was auch leider gar nicht geht: "Ein Dachgeschoss mit zu vielen Schrägen und Säulen wäre nichts für uns", wie er schreibt. Was "gegebenenfalls" in Ordnung wäre: etwas "loftartiges". Ziemlich vernünftig – der Wohnungsmarkt in Berlin ist schließlich angespannt, da muss man "gegebenenfalls" auch Kompromisse eingehen.

Wenn eine Wohnung den Ansprüchen genügt, bekommt man mit Wimmer als Mieter aber auch einiges zurück. "Wir bieten: keine Kinder, keine Haustiere, Nichtraucher", beendet er den Post. Wow.

Ob das Gesuch Wimmer zu seiner Traumwohnung gebracht hat, ist nicht bekannt. Inzwischen hat er den Post gelöscht.

Fest steht aber: Die Lästereien im Frankfurter Rathaus hat er damit nicht beendet. Und so richtig überzeugt, dass diese Stelle wirklich nötig ist, hat er auch niemanden.


Gerechtigkeit

Grundschullehrer wegen Verschwörungstheorien und Judenhetze entlassen
Sein Rausschmiss wurde schon länger diskutiert.

Nikolai N. nennt sich selbst "Volkslehrer" und hat eine eigene Sicht auf die Welt: Über seinen YouTube-Kanal verbreitet er Verschwörungstheorien, bestreitet etwa, dass es Terroranschläge gegeben hat. Das ist deshalb heikel, weil N. Grundschullehrer ist und bis vor wenigen Monaten in Berlin unterrichtet hat.

Nun hat die Senatsschulverwaltung dem Lehrer fristlos und außerordentlich gekündigtwie der "Tagesspiegel" und die "Berliner Zeitung" berichten. Thorsten Metter, der Sprecher der Verwaltung, sagte dem "Tagesspiegel", er habe die Kündigung Ende vergangener Woche erhalten.