Bild: Felix Weiss/Mission Lifeline/dpa
"Erst heute Nacht musste ein Mensch evakuiert werden."

Fünf Tage lang harrte das deutsche Rettungsschiff "Lifeline" mit 230 Flüchtlingen an Bord auf dem Mittelmeer aus. Jetzt darf es nach Angaben der italienischen Regierung in Malta anlegen. (bento

Italien werde einen Teil der Migranten übernehmen, erklärte Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte nach einem Telefonat mit dem maltesischen Premierminister. Er hoffe, dass andere EU-Länder sich auch dazu bereit erklären würden.

Davor hatte Frankreichs Regierungssprecher gesagt, dass sich eine Lösung abzeichne. Frankreich zeige sich außerdem bereit, ein Team zu schicken, um Asylanträge der Flüchtlinge auf Malta zu bearbeiten.

Das dänische Containerschiff Alexander Maersk durfte am Montagabend nach mehreren Tagen Ungewissheit in Italien anlegen. Der italienische Innenminister Matteo Salvini hatte zunächst beiden Schiffen eine Absage erteilt.

Die Retter der deutschen Hilfsorganisation an Bord der "Lifeline" hatten mit der nun gefundenen Lösung nur wenig zu tun: Nach eigenen Angaben erfuhren sie erst aus der Presse davon. Bisher haben sie noch keine Anlege-Erlaubnis bekommen.

Wir haben mit Axel Steier von "Mission Lifeline" gesprochen, der in ständigem Kontakt mit der Crew steht.

Wie war die Situation an Bord zuletzt?

"Die Situation ist sehr, sehr kritisch. Wir haben zurzeit starke Sonnenstrahlung und gleichzeitig Seegang. In dem Zustand wird es auf jeden Fall noch gesundheitliche Schwierigkeiten geben. Die Menschen an Bord sind schon vorgeschädigt, erst heute Nacht musste ein Mensch evakuiert werden."

Wie lief die Rettung am Donnerstag ab? Wo wurden die Flüchtlinge aufgenommen?

"Wir haben die Menschen in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste aufgenommen. Wenig später haben wir die Alexander Maersk unterstützt, deren Besatzung die Hilfe dankbar aufgenommen hat. Sie hatten keine Rettungsschlauchboote, es war eine hochgradig lebensgefährliche Situation. Ohne NGOs gäbe es verheerende Folgen.

Die libysche Küstenwache hat im Gegensatz zu uns keine Rettungswesten, keine Schnellboote und keine Ärzte an Bord. Logistisch gesehen sind wir die am besten ausgestattete und ausgebildete Alternative.

Ohne unsere Rettung wären manche vielleicht ertrunken oder es wäre zur Rückführung in ein Bürgerkriegsland gekommen, wo man nicht weiß, was alles passieren kann. Möglicherweise würden sie in „beobachteten“ Lagerhallen dahinvegetieren. Kurz- oder langfristig hätten viele von ihnen nicht überlebt."

Was passiert, wenn ein Rettungsschiff längere Zeit nicht einlaufen darf?

"Für uns ist das aktuelle Vorgehen keine Lösung, eher eine Problembewältigung. Nach längerer Zeit wäre Transshipment eine Alternative, also die Überführung auf ein anderes Schiff. Eine Option, die länger dauert, wäre eine ECHR-Klage (Anm. der Redaktion: Klage am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte). Damit können wir uns in einen Hafen einklagen. Das kann zwei bis drei Tagen dauern, aber auch länger."

Wie hat sich die Situation im Mittelmeer in den vergangenen Tagen und Wochen verändert?

"Ich habe das Gefühl, dass jetzt der gesamte staatliche Apparat aus dem Bereich der Rettung abgezogen wird und stattdessen vielmehr die Rückführung institutionalisiert wird. Das ist keine Überraschung, wenn man sich die EU-Grenzpolitik der vergangenen Jahre anschaut. 

Die Bürgerinnen und Bürger müssten Gegenmaßnahmen ergreifen, um ihre eigenen Rechte zu schützen. Wir alle haben die gleichen Rechte – dazu gehört auch das Recht auf Flucht, das Recht auf Leben und das Recht auf Beantragung von Asyl."


Mit Material von dpa


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