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Lieferdienst-Fahrer kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen. 4 Fragen, 4 Antworten.

Frankreich hat am Sonntagabend die Chance, Weltmeister zu werden. Dementsprechend viele Franzosen werden sich deshalb vor den Fernsehbildschirmen versammeln, um ihrer Nationalmannschaft dabei zuzusehen, wie sie um den Titel kämpft.

Was sie dabei nicht tun können werden: Essen bestellen. Denn die Kuriere von Deliveroo, Foodora und anderen Lieferdiensten haben angekündigt, während des WM-Finales zu streiken. (Politico)

Die vier wichtigsten Fragen zur Situation:

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Wer streikt – und warum?

Das "Independent Deliverymens Collective in Paris" (CLAP), eine Gruppe, die den Streik für die Arbeiter organisiert, hat angegeben, dass mit dem Streik gegen folgende Faktoren protestiert werden solle:

  1. Die gefährlichen Arbeitsbedingungen
  2. Die aggressive Einstellungspolitik
  3. Die Erhöhung der Arbeiteranzahl, die die Löhne gedrückt hat.

Neben Deliveroo, Foodora und Uber Eats nehmen auch die Lieferdienste Stuart und Glovo an dem Streik teil.

Das CLAP gab den Streik am 4. Juli auf Twitter bekannt – und erklärte, dass der Zeitpunkt bewusst in einer der "profitabelsten Wochen" für die Lieferdienste stattfinden soll.

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Wie wird der Streik ablaufen?

Es ist unklar, wie umfangreich der Streik ausfallen wird. Die CLAP wollte sich nicht zu dem aktuellen Stand der Planungen äußern. 

Ohne einen formellen Gewerkschaftsvertrag, den die Lieferdienstmitarbeiter nicht haben, ist es unwahrscheinlich, dass die Streikenden eine Entschädigung von Seiten ihrer Arbeitgeber erhalten. Um trotzdem möglichst viele Fahrerinnen und Fahrer für den Streik zu motivieren, wurde ein Crowdfunding-Projekt gestartet, das Geld für die Streikposten sammelt. Bis zum Samstagmorgen konnten bereits 1.800 Euro gesammelt werden.

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Was fordern die Streikenden?

Die Forderungen der CLAP beinhalten folgende Punkte:

  1. Einen stündlichen Mindestlohn
  2. Boni für das Radfahren bei Regenwetter
  3. Die Möglichkeit garantierter Arbeitsstunden.


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Was sagen die Lieferdienste dazu?

Ein Sprecher von Deliveroo sagte, dass die Forderungen der Pariser Streikenden "nicht die Wünsche von Tausenden von Fahrern darstellen", die die Flexibilität schätzen, "wann, wo und ob zu arbeiten". Der Sprecher fügte hinzu: "Es würden gar nicht so viele Fahrer mit Deliveroo zusammenarbeiten, wenn sie durch ihre Anstellung ihre Freiheit verloren hätten und das Arbeitsverhältnis so schlimm wäre."


Trip

"Ich führe ein Doppelleben": Wie es wirklich ist, am Ballermann zu arbeiten

Auf der einen Seite der Mauer drückt Musik durch Boxen, Männer in Baywatch-Montur feiern ihren Sommerurlaub. Auf der anderen Seite schwitzt Peter seit vier Stunden in der Sonne. Er, 29 und aus Cottbus, muss hier arbeiten. Mitten auf dem Ballermann. 

Leute anquatschen, sie in eine der Diskos locken. Ein Promotion-Job, den er nicht macht, weil er das Geld braucht. 

Er will die sechs Wochen Schulferien, die er als Lehrer hat, ganz bewusst hier verbringen. Zwischen Konterbier, scheppernden Bässen und Kotze. Peter liebt es hier.